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3. Tourismuskonzeption für Treptow-Köpenick

Die Tourismusbranche gilt weltweit als "'die' Zukunftsindustrie des 21. Jahrhunderts" (Opaschowski). Sie habe sich zum größten Wirtschaftszweig der Welt entwickelt und trage 10 % zum Bruttosozialprodukt der Weltwirtschaft bei. Selbst in Deutschland werden - trotz Rückgang des Inlandstourismus - noch etwa 6 % des Bruttosozialprodukts "direkt und indirekt durch touristische Nachfrage erwirtschaftet". Etwa 6 % der Erwerbstätigen in Deutschland leben vom Tourismus. War bisher der Tourismus einer der am stärksten wachsenden Wirtschaftszweige in Deutschland, so erlebte er in Konkurrenz mit den Ferndestinationen seit den 80er Jahren merklich erste Rückschläge. Die Wiedervereinigung 1990/91 brachte nur eine kurzfristige Auslastung der touristischen Kapazitäten. Es scheint, als befände sich der Tourismus nach überproportionalen Wachstumsphasen in einer Normalisierungsphase - in einer Phase, die - wie übrigens auch in den anderen Wirtschaftsbereichen - von einem Wandel vom Verkäufermarkt zum Käufermarkt gekennzeichnet ist. Die Tourismusbranche hat nun mit Marktsättigung und im Zuge des allgemeinen wirtschaftlichen Strukturwandels mit strukturellen Nachfragerückgängen und Verdrängungswettbewerb zu kämpfen und steht unter einem massiven Kosten- und Auslastungsdruck. Unverkennbar schlittert diese Branche ebenfalls in einen umfassenden Strukturwandel. (Vgl. hierzu u.a. Ullmann 2000: S. 26 ff/37/41 ff; Freyer 2001: S. 11 ff; Luft 2001: S. 159 ff/317 ff; Opaschowski 2002: S. 195 ff)

Trotzdem werden dem Deutschlandtourismus vor dem Hintergrund der Veränderungen im allgemeinen Reiseverhalten unter Bedingungen stagnierender und rückläufiger Realeinkommen (Urlaubsdevise: Kürzer, weniger, billiger) gute Zukunftschancen bescheinigt - jedoch unter einem verschärften Verdrängungswettbewerb im Freizeit- und Erlebnismarkt. Mit dem Wandel des "Reisetraumes" zum "Lebensstil" in einem zweiten Zuhause erhöht sich zugleich die Anforderung an die Qualität der Destination bezüglich Infrastrukturausstattung, Anmutungs- und Erlebnismöglichkeiten, Dienstleistungen und Service.

Im Zusammenhang mit diesen kurz umrissenen Anforderungen an ein neues "touristisches Ambiente" (siehe 2.3.2 Veränderungen im Freizeit- und Reiseverhalten) wird - zumindest von der Möglichkeit her gesehen - der Inlandstourismus und der Städtetourismus interessanter. Überhaupt hat sich seit Mitte der 90er Jahre in den Großstädten und Ballungsräumen - entgegen der vorherrschenden Meinung in der Stadtforschung - ein Trendwechsel bemerkbar gemacht (vgl. hierzu und im folgenden: Geppert/Gornig 2003). Von 1998 bis 2002 ist in den Großstädten (ebenso in den Kernstädten) z.B. die Beschäftigung deutlich stärker expandiert als im übrigen Landesdurchschnitt. Das wirtschaftliche Wachstum konzentrierte sich offenbar auf die großen Städte - allerdings mit großen Unterschieden. Träger dieses Wachstums war nicht die Warenproduktion, sondern neben vor allem den produktionsorientierten bzw. überregionalen Dienstleistungen (wie z.B. Finanz- und Beratungsdienste) und den Medien auch der Tourismus. Die räumliche Konzentration der überregional orientierten Dienstleistungen auf die wachstumsstarken Großstädte nimmt weiterhin zu. Die höchste wirtschaftliche Dynamik erreichten die Städte München, Köln und Frankfurt am Main (8 und 10 %iges Beschäftigungswachstum). Berlin ist eine Ausnahmeerscheinung; hier wirkte der Transformations- und Integrationsprozess auf das Niveau der "Neuen Länder" fort. Die Beschäftigung in Berlin ging in diesem Zeitraum weiter zurück (- 2,5 %), obwohl sich die Hauptstadt im regionalen Durchschnitt durch eine besondere Dynamik auszeichnete - auch im Tourismus. "Entwicklungsschlusslicht (gegenüber der Großstadtkonkurrenz - E.K.) ist die Hauptstadt (…) im Kultursektor". Die Wirtschaftsstatistiker rechnen für Berlin aber neben anderen tertiären Sektoren dem Tourismus "besonders günstige (…) Standortbedingungen" zu. Auch hier gelte es "Lücken und Nischen (…) zu entdecken, zu besetzen und auszubauen". Erlangt sie in ökonomischen "Ranking-Studien" zur Ausstattung mit harten Standortfaktoren nur hintere Ränge, so schneidet die deutsche Hauptstadt im Städtevergleich aber bezüglich des "weichen" Standortfaktors "Freizeitwert" weit besser ab.

3.1 Grundsätze für eine zukunftsfähige Tourismusentwicklung

Es besteht weitgehend Konsens darüber, dass - wenn auch auf unterschiedlichen Grundlagen und Entwicklungsständen - im Tourismus gegenwärtig eine Situation erreicht ist, in der der Tourismus selbst - und zwar: keinesfalls nur im Falle seines Wachstums, sondern auch seiner Stagnation und seines Rückgangs - droht, seine eigene Existenzgrundlage anzugreifen. Tourismus bedeutet unbestreitbar immer Folgewirkungen für die Destination, ökonomische Folgewirkungen auf die lokale bzw. regionale Wirtschaft, soziokulturelle Folgewirkungen auf das lokale bzw. regionale Milieu und auf das kulturelle und historische Erbe sowie nicht zuletzt ökologische Folgewirkungen auf die lokale und regionale Landschaft (vgl. hierzu u.a. Becker/Job/Witzel 1996: S. 20 ff; Luft 2001: S. 178 ff). Sozialwissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass der Tourismus in jeder Hinsicht "weder ein Heilsbringer noch ein Verelendungsfaktor" sei (vgl. Opaschowski 2002: S. 133 ff).

Trotzdem bleibt das Problem des Verhältnisses von Tourismus und Lebensqualität in der Destination, d.h. von destinationsspezifischen (lokalen und regionalen) ökologischen, soziokulturellen und ökonomischen Grenzen und Zukunftsfähigkeit des Tourismus, bestehen - ein Problem, das nach einer ortsspezifischen Bearbeitung und Lösung verlangt. Dabei ist die Bilanzierung von Kosten und Nutzen in der Regel kaum zu bewältigen und gleicht oftmals einem "Null-Summen-Spiel". Dies liegt darin begründet, dass Gewinne und Verluste, die durch den Tourismus generiert werden, kaum gegeneinander aufzurechnen sind, da sie nicht angemessen miteinander vergleichbar sind. Viele gerade der immateriellen Gewinne und Verluste des Tourismus sind wie diejenigen in allen anderen gesellschaftlichen Bereichen weder quantifizierbar noch monetarisierbar, d.h. sie lassen sich nicht in Mengen oder Geldgrößen darstellen. Das Sichtbarwerden von ökonomischen, ökologischen oder sozialen Grenzen für den Tourismus in der Destination erfordert zuallererst von der Tourismuspolitik und -planung eine spezifische, problemangemessene Begrenzung und Lenkung des Tourismus.

Die Zukunft des lokalen Tourismus in Treptow-Köpenick kann nur in einem "sanften" oder besser: "nachhaltigen Tourismus" liegen, d.h. in einem gelenkten, diversifizierten und soziokulturell, räumlich und lokal-ökonomisch gebundenen Tourismus, der auf der einen Seite den Anforderungen aus den Veränderungen des Tourismus auf der Nachfrageseite und der entsprechenden Angebotsseite nachkommt und auf der anderen Seite nicht nur den ökologischen Kriterien der Nachhaltigkeit entspricht, sondern auch den sozialen, kulturellen und ökonomischen Kriterien, die erst die Entwicklung eines "nachhaltigen Gemeinwesens" in der Destination unter Einschluss ihrer Gäste ausmachen. Die mögliche Umkehr des Tourismustrends zum Inlandstourismus und zum Konzept der Attraktivierung der "Nähe" bzw. der "Neuen Nähe" von Kontrasträumen bietet "Gestaltungschancen" in Richtung "Nachhaltigkeit", die von der Substitution von Fernreisen bis zur "mentalen Erreichbarkeit" zwischen Kontrasträumen reichen (vgl. Heinze 2003: S.2). Der sanfte oder nachhaltige Tourismus kann ökonomisch sogar als eine zukunftsfähige Alternative für eine eigenständige lokale bzw. regionale Entwicklung peripherer, strukturschwacher Räume betrachtet werden.

Der Paradigmenwechsel im Tourismus in Richtung Nachhaltigkeit betrifft insbesondere die Situationen und Konflikte in zentralen Bereichen auf der Anbieterseite, z.B. in den Bereichen des Verkehrs, der touristischen Infrastruktur und des Landschafts- und Naturschutzes. Für diese Bereiche sind in den letzten Jahren Lösungsansätze vorgestellt und diskutiert worden (vgl. u.a. Becker/Job/Witzel 1996: 84 ff):

- Konfliktfeld Verkehr: Der Tourismus ist untrennbar mit Mobilität, mit Verkehr verbunden. Trotz gestiegenem Umweltbewusstsein und Einsatz energetisch effektiverer Verkehrsmittel sind das Verkehrsaufkommen, das durch Freizeit und Tourismus induziert wird, und die damit verbundene Umweltbelastung bzw. -zerstörung weiter gewachsen. Die Reiseintensität ist gestiegen, die Distanzen zu den Reisezielen sind gewachsen und die Verkehrsmittelwahl hat sich zugunsten des energetisch ineffektivsten Verkehrsmittels (Flugzeug) verschoben. Der Energieverbrauch, die Lärm- und Schadstoffemissionen und die Inanspruchnahme von Landschaft haben sich weiter erhöht. Als Lösungen werden propagiert: Erhöhung der Attraktivität der Nähe gegenüber Fernreisen im Zusammenhang mit dem Trend zu Kurzurlauben, Kombi- oder Pauschalangebote inklusive An- und Abreise mit der Bahn, Attraktivitätssteigerung des öffentlichen Regionalverkehrs sowie verkehrsregelnde und -technische, fahrzeugtechnische und verkehrsorganisatorische Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung und -beruhigung im innerörtlichen Bereich.(Vgl. auch Scheiner/Steinberg 2002: S. 106 ff)

- Konfliktfeld touristische Infrastruktur: Touristische Einrichtungen sind keineswegs immer umweltverträglich; bei Großeinrichtungen ist oftmals das Gegenteil festzustellen. Vorgeschlagen wird bei der Standortwahl von solchen Einrichtungen die Umwelt- und Sozialverträglichkeit zu beachten und die lokalen endogenen Potenziale stärker als bisher zu nutzen. Als Ziele werden genannt: Schonung der örtlichen Ressourcen, Reduktion des Energie- und Flächenverbrauchs, Nutzung erneuerbarer Energieträger, effektives Abfallmanagement (Abfallvermeidung, Wiederverwertung und umweltbewusstes Entsorgen), Schließung und Engführung von Stoff- und Energiekreisläufen, Aufbau von regionalen Wirtschaftskreisläufen (Verbrauch und Verkauf einheimischer Produkte), Minimierung des Wasserverbrauchs, Priorisierung des öffentlichen Verkehrs und umweltschonende Freizeitangebote. Umweltverträglichkeit in der Betriebsführung gilt auch für das Beherbergungsgewerbe (siehe die Kriterien für eine umweltfreundliche Betriebsführung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) von 1992).

- Konfliktfeld Naturschutz und Tourismus: Landschafts- und Naturschutzgebiete haben vorrangig konservatorische Aufgaben, d.h. die Bewahrung, Entwicklung und Schutz der "Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft" (§ 1 BNatSchG). Um zwischen Naturschutz und Ansprüchen des Tourismus zu vermitteln, werden vor allem zwei Strategien diskutiert, einmal ein angepasster Infrastrukturausbau und zum anderen die "Zonierung". Die "Zonierung" ist ein Instrument, mit dem in den Schutzgebieten die Intensität der "touristischen Einflussnahme" abgestuft gesteuert werden kann.

Ein "nachhaltiger" oder "qualitativer Tourismus" setzt auf "qualitatives Wachstum", "das die Lebensqualität (…) der Bereisten und/oder der Reisenden bei einem gleichbleibenden oder reduzierten Verzehr nicht erneuerbarer Ressourcen erhöht", d.h. eine Erhöhung der Lebensqualität bei erträglicher "Belastung des Naturhaushalts", Sicherung des "wirtschaftlichen Einkommens" sowie bei "möglichst geringen sozialen Spannungen und kultureller Überfremdung (…)" (Luft 2001: 182). Dieser Tourismus sollte kein Nischenprodukt für ein bestimmtes Marktsegment sein, sondern eine allgemeine Strategie, "mit der alle Beteiligten im Tourismus ihre jeweiligen spezifischen Aktivitäten (…) mit möglichst geringer Belastung der ökologischen, ökonomischen und sozialen Umwelt durchführen" (vgl. ebda.: S. 183). Tourismus in diesem Sinne kann durchaus ein Beitrag zum Schutz und zur Pflege der Umwelt sein.

Dies kann aber nur gelingen, wenn neben den touristischen Akteuren auch die Einheimischen, die Daheimgebliebenen, bei der Planung, Gestaltung und Entscheidung der lokalen und regionalen touristischen Angebotsstruktur beteiligt, in dieser Angebotsstruktur die Kultur und die soziokulturelle Identität der Destination stärker beachtet sowie ein qualitatives Wachstum und ein nachhaltiges Entwicklungsniveau zu Zielen erklärt werden.

Diese Art Tourismus erfordert als Erklärungsgrundlage und -folie für Analyse, Konzeptionierung und Planung, zwangsläufig ein "ganzheitliches" Modell von Tourismus. Als "Module für ein ganzheitliches Tourismusmodell" nennt Freyer (2001: S. 31 f) das "Ökonomie-Modul", das "Gesellschafts-Modul", das "Umwelt-Modul", das "Freizeit-Modul", das "Individual-Modul" sowie das "Politik-Modul" - Module, die ein interdisziplinäres Heran- und Vorgehen in Theorie und Praxis des Tourismus fordern.

3.1.1 Touristische Tragfähigkeit der Destination

Optimal für eine nachhaltige Tourismusentwicklung wäre eine Bestimmung der ökonomischen, soziokulturellen und ökologischen Tragfähigkeit der Destination gewesen - und zwar noch bevor Entwicklungskonzepte für diesen Bereich erarbeitet werden. Überlastungen der naturnahen Landschaft, der historischen Kulturstätten und der touristischen Infrastruktur, die damit verbundenen Beeinträchtigungen der Lebensqualität, die wachsende Umweltsensibilität der Touristen und Einheimischen sowie die Widerstände der Bereisten sind deutliche Stresssymptome der Destination. Einer ständigen, ungesteuert wachsenden touristischen Nachfrage sind weder die Ökosysteme, die Landschaften, die Kulturdenkmäler noch die sozialen Traditionen und Netzwerke der Destinationen gewachsen. Eine Umorientierung im Tourismus, eine "Humanisierung des Reisens" (Krippendorf) ist unumgänglich. Es müssen also Konzepte entwickelt werden, die nicht nur die Belastungseffekte durch den Tourismus mildern, sondern zugleich die Freizügigkeit in der Freizeit, einvernehmliche Entscheidungen unter Einbeziehung aller Akteure sowie die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Tourismus garantieren. "Unter Nachhaltigem Tourismus wird (…) ein Tourismus verstanden, der seine Basis nicht zerstört, keine irreversiblen Schäden anrichtet, Ressourcen nicht verbraucht, sondern nur nutzt und somit für künftige Generationen erhält" (König 2002: S. 75). Zentrale Bedeutung in diesem Konzept besitzen die Gleichberechtigung aller am Tourismus Beteiligten sowie die Ausgewogenheit zwischen Kosten und Gewinnen des Tourismus.

In bisherigen Konzepten wurde gerade das Befinden der Einheimischen außer Acht gelassen. Nachhaltigkeit im Tourismus heißt auch stärkere Beteiligung der Ortsansässigen am Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozess für die Tourismusentwicklung, d.h. über Art und Form des Tourismus, Gestaltung der weiteren Entwicklung sowie über das Entwicklungstempo. Gerade in Regionen, in denen der Tourismus nicht den Haupterwerbszweig darstellt, sondern eher als Möglichkeit wirtschaftlicher Diversifizierung auf der Basis einer Gewerbestruktur von kleinen und mittleren Unternehmen betrachtet werden kann, spielen die Legimationsbeschaffung für die touristischen Bemühungen der politischen und planenden Akteure auf der einen und die Motivationsförderung bei den Einheimischen (auch wirtschaftlichen Akteure) zugunsten der touristischen Entwicklung auf der anderen Seite eine nicht zu unterschätzende Rolle. Chancen für Legimationsbeschaffung und Motivationsförderung können durch Angebote von Partizipationsmöglichkeiten für die Einheimischen bei touristischen Planungen eröffnet werden. Der Versuch, im Rahmen der Projektarbeit die kleinen und mittleren Unternehmen der Tourismuswirtschaft in Treptow-Köpenick in einer "Interessensvertretung" zu organisieren, ist als ein Schritt in diese Richtung zu interpretieren.

Belastungen der Destination durch den Tourismus treten in der Regel in vielen Bereichen und in sehr unterschiedlicher Intensität auf. Es ist für die Umsetzung zukunfts- und tragfähiger Entwicklungen im Tourismus grundlegend, im Zusammenhang mit den touristischen Grund- oder Leitsätzen bzw. -linien Belastungs- bzw. Kapazitätsgrenzen für die Bereiche Wirtschaft, Ökologie und lokale/regionale Gesellschaft als Sättigungsgrade der jeweiligen Ressourcen bzw. als Kapazitätsgrenzen der Destination wissenschaftlich zu untersuchen, zu prüfen und politisch festzulegen. Eine nachhaltige Tourismusentwicklung ist nur innerhalb dieser festgelegten Grenzen möglich. Der Bereich mit dem niedrigsten Grenzwert wäre der Grenzfaktor oder "Engpassfaktor" (König) für den weiteren touristischen Ausbau der Destination.

Untersuchungen der touristischen Tragfähigkeit und die Festlegung von touristischen Belastungs- bzw. Kapazitätsgrenzen der Destination stehen für Treptow-Köpenick noch aus. Solche Untersuchungen können den Tourismusorganisationen, der Tourismuswirtschaft und nicht zuletzt der Tourismuspolitik Anhalts- und Zielwerte für die weitere touristische Entwicklung geben sowie Wissensgrundlagen schaffen für die Einschätzung bzw. Bewertung der umweltrelevanten Planungen und Vorgaben der Fachverwaltungen, Forsten, Landschaftsplanung usw. Es wäre notwendig und möglich, diese Defizite in einem Nachfolgeprojekt als Prüfung des hier vorliegenden "Orientierungsrahmens für die Tourismusentwicklung in Treptow-Köpenick" auszugleichen. Interessanterweise gehören vergleichbare Festlegungen von Belastbarkeitsgrenzen oder -zonen offenbar bisher nur zu den Standards der Fachplanungen Umwelt und Forsten, die die nutzungsabgestufte "Zonierung" ihrer Gebiete (Schutzgebiete, Wald usw.) vornehmen.

3.2 Orientierungsrahmen für eine nachhaltige Tourismusentwicklung

In den "Vorbemerkungen" wurde die Hypothese formuliert, dass im lokalen Tourismus trotz aller ökonomischer und sozialer Unwägbarkeiten Chancen lägen, zumindest in Teilen zur Stabilisierung der sozialökonomischen und kulturellen Situation in Treptow-Köpenick beizutragen. Dieser Wirtschafts- bzw. "Entwicklungsfaktor" kann diese Funktion nur erfüllen, wenn er integraler Teil einer "nachhaltigen Entwicklung" des Bezirks ist. Die Kriterien der "Nachhaltigkeit" in den ökonomischen, soziokulturellen und ökologischen Sektoren, Effizienz, Suffizienz und Konsistenz, gelten somit auch uneingeschränkt für einen zukunftsfähigen lokalen Tourismus. Dies bedeutet, dass sich die Akteure in Politik, Wirtschaft und Kultur über Konzepte für einen die realen nachfrage- wie angebotsseitigen Entwicklungsmöglichkeiten sowie die destinationsspezifischen ökologischen, soziokulturellen und ökonomischen Grenzen berücksichtigenden Tourismus verständigen sollten.

Der Tourismus - auch in seiner "sanften", "nachhaltigen" oder "qualitativen" Form - kann kein "Heilsbringer" (Opaschowski) für Treptow-Köpenick sein. Nicht immer werden seine Folgewirkungen auf das lokale bzw. regionale Milieu, auf das kulturelle und historische Erbe und auf die lokale und regionale Landschaft nur segensreich sein. Werden ökonomische, ökologische oder soziale Grenzen oder Probleme erkennbar, gilt es, den Tourismus problemangemessen zu begrenzen und zu lenken. Die touristische Entwicklung muss in diesem Sinne innerhalb planerisch festgelegter "Korridore", d.h. in den von der ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Tragfähigkeit der Destination festgelegten Grenzen, gesteuert werden.

Angesichts der Trends zu Kurzurlauben, - wenn auch nur leicht - zum Inlandstourismus und zum Städtetourismus sowie der Zunahme der "Daheimgebliebenen" (oder "Stadturlauber") erhält Treptow-Köpenick als Bezirk in Berlins südöstlicher Peripherie und an der Grenze zum eher "ländlichen Raum" des Bundeslandes Brandenburg eine gesamtstädtische und regionale "nachhaltige" Funktion im Erholungs- und Freizeitbereich. So können durch die Attraktivierung der "Nähe", die das Bedürfnis nach der "Dimension der Weite" kompensieren kann, längere Ausflüge oder Reisen mit privaten Kraftfahrzeugen ins Brandenburger Umland, u.U. sogar Kurzfernreisen von Berlinern und Brandenburgern in andere Städte (per MIV oder Flugzeug) verhindert bzw. substituiert werden. Eine solche Attraktivität der "Nähe" in Treptow-Köpenick könnte für Berlin und die Region nicht nur Chancen eröffnen, eine neue Identifikation und Wir-Identität zwischen Quellräumen und Destination zu entwickeln, und die Berliner und Brandenburger Kaufkraft im Bezirk binden. Dadurch sind auch Möglichkeiten geschaffen, den Freizeit- und Erholungsverkehr von der Straße auf den öffentlichen Verkehr zu verlagern. Die derzeitigen Anteile der gewählten Verkehrsmittel bei Tagesbesuchen oder Ausflügen der Berliner in bzw. nach Treptow-Köpenick können eine solche Vermutung bzw. Erwartung stützen. Bei Abwägung touristischer Nutzungen mit anderen Nutzungen, Schutz- und Nutzungsansprüchen müssen diese überlokalen Funktionen und diese möglichen Wirkungen des lokalen Tourismus in Bezug z.B. auf die ökologische Gesamtbilanz (Gesamtstadt und Region) in die Waagschale geworfen werden, ein merkliches Gewicht, in zentralen Frage- und Problemstellungen gegebenenfalls auch Priorität erhalten.

Für die Erfüllung der genannten Funktionen sowohl in Richtung seines traditionellen bzw. überwiegenden "Quellmarktes", d.h. der übrigen Berliner Bezirke, als auch in Richtung Brandenburg, des zweitwichtigsten "Quellmarktes", bietet der Bezirk ausreichende Voraussetzungen und weitere Potenziale. Diese Destination stellt einen für seine potenziellen Nachfrager attraktiven "Kontrastraum par excellance" dar, der über den öffentlichen Nahverkehr sowie über ein Rad- und Wanderwegenetz gut erreichbar und erschlossen ist. Dieser "Kontrastraum" besteht nicht nur aus Schichtungen, Verknüpfungen und Überlagerungen von materiellen, stadt- und landschaftsräumlichen Elementen, sondern auch aus unterschiedlichen historischen Besonderheiten und Schichten sowie soziokulturellen Milieus mit eigenen Raumzeiten. Der "Kontrastraum" Treptow-Köpenick und seine Potenziale können tendenziell sowohl die sich wandelnden und differenzierenden touristischen Nachfragepräferenzen erfüllen als auch dem speziellen "Ausflugsverhalten der Berliner" Raum geben: "Natur erleben", "Ruhe und Erholung" sowie "Bildung und Entspannung" in gut abgestimmter Kontrastierung von Entspannung und Erlebnis, von Rückzug und sozialem Kontakt, von Gewohnheit und Abwechslung, von Anregung und Inszenierung, von Ruhe und Aktion. Für Besucher von Außen sind die Nähe und die gute Erreichbarkeit der Innenstadt der bundesdeutschen Hauptstadt mit ihren international bedeutenden historischen und neuen Zentren, Einrichtungen, Bauten, Bauensembles, Plätzen und Parkanlagen von nicht zu unterschätzendem Vorteil. Hier bieten sich gute Chancen für ein eigenständiges Tourismusmarketing für den Bezirk mit Blick auf Tagesbesucher und Naherholer, Kurz- und Wochenendurlauber, Zweit- und Dritturlauber sowie für Erlebnis-, Kultur- und Städtereisende, die ein Interesse an intakten, gestalteten und gepflegten Landschafts- und Stadträumen, an einer guten und erkennbaren Erschließung der touristischen Bestände und Potenziale sowie an einer angemessenen ortsspezifischen Ausstattung mit touristischer Infrastruktur und Erlebnisbereichen haben.

Der Paradigmenwechsel im lokalen Tourismus in Richtung Nachhaltigkeit betrifft alle zentralen Bereiche der Destination, die Bereiche des Verkehrs, der touristischen Infrastruktur und des Landschafts- und Naturschutzes.

Verkehr:

Durch Erhöhung der Attraktivität der Nähe sollen längere Fahrten zu weiter entfernten Ausflugs- und Erholungsgebieten sowie ggf. Fernreisen substituiert und der Besucherverkehr auf den öffentlichen Verkehr verlagert werden:
  • Kombi- oder Pauschalangebote inklusive An- und Abreise mit der Bahn,
  • Freizeitorientierter und "umweltfreundlicher" Ausbau des öffentlichen Verkehrssystems,
  • Attraktivitätssteigerung des lokalen öffentlichen Verkehrs,
  • nachfrageorientierte und ressourcensparende Bündelung von Freizeitverkehren, stärkere Förderung des öffentlichen Verkehrs, neue Mobilitätsleistungen (Rufbusse, CarSharing usw.) sowie
  • verkehrsregelnde und -technische, fahrzeugtechnische und verkehrsorganisatorische Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung und -beruhigung sowie zur Lärmminderung in den innerörtlichen Bereichen.
Touristische Infrastruktur

Standortwahl bzw. -verlagerungen sowie Standortsicherungen und -erweiterungen von touristischen Einrichtungen sind auf ihre Umwelt- und Sozialverträglichkeit sowie auf ihre kleinräumlichen ökonomischen Wirkungen in ihrem Umfeld zu überprüfen und dabei die lokalen endogenen Potenziale zu nutzen:
  • Reduktion des Energie- und Flächenverbrauchs zur Schonung örtlicher Ressourcen,
  • Nutzung erneuerbarer Energieträger, effektiveres Abfallmanagement (Abfallvermeidung, Wiederverwertung und umweltbewusstes Entsorgen),
  • Minimierung des Wasserverbrauchs,
  • Schließung und Engführung von Stoff- und Energiekreisläufen,
  • Aufbau von regionalen Wirtschaftskreisläufen (Verbrauch und Verkauf einheimischer Produkte),
  • Aufbau von zwischenbetrieblichen und branchenübergreifenden Kooperationen,
  • Milderung der Konkurrenzsituation durch zwischenbetriebliche Absprachen und Kooperationen,
  • Beachtung der Sozial- und Umweltverträglichkeit in der Betriebsführung sowie
  • Priorisierung der Schaffung von Arbeitsplätzen.
Landschaft und Naturschutz:

Zwischen Landschafts- und Naturschutz und Ansprüchen des Tourismus ist zum beiderseitigen Nutzen zu vermitteln:
  • Vorrang des Natur- und Wasserschutzes vor touristischen Ansprüchen,
  • Abwägung von örtlichen Anforderungen und überörtlichen Anforderungen "nachhaltiger Entwicklung" unter Einbezug der überlokalen nachhaltigen Funktionen und Wirkungen des Tourismus,
  • ortsspezifische Anpassung von touristischen Infrastruktureinrichtungen im Außenbereich sowie
  • "Zonierung" von Schutzgebieten und Landschaftsräumen hinsichtlich der Intensität der "touristischen Einflussnahme" sowie von touristischen "Entwicklungskorridoren" in Bezug auf ihre Flächen- und Nutzungsansprüche.

Der "nachhaltige" Tourismus darf in Treptow-Köpenick kein Nischenprodukt für ein bestimmtes Marktsegment sein, sondern eine integrierte Teilstrategie für eine "nachhaltige Entwicklung" des Bezirks. Der Tourismus kann so auch seinen Beitrag zum Schutz, zur Pflege und Entwicklung der lokalen ökonomischen, soziokulturellen und ökologischen Umwelt leisten. Ein "nachhaltiger" Tourismus" induziert auch "nachhaltiges" oder "qualitatives Wachstum", das die lokale Lebensqualität umwelt- und sozialverträglich erhöht.

Ein solches Tourismuskonzept ist nur praktisch umsetzbar, wenn sich die Akteure im lokalen Tourismussektor auf die neuen Aufgaben und Möglichkeiten einstellen. Nur auf einer integrierten Tourismuspolitik kann eine integrierte Tourismusplanung aufbauen, die sich durch die Prinzipien der Nachhaltigkeit, der fachübergreifenden Vernetzung und der Interdisziplinarität leiten lässt sowie die räumlichen Ziele und Planungen der öffentlichen Verwaltungen oder anderer öffentlicher Entscheidungsträger in Berlin und seinem Umland berücksichtigt. Dabei kommt es nicht nur darauf an, flächendeckende Analysen und Konzeptionen zu erarbeiten oder Großprojekte zu entwerfen und umzusetzen, sondern auch im Interesse und in Abstimmung gerade der kleinen und mittleren Unternehmen (z.B. im Rahmen einer "Interessenvertretung", wie sie im Rahmen des Projekts umgesetzt werden soll) kleinere Nischenprojekte zu entwickeln und zu realisieren. Ergebnisse einer solchen Forschungs- und Planungsarbeit ist die Formulierung von fachlichen, bereichs-, branchen- und raumbezogenen "Entwicklungskorridoren", in deren Rahmen konkrete und differenzierte Einzelentwicklungsmaßnahmen und -strategien erarbeitet werden können.

Eine "nachhaltige" und zukunftsfähige Forschungs- und Planungsstrategie kann aber nur gelingen, wenn neben den touristischen Akteuren aus Politik und Wirtschaft nicht nur die örtliche Kultur und Identitäten beachtet werden, sondern auch die Daheimgebliebenen oder Bereisten bei den Planungen und Entscheidungen mitwirken können. Gerade bei der Entwicklung sozialer, ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeitsstandards und bei der Durchführung entsprechender Verträglichkeitsprüfungen sind Abstimmungsprozesse mit allen lokalen Akteuren zu initiieren.

Erst auf der Grundlage der (in der Regel widersprüchlichen) Ergebnisse solcher Untersuchungen und Prüfungen ist auf der Basis der Prämissen der Nachhaltigkeit (Effizienz, Suffizienz und Konsistenz) sowie des vorgelegten "Rahmenentwicklungsplans Tourismus" (des räumlichen Tourismuskonzepts) zu entscheiden, ob und wie der geprüfte Gegenstand, d.h. Einzelobjekt, Ensemble, Stadt- oder Landschaftsteil, in den touristischen Bestand des Bezirks aufgenommen wird. Sind die Entscheidungen für den touristischen Bestand gefallen, so sind Untersuchungen der zuzuordnenden touristischen Infrastruktur (Erschließung und Ausstattung) und deren Weiterentwicklung unter den gleichen Nachhaltigkeitsprämissen vorzunehmen. Auch hier gilt die gegenseitige Akzeptanz zwischen Planern, öffentlichen Akteuren, Besuchern, Anbietern touristischer Produkte und Leistungen sowie Einheimischen.

Die Erfüllung der angesprochenen Anforderungen an die lokale Politik, Planung und Tourismuswirtschaft könnte schon als Schritt in Richtung "Nachhaltigkeit" im Tourismus gewertet werden.

3.2.1 Tourismusprofil (Objekt- und Entwicklungsbereiche)

Die Destination Treptow-Köpenick kann sicherlich nicht solche touristischen Highlights bieten wie die international bedeutenden Zielgebiete im übrigen Berlin oder in Brandenburg, die in Teilen sogar zum "Weltkulturerbe" gehören. Treptow-Köpenick muss sich aber auch nicht dem Vergleich mit diesen Zielgebieten stellen. Der Bezirk kann als Destination, dies wurde im vorhergehenden Abschnitt abzuleiten versucht, für Erholungssuchende, Ausflügler mit Freizeit- oder Bildungsbedürfnissen einen gesamtstädtisch und regional bedeutenden touristischen Beitrag leisten. Sein mögliches touristisches Profil wird entscheidend geprägt durch seinen materiellen, sozialen und historischen "Kontrastraum", der - wie schon in seiner Vielschichtigkeit beschrieben - den aus den allgemein vorherrschenden Nachfragepräferenzen resultierenden Ansprüchen entsprechen kann. Für die Aktivierung eines solchen Profils muss jedoch noch einiges getan werden - auf konzeptioneller, politischer, planerischer wie praktischer Ebene. Dazu sind alle Akteure im Bezirk aufgerufen.

Als profilbestimmende Elemente für den Tourismus in Treptow-Köpenick sind hervorzuheben:

1. Der Bezirk ist charakterisiert durch 32 touristische Objekt- und Entwicklungsbereiche (vom Innenstadtring im Nordwesten bis zur Landesgrenze zu Brandenburg im Südosten), d.h. durch
  • die intakten Mietshaus-, Siedlungs- und Mischgebiete aus dem späten 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Alt-Treptow,
  • die überlokal bedeutenden Veranstaltungsorte in Alt-Treptow,
  • den Treptower Park mit seinen Gedenkstätten, Gebäuden, Anlagen und Wasserlagen,
  • den Plänterwald mit seinen Entwicklungsansätzen für Freizeitaktivitäten und Gastronomie und dem Wald mit dem "Eierhäuschen",
  • die Königsheide mit dem ehemaligen Kinderheim "A.S. Makarenko",
  • die ehemaligen Industrieanlagen in Oberschöneweide,
  • die Wissenschafts- und Medienstadt Adlershof mit neuer Parkanlage,
  • die Wuhlheide mit dem Freizeit- und Erholungszentrum (FEZ),
  • die historischen Kleinsiedlungen und Wohnanlagen in Baumschulenweg, Oberschöneweide, Johannisthal, Adlershof, Nord-Köpenick und Grünau,
  • die Gedenkstätte ehemaliger Zwangsarbeiter in Niederschöneweide,
  • Grünau mit dem Regattagelände,
  • Schmöckwitz mit Karolinenhof und Rauchfangswerder,
  • die Altstadt Köpenick mit dem Schloss und Kietz,
  • Friedrichshagen mit dem Villengebiet Hirschgarten,
  • die Müggelberge mit dem Müggelturmareal, Naturlehrpfad Teufelsee und dem Südufer des Müggelsees,
  • den Ortskern Müggelheim sowie
  • Rahnsdorf mit Wilhelmshagen, Neu-Venedig und Hessenwinkel.
Als weitere Objekt- und Entwicklungsbereiche kommen in der Fluss- und Seenlandschaft Treptow-Köpenicks die "wassersportlichen bzw. -touristischen" Reviere hinzu.

2. Diese vornehmlich räumliche Struktur des Tourismus bedarf einer leistungsfähigen touristischen Erschließung, d.h.
  • leistungsfähiger Erschließungssysteme vom ÖPNV bis zu Wander- und Radwegen,
  • leistungsfähiger und vernetzter touristische Leit- und Hinweissysteme zu Lande und zu Wasser,
  • einer bereichs- und ortsangepassten und leistungsfähigen Ausstattung mit touristischen Produkten und Leistungen.
3. Der Tourismus soll sich an folgenden Anforderungen und Prämissen orientieren: >
  • an den Anforderungen aus den Veränderungen des Tourismus auf der Nachfrageseite,
  • an den Prinzipien der Ganzheitlichkeit, Vernetzung und Interdisziplinarität,
  • an den sozialen, ökonomischen und ökologischen Prämissen eines "Nachhaltigen Tourismus",
  • an den Anforderungen und Zielen der übrigen Entwicklungs- und Fachplanungen des Bezirksamtes sowie übergeordneter Planungs- und Entscheidungsinstanzen in Berlin und in der angrenzenden Region,
  • an den Anforderungen der lokalen Tourismuswirtschaft (Akzeptanz und Identifikation) sowie nicht zuletzt
  • an den Anforderungen der lokalen Bevölkerung (Akzeptanz und Identifikation).
4. Die Einrichtungen und Angebote des Tourismus in Treptow-Köpenick sind grundsätzlich für alle Nachfragegruppen, Tagesgäste, Urlauber, Ausflügler, Geschäfts- und Tagungstouristen, Event- und Fachtouristen, sowie für die Einheimischen offen. Der Tourismus ist jedoch nicht als ungelenkter Massentourismus denkbar, sondern nur als ein unter den genannten Anforderungen und Prämissen gesteuerter und diversifizierter Tourismus.

3.3 "Rahmenentwicklungsplan Tourismus" für Treptow-Köpenick

Karte 17

Die Überlagerung der Karte "Rahmenbedingungen" (Karte 14) mit der "Potenzialkarte" (Karte 16) gibt schon einen groben ersten Hinweis auf eine mögliche, zukünftige Struktur der Destination Treptow-Köpenick. Strukturbildend in diesem Raum sind einmal die touristisch relevanten Stadt- und Siedlungsräume und zum anderen die touristisch relevanten Landschafträume, die teils heute schon zum touristischen Bestand des Bezirks gehören, teils erst noch als "touristische Potenziale" aktiviert werden müssen.

Der Bestand und die Potenziale sind unterschieden in Bereiche, die in ihrem derzeitigen Zustand als "touristische Objekte" den Gästen präsentiert werden können, und in Bereiche, die einer teilräumlichen, d.h. baulichen, landschaftsgestalterischen wie infrastrukturellen, Entwicklung bedürfen, die "touristischen Entwicklungsgebiete". Auf teilräumlicher Ebene bestehen zwischen den baulich-räumlichen und landschaftlichen "Objekten" und "Entwicklungsgebieten" räumliche, siedlungsgeschichtliche und funktionale Beziehungen. In touristisch bedeutenden bzw. zentralen Bereichen werden diese Beziehungen zu "Entwicklungsachsen" bzw. "Entwicklungskorridoren" ausgebildet, in denen sich je nach Lage und Möglichkeit "touristische Infrastrukturen" (vornehmlich Dienstleistungen und Handel) konzentrieren oder ansiedeln können. Kreuzungs- oder Scheidepunkte, Punkte von Richtungsänderungen oder Anschlusspunkte von "Entwicklungskorridoren" sind als "Gelenkpunkte" hervorgehoben.

Aus den beschriebenen "Potenzialen für die touristische Entwicklung des Bezirks" (3.4) wurden für den "Rahmenentwicklungsplan Tourismus", der die erste Stufe einer längerfristigen Entwicklung darstellen soll, folgende touristisch relevante "Objekte" und "Entwicklungsgebiete" ausgewählt:

Für den Teilbezirk Treptow:

  • Alt-Treptow als "touristisches Entwicklungsgebiet",
  • Wohngebiet am Treptower Park als "touristisches Objekt",
  • Treptower Park als "touristisches Objekt",
  • Plänterwald als "touristisches Entwicklungsgebiet",
  • Arbeitersiedlung Baumschulenweg als "touristisches Objekt",
  • Königsheide als "touristisches Entwicklungsgebiet",
  • Kleinsiedlung Johannisthal als "touristisches Objekt",
  • Gedenkstätte des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers als "touristisches Objekt",
  • WISTA-media City Adlershof als "touristisches Entwicklungsgebiet",
  • Landschaftspark Johannisthal als "touristisches Objekt", Köllnische Heide als "touristisches Objekt",
  • Gartenvorstadt Falkenberg als "touristisches Objekt".
Für den Teilbezirk Köpenick:
  • Wohngebiet Oberschöneweide als "touristisches Objekt",
  • Sanierungsgebiet Oberschöneweide als "touristisches Entwicklungsgebiet",
  • Wuhlheide als "touristisches Entwicklungsgebiet",
  • Altstadt Köpenick als "touristisches Entwicklungsgebiet",
  • Kietz als "touristisches Objekt",
  • Siedlungen Elsengrund und Mittelheide als "touristische Objekte",
  • Ortskern Friedrichshagen als "touristisches Entwicklungsgebiet",
  • Hirschgraben als "touristisches Objekt",
  • Grünau mit Regattastrecke als "touristisches Entwicklungsgebiet",
  • Müggelberge mit Müggelturm, Teufelsee usw. als "touristisches Entwicklungsgebiet",
  • Ortskern Rahnsdorf als "touristisches Entwicklungsgebiet",
  • Neu-Venedig als "touristisches Objekt",
  • Villenkolonie Wilhelmshagen als "touristisches Objekt",
  • Villengebiet Hessenwinkel als "touristisches Objekt",
  • Ortskern Schmöckwitz als "touristisches Entwicklungsgebiet",
  • Karolinenhof als "touristisches Objekt".
Unter Zugrundelegung der Ergebnisse der Bestandsaufnahmen und Situationsanalysen sowie der Grundsätze und Ziele lassen sich unter Beachtung der festgelegten "Entwicklungskorridore" und der inneren bzw. kleinräumlichen Beziehungen acht "touristische Schwerpunkträume" unterschiedlicher Ausdehnung, touristischer Funktion und Bedeutung im und für den Bezirk räumlich abgrenzen und näher inhaltlich bestimmen. Ein erster allgemeiner Abgleich mit den unterschiedlichen relevanten Planwerken und Konzepten auf Landes- und Bezirksebene erlauben die Feststellung, dass die im "Rahmenentwicklungsplan Tourismus" gekennzeichneten touristischen Nutzungs- und Entwicklungsräume, inhaltlichen Festsetzungen und Ziele den Zielen und Konzepten der öffentlichen Verwaltungen nicht widersprechen - im Gegenteil: mit diesen kompatibel sind, in Teilen von diesen sogar bestätigt und bestärkt werden.

In Abstimmungsrunden mit Vertretern der Forstverwaltungen auf Landes- und Bezirksebene sowie mit den für den Tourismus zuständigen Bezirksverwaltungen, mit dem Wirtschaftsamt und dem Fachbereich Stadt- und Landschaftsplanung, wurde dieser Eindruck nachdrücklich bestätigt. Die Gespräche waren von einer hohen Übereinstimmung mit den vorliegenden Ergebnissen, Annahmen, Grundsätzen und den konzeptionellen Aussagen des Projekts auf der bezirklichen wie auf der teilräumlichen Ebene geprägt.



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