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C. Touristische TeilkonzeptionenDie Vorstellung der touristischen Teilkonzeptionen beginnt mit einer Replik
auf die bisherige konzeptionelle Arbeit, die im Tourismusverein Berlin
Treptow-Köpenick e.V. für den lokalen Tourismus geleistet worden ist,
mit der Entwicklung "Touristischer Leitsysteme", die bisher eine Einmaligkeit
auch über Berlin hinaus beanspruchen können. 1. "Touristenleitsystem für Treptow-Köpenick. Info- und Wegesystem"Karte 18 Touristenleitsystem und Karte 19 Verknüpfung1.1 Rahmenbedingungen und AufgabenstellungAngesichts der gegenwärtig ungünstigen Trends in der ökonomischen, sozialen
und kulturellen Entwicklung im Bezirk Treptow-Köpenick, insbesondere in
der lokalen Tourismuswirtschaft, hat sich der Tourismusverein Berlin Treptow-Köpenick
e.V. als Interessenvertreter des lokalen Tourismus die Aufgabe gestellt,
im Rahmen seiner Möglichkeiten über die Steuerung und Moderation der lokalen
Tourismusentwicklung nachzudenken. Hierzu gehört auch das Nachdenken über
strategische Konzepte für die Verbesserung der Zugänglichkeit touristischer
Ziele sowie für die Aktivierung und Präsentation touristisch relevanter
Potenziale im Bezirk. 1.2 Grundsätze und Annahmen für die Entwicklung von "Touristischen Leitsystemen"Touristische Leitsysteme sind grundsätzlich von zwei Seiten her zu entwickeln,
zum einen von Seiten der Adressaten solcher Leitsysteme bzw. von den sogenannten
"Quellpunkten oder -systemen" der Besucherströme (Nachfrageseite) und
zum anderen von Seiten der Orte der touristischen Objekte (bzw. Potenziale).
Die Adressaten von touristischen Leitsystemen sind zunächst Besucher (Tagesbesucher
oder Urlauber), die an Stadt und Landschaft interessiert sind, sich erholen,
was erleben, sich amüsieren, aber auch in gewissen Grenzen versorgt werden
und sich bilden wollen. Die touristisch relevanten Objekte können in den
Siedlungs- und Landschaftsräumen in ganz unterschiedlichen Formen, Strukturen
und Aggregationen auftreten, z.B. als Einzelgebäude, Ensembles, Straßenzüge
oder Plätze, als abgrenzbare Stadtteile, aber auch als Parks, Landschaftsteile
und Wasserflächen, als überlokal bedeutsame Vergnügungs- und Erlebnisstätten,
als bedeutende Einrichtungen und Institutionen oder als zeitlich begrenzte
Aktivitäten (Events, Festivals und andere Veranstaltungen). Darüber hinaus
haben die touristischen Objekte in der Regel unterschiedliche Bedeutungs-
und Symbolgehalte, d.h. für ihren Standort unterschiedliche "Bedeutungsüberschüsse"
(von lokal bis international). Touristische Objekte sind darüber hinaus
im städtischen Raum in unterschiedlichen räumlichen Lagen und Zusammenhängen
sowie in unterschiedlicher Dichte, d.h. in räumlicher Konzentration oder
Streulage, verortet. (Siehe Abschitte B.1.1.1 und B.2.4) 1.3 "Touristenleitsystem für Treptow-Köpenick"Den formulierten Grundsätzen und Annahmen sowie planerisch methodischen und konzeptionellen Ansätzen folgend sollte flächendeckend für den Bezirk Treptow-Köpenick ein "Touristenleitsystem" entwickelt werden. Von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung eines solchen Systems waren zum einen die grundsätzliche Zielstellung, Touristenströme vorrangig über den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu leiten, und zum anderen die Rahmenbedingung, dass sich die vereinbarte "Designlinie" der Informationsanlagen an der Fußgängerperspektive orientiert. Darüber hinaus wurden für den MIV Anschluss- oder Übergangsorte zum ÖPNV in das "Leitsystem" aufgenommen.Von einem öffentlichen Leit- und Informationssystem war auch zu fordern, dass sich die angegebenen Ziele (bzw. Objekte) des Systems und die entsprechenden Informationen auf solche von "Allgemeininteresse" beschränken. Somit waren gewerblich zu definierende Informationen über die lokale Tourismuswirtschaft grundsätzlich ausgeschlossen. Zunächst wurde als Ausgangspunkt und Grundlage für ein solches System ein Modell formuliert, das alle Grundsätze, Annahmen und Rahmenbedingungen zusammenführte und aus der Perspektive der "Touristen" zum einen auf der Lokalität und Dichte der touristischen Objekte und zum anderen auf Kriterien der Erreichbarkeit dieser Objekte über den ÖPNV und zu Fuß gründete: (1.) Ausgangspunkt für die Entwicklung eines solchen Modells waren zunächst die Standorte der touristischen Ziele bzw. Objekte (in Agglomerationen und Streulagen), auf die das Leitsystem Besucher zuführen und über die es vor allem informieren soll. Die zu erschließenden touristischen Objekte und bisher unerkannten Potenziale wurden recherchiert, qualitativ, d.h. nach ihren Bedeutungs- und Symbolgehalten, ihren unterschiedlichen Funktions- und Nutzungsarten sowie nach ihrem jeweiligen "Bedeutungsüberschuss", beurteilt und hinsichtlich ihrer Erreichbarkeit für den Tourismus geordnet. (2.) Dann wurde das ÖPNV-Netz im Bezirk als touristisches Haupterschließungsnetz festgelegt. Dabei hatten die schienengebundenen Transportmittel, S-Bahn und Straßenbahn (oder Tram), Priorität gegenüber dem öffentlichen Busverkehr. Das S-Bahn-Netz im Südosten Berlins erhielt die Funktion eines Haupterschließungsgerüsts für die touristischen Objekte und Potenziale in Agglomerationen und Streulagen - ggf. mit Anschluss- bzw. Übergangsorten für den MIV. Das Straßenbahn- und das Busnetz des Bezirks sollte vorrangig Zubringerdienste zu den Informationsorten und zu den Orten der touristischen Objekte insbesondere in städtischen Streulagen leisten. Auf Grundlage dieser Festlegungen und grundsätzlicher Überlegungen zur Bedeutung von Informationsstandorten innerhalb eines "Leitsystems" und zur Erreichbarkeit touristischer Ziele ließ sich auf der ersten Stufe das Modell eines "Info-Systems" (als Ausgangspunkt eines "Wegeleitsystems" zu den touristischen Objekten) entwickeln. Dabei konnte von der jeweiligen Position der "Info-Orte" im Gesamtsystem der Informationsstandorte zugleich auf ihre notwendige Mindestausstattung mit Informationseinrichtungen ("Informationsstelen") geschlossen werden. Die Position eines "Info-Ortes" in der Standorthierarchie des Leitsystems leitete sich zum einen aus seiner örtlichen Zentralität hinsichtlich der Erreichbarkeit der touristischen Objekte und zum anderen nicht zuletzt auch aus seiner Eigenbedeutung für den Tourismus und im räumlich funktionalen System des Stadtteils ab:
Die an zweiter Stelle genannte Standortkategorie auf der Objektebene (2.) blieb in der ersten Konzeptphase noch außerhalb der Betrachtungen. Sie gehört zum Hinweis- und Informationssystem. Gerade auf dieser untersten räumlichen Ebene des "Touristenleitsystems" ergeben sich hinsichtlich der Suche von Mikrostandorten für objektbezogene Informationseinrichtungen eine Vielfalt neuer Probleme. So erhöhen sich auf dieser Ebene die Zahl der zu beteiligenden, weil betroffenen Akteure und damit die Schwierigkeiten im Abstimmungs- und Genehmigungsprozess. Darüber hinaus sind einige Objekte schon in eigenständige Informationssysteme integriert oder besitzen schon ausreichende und ergänzbare Informationsmöglichkeiten. Aus der Korrelation der Erschließung der touristischen Objekte und Potenziale über den ÖPNV mit den räumlichen Lagen der Objekte im Bezirk und der Überlagerung mit dem öffentlichen Straßensystem, d.h. mit den Möglichkeiten der straßenseitigen Erschließung des "Leitsystems", kristallisierten sich 14 vorrangig über den ÖPNV miteinander vernetzte Info-Standorte heraus (siehe Abb.):
In einem weiteren Arbeitsschritt wurden zwischen Dezember 2001 und März 2002
die Standorte für die Informationsstelen ("Mikrostandorte") erkundet und
mit den zuständigen Bezirksverwaltungen angestimmt. Darüber hinaus wurden
auf Karten Erschließungswege von den "Quellpunkten" zu den touristischen
Objekten bzw. Potentialen erarbeitet und praktisch geprüft sowie erste
Vorentwürfe für die Gestaltung von theoretisch möglichen Informationstafeln
entwickelt. 1.4 Forderung: Praktische Umsetzung des "Touristenleitsystems für Treptow-Köpenick"Von allen Akteuren des Bezirks von der Politik und Verwaltung über die
Tourismusorganisation bis zur lokalen Tourismuswirtschaft ist immer wieder
nicht nur das entwickelte Konzept des "Leitsystems" begrüßt, sondern auch
seine möglichst schnelle Umsetzung im Bezirk gefordert worden. Dies wurde
mit der überragenden Funktion und Bedeutung des Systems für die touristische
Erschließung und damit für die touristische Entwicklung des Bezirks begründet.
Um der Umsetzung näher zu kommen, ist zu fordern, dass 2. Teilräumliche Tourismuskonzepte2.1 "Entwicklungskorridor" Müggelberge(Karte 20 Maßnahmenplan Schwepunktraum A)2.1.1 Abriss der PlanungsgeschichteDer alte MüggelturmDer heutige Müggelberg wurde wahrscheinlich schon in vorgeschichtlicher Zeit für kultische Zwecke genutzt. Bei Ausschachtungsarbeiten in den 1920er Jahren wurden Funde entdeckt, die den Nachweis lieferten, dass hier bereits früher eine große Halle gestanden hat. An der Stelle des heutigen Müggelturms befand sich bis 1958 der 1890 eröffnete alte Müggelturm, ein im chinesischen Pagodenstil gestaltetes, 27 m hohes hölzernes, mit Schindeln bekleidetes Bauwerk. Eigens für den Ausflugsverkehr gebaut, bestand es aus dem Aussichtsturm, einem Restaurant und Wirtschaftsgebäuden. Bereits im ersten Jahr seines Bestehens wurden 25.000 Besucher gezählt. Von der Aussichtsplattform bot sich bei guter Sicht ein Rundblick von 50 km. In den 1920er Jahren wurden einige bauliche Veränderungen vorgenommen. So wurden z.B. Treppenanlagen zum Langen See und zum Teufelssee errichtet. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs sollte der Müggelturm gesprengt werden. Dass er den Krieg dennoch unbeschadet überstand, war nur dem Gastwirt zu verdanken, dem es gelang, die Sprengladung zu entfernen. Nach dem Krieg wurde die Gaststätte wieder eingerichtet und 1956 von der Handelsorganisation (HO) übernommen. Im Rahmen umfangreicher Arbeiten zur Fundamentsicherung des Turmes, die sich in den Folgejahren als notwendig erwiesen, brach bei Schweißarbeiten ein Feuer aus, das den Turm zerstörte. Der neue Müggelturm Der Verlust des Wahrzeichens der Müggelberge veranlasste viele Bürger, sich durch Geldspenden oder freiwillige Arbeitsleistungen am Wiederaufbau des Müggelturms zu beteiligen. Aus einem Architektenwettbewerb war der Entwurf eines Studentenkollektivs als Sieger hervorgegangen, der in modifizierter Form im Jahr 1961 baulich realisiert und eingeweiht wurde. Zu den gastronomischen Einrichtungen zählten nun ein Restaurant mit 140 Plätzen, eine Weinstube mit 100 Plätzen und eine Sonnenterrasse mit 500 Plätzen. Nach der Wiedervereinigung wurde der Gaststättenbetrieb durch die Treuhandanstalt privatisiert. Seit 1995 ist das Land Berlin Eigentümer des Grundstücks. 1996 wurde der Aussichtsturm aus europäischen Fördermitteln grundlegend saniert. Der Gaststättenbetrieb musste wegen eines unzureichenden Betreiberkonzepts und zunehmender baulicher Mängel Anfang 2002 eingestellt werden. Um das Müggelturmareal wieder zu beleben, wird ein Investor gesucht, der bereit ist, viel Geld zu investieren und sich gleichzeitig den rigiden Beschränkungen zu unterwerfen. Erlaubt ist, was in die Kategorie Freizeit und Gastronomie passt und nicht zu massiv ausfällt. Die Konzeption des bislang einzigen Interessenten, eines Berliner Finanzkaufmanns, wurde vom Senat abgelehnt. Dieser sah den Neubau eines Hotels, einer Bühne, Restaurants und Ateliers vor, die in einer Art Burganlage mit dem Müggelturm als Zentrum entstehen sollten. Zur Schaffung von Planungssicherheit und zur Gewährleistung einer am Allgemeinwohl ausgerichteten Entwicklung hat der Bezirk Treptow-Köpenick inzwischen ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet. Die Erinnerung an den studentischen Entwurf, der die Grundlage für den zweiten Müggelturmbau bildete, hat offensichtlich Pate gestanden bei der Überlegung, für die neuerliche Gestaltung des Müggelturmareals einen studentischen Ideenwettbewerb zu veranstalten. Anfang 2003 widmeten sich angehende Architekten der TU Cottbus in ihren Diplomarbeiten dem Thema "Berghotel am Müggelsee". In den zahlreichen vorgelegten Arbeiten wurde in sehr unterschiedlichem Maße die konkrete Umsetzbarkeit berücksichtigt. Im März 2003 wurde durch den Liegenschaftsfonds ein europaweit ausgeschriebenes Bieterverfahren eingeleitet, um das Müggelturmareal zu reaktivieren. Ziel war es, "einen Bieter mit hoher Bonität zu finden, der sowohl einen marktgerechten Kaufpreis bietet als auch die weiteren Vorgaben des Landes Berlin zur baulichen und betrieblichen Reaktivierung des traditionsreichen Ausflugslokals professionell erfüllt". Doch die Abgabefrist, Mitte Juni 2003, verstrich, ohne dass ein einziges Angebot eingegangen wäre. Die Bedingungen erschienen den Interessenten offenbar zu restriktiv und für einen wirtschaftlichen Betrieb unrentabel. 2.1.2 Voraussetzungen und GrundsätzeDas Müggelturmareal ist hinsichtlich seiner baulichen Entwicklung zahlreichen
Restriktionen ausgesetzt: 2.1.3 Teilräumliche KonzepteDer Entwicklungskorridor Müggelberge ist Teil des touristischen Schwerpunktraums A (vgl. B. 3.3.1.). Die dort genannten Voraussetzungen und Maßnahmen sind mit den teilräumlichen Konzepten abzustimmen. Das Areal bildet einen zentralen touristischen Entwicklungsbereich im Berliner Südosten, der intensiver Planung und Steuerung bedarf. Es ist zum einen aufgrund seiner Bestimmung als Landschafts-, Natur- und Wasserschutzgebiet zahlreichen Rahmenbedingungen unterworfen, zugleich aber auch ein traditionelles Berliner Ausflugs- und Naherholungsgebiet, das vor allem im Bereich des gastronomischen Angebots reaktiviert werden muss.Die Vorstellung eines "Korridors" beinhaltet die gezielte Bündelung der Besucherströme auf das engere Gebiet von Wendenschloss her über Schmetterlingshorst, Marienlust, über das Müggelturmareal und den Teufelssee bis Rübezahl (vgl. Karte 17). Die geforderten Maßnahmen umfassen darüber hinaus die Reaktivierung der aufgegebenen Schiffsanlegestellen, die Wiederaufnahme der Fährverbindungen auf dem Langen See und dem Müggelsee sowie die Rekonstruktion der Standorte der traditionellen Ausflugslokale. Ferner wurde die Öffnung des Parkplatzes am Dorint-Hotel und die Einführung eines Leitsystems mit wasserseitigen Verknüpfungen angeregt. Die Umsetzung der hier vorgestellten Entwicklungskonzeption soll in stufenweisen Schritten, in Form eines erweiterbaren, aber auch reduzierbaren "Modulausbaus" geschehen. Den Schwerpunkt der teilräumlichen Konzeption legen wir auf die Entwicklung des Müggelturmareals. Hier besteht das Problem, dass sich unter den gegebenen Bedingungen in absehbarer Zeit kein Investor für das gesamte Gelände finden wird. Gleichzeitig besteht aber die Notwendigkeit, schnellstmöglich den Restaurantbetrieb wieder aufzunehmen, um dem wachsenden Attraktivitätsverlust des traditionsreichen Ausflugsortes entgegenzuwirken. Die derzeitige flächenintensive Zwischennutzung durch einen Imbissbetrieb ist für diesen Ort unangemessen und umfeldschädigend. Unsere Entwicklungsperspektive für das Müggelturmareal beinhaltet die Reaktivierung des Restaurationsbetriebs. Der Neubau eines Hotels und andere extensive Nutzungen werden von uns nicht befürwortet; zum einen sind in relativer Nähe bereits Hotelkapazitäten in ausreichendem Maße vorhanden, zum anderen würde ein Hotelneubau im Widerspruch zu den räumlichen Schutzbestimmungen stehen. Die Wiederaufnahme des Restaurantbetriebs ist zunächst als Minimalvariante vorgesehen, die nach Bedarf, d.h. in "Modulen" erweiterbar ist. Ein Gutachten soll klären, welche baulichen Teile instandgesetzt werden können und für eine Nutzung reaktivierbar sind. Durch eine solche Teilinstandsetzung und Erneuerung in geringem Umfang und mit geringen Mitteln kann kurzfristig die Möglichkeit geschaffen werden, in einem zunächst kleinen Rahmen wieder ein Restaurant zu betreiben. Als Angebot zur Attraktivitätssteigerung ist weiterhin der Bau einer Ganzjahresrodelbahn vorgesehen, die in Leichtbauweise in Richtung Osten und Norden zum Teufelssee hin angelegt werden soll. Der Rodelbahnbetrieb kann dem Betreiber des Restaurants überlassen werden, um ihm zusätzliche Einnahmen zu sichern. Der Bereich der ehemaligen Gaststätte Marienlust ist in der Gesamtkonzeption, d.h. dem Rahmenentwicklungsplan "Tourismus" als ein "Gelenkpunkt" verzeichnet, der perspektivisch dringend einer Reaktivierung seiner Funktion als "Auffang- und Anlegestation" bedarf (Übergang Wasser/Land). Ein kleiner Restaurantbetrieb mit Sitzterrasse und der Bau einer Steganlage sollte hier den Modulausbau einleiten. Das Strandbad Wendenschloss bildet in der Tourismuskonzeption einen Eingang zu den Müggelbergen. Dies soll durch entsprechende Gestaltungsmaßnahmen stärker zum Ausdruck gebracht werden. Des weiteren ist vorgesehen, den Restaurantbetrieb sowie das sonstige Aktivitätsangebot zu erweitern. Der jetzige Inhaber ist daran interessiert, das Restaurant auf Ganzjahresbetrieb umzustellen, was von uns befürwortet wird. Das Aktivitätsspektrum könnte z.B. ergänzt werden durch einen Bootsverleih oder auch durch spezielle Angebote für die Wintersaison (Schlittschuhlaufen, Skilanglauf). Des weiteren soll der Fährbetrieb zwischen Marienlust und der reaktivierten öffentlichen Steganlage zwischen Wassersportallee und dem Rivieragelände wieder aufgenommen werden. Die Einführung eines Leitsystems mit wasserseitigen Verknüpfungen ist unbedingt weiterzuverfolgen. Bezüglich der Öffnung des Parkplatzes am Dorint-Hotel können derzeit keine Angaben gemacht werden. 2.1.4 Folgerungen für die praktische UmsetzungMit den dargelegten Maßnahmen werden insbesondere kleine und mittlere Unternehmen der lokalen Tourismuswirtschaft angesprochen, die z.B. in Kooperationsform die saisonale Reaktivierung der genannten gastronomischen Einrichtungen übernehmen könnten.2.2 Entwicklungskorridor GrünauIn dem weitläufigen, linear verlaufenden Areal sind wichtige Einrichtungen des Wassersports bzw. der Naherholung zu finden. Von diesen Einrichtungen prägten bereits 1880 die Regattastrecke sowie etwas später die Ausflugslokale Riviera und Gesellschaftshaus das Bild Grünaus entscheidend. Da dies bis heute der Fall ist, wird im Folgenden auf ihre Planungsgeschichte näher eingegangen. 2.2.1 Abriss der Planungsgeschichte RegattastreckeDas mit der Reichsgründung einsetzende Aufblühen Grünaus ist auf die Errichtung eines Haltepunktes der Berlin-Görlitzer Eisenbahn im Jahre 1866 zurückzuführen. Zur gleichen Zeit etwa wurde der Dampfschiffverkehr von der Berliner Dampfschifffahrts-Aktiengesellschaft zum Ort aufgenommen.Grünau entwickelte sich ab 1880 zum Zentrum des deutschen Wassersports. Den Auftakt hierfür gab der Bau der Regattastrecke. Die erforderlichen Arbeiten waren kompliziert. Die sumpfigen Ufer des Langen Sees mussten mit zahlreichen Aufschüttungen und Bollwerken gestärkt werden. Beim ersten Tribünenbau handelte es sich um eine mobile, offene Anlage für ca. 1.250 Zuschauer, welche nur für die Zeit der Veranstaltungen aufgebaut war. Als Kaiser Wilhelm I. 1883 einen Ehrenpreis als Wanderpreis stiftete, rückten die erstmals 1880 veranstalteten Regatten noch stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit: An sonnigen Wochenenden kamen ab da bis zu 50.000 Besucher zu den Wettbewerben. 1899 wurde die mobile Tribüne gegen eine feste Einrichtung ausgetauscht. Damit sich die Strecke für vielseitige Wettkämpfe eignete, fand 1926 bis 27 eine Begradigung der 200 Meter langen Strecke statt. Zur Olympiade im Jahre 1936 fanden in Grünau die Ruder- und Kanuwettbewerbe statt. Zeitgleich entstanden die Regattahäuser Ost, Mitte und West. Für die Olympiasaison wurde eine zusätzliche Tribüne in Wendenschloß errichtet, die von Grünau aus über eine Pontonbrücke erreicht war. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Regattaanlage beschädigt. Erst ab 1950 fanden wieder reguläre Wettkämpfe statt. Der Ruder- und Kanusport gehörte in der DDR zu den besonders geförderten Olympiasportarten, so dass die Anlage laufend instand gehalten, modernisiert und entsprechend genutzt wurde. Der Regattastandort wurde 1979 um das Gelände an der Sportpromenade erweitert, das zu einem Zentrum des Hochleistungssports ausgebaut wurde. Hier sind bis heute wichtige Nutzungen wie Internat, Schule und sportmedizinische Einrichtungen untergebracht. Obwohl die Regattastrecke Grünau zu den ältesten und schönsten Strecken in Deutschland zählt, finden hier seit 1993 keine wassersportlichen Großereignisse mehr statt, da andere Städte über modernere Anlagen verfügen. Planungen seit der politischen Wende Bebauungsplan Regattagelände 1999 wurde ein Bebauungsplan für die Regattastrecke mit dem Geltungsbereich Regattastraße 191 bis Sportpromenade 3 aufgestellt, der Bebauungsplan wurde jedoch nie beschlossen. Ziel war es "die Zulässigkeit von Wassersportnutzungen ... zu sichern und die Möglichkeit zu schaffen, die Sportanlage mit Freizeit- und Erholungseinrichtungen zu arrondieren". Dieser Bereich "soll das Zentrum des Berliner Wasserfahrsports werden". Dabei sollen die 1936 errichteten Regattagebäude und die alten Bootshäuser erhalten bleiben. Auf dem Grundstück des 1979 beseitigten Sportdenkmals ist laut Bebauungsplan die Errichtung einer öffentlichen Parkanlage, angrenzend ein Waldfläche vorgesehen. Die Forderungen entsprechen insgesamt den Aussagen des Flächennutzungsplans (FNP). Dieser stellt den Bebauungsplanbereich als Grünfläche mit dem Symbol "Wassersport" und "Sport" dar. Der Textteil des FNP fordert, dass die Gewässerufer solcher Nutzungsflächen öffentlich zugänglich gemacht werden müssen. Hierzu positioniert sich der Bebauungsplan wie folgt: "Eine Öffnung des Uferstreifens ist auf Grund der städtebaulichen Gegebenheiten in Verbindung mit den sportlichen Rahmenbedingungen jedoch nur in bestimmten Teilbereichen ... festgesetzt." Nach Abwägung aller Interessen wird letztlich nur "im Bereich der öffentlichen Parkanlage und des Waldgrundstückes ein Uferstreifen außerhalb der durch die Wassersportvereine genutzten Grundstücke der Allgemeinheit zugänglich gemacht". Im Sondergebiet "Wassersport" sind Wassersportheime und Anlagen zur Lagerung von Sportbooten ausdrücklich zugelassen. Ausnahmsweise sind Gaststätten und kleine Werkstätten zur Bootsreparatur, Wohnungen für Bedienstete erlaubt. Sofern keine Störungen von den Einrichtungen des Landessportbundes und des Beherbergungsgewerbes auf die vorgesehene wassersportliche Nutzung ausgehen, sind auch ihre Nutzungen zugelassen, das gleiche gilt für sonstige sportliche Nutzungen. Um die typischen Baustrukturen in Gebiet zu wahren, wurde eine Bebauungsgrenze zur Straße hin festgelegt, hinter dem das Grundstück bis zu einer Tiefe von 35 Metern mit einer Grundflächenzahl von 0,3 und Geschossflächenzahl von 0,6 überbaubar ist. Machbarkeitsstudie Regattastrecke Anfang 2000 ist im Rahmen der Berliner Verwaltungsneugliederung die historische Regattaanlage vom Senat in das Fachvermögen des Bezirks Köpenick übergegangen. Das bedeutet, dass der Bezirk - in Abstimmung mit den zuständigen Senatsverwaltungsstellen - seit dieser Zeit für die Erhaltung und Betrieb der Regattaanlage zuständig ist. Nach erster Einschätzung befand sich die Anlage in einem relativ schlechten baulichen Zustand. Sie war nur bedingt für die Anforderungen des modernen Wettkampfsports geeignet. Die verfügbaren Mittel des Bezirks Treptow-Köpenick für Instandsetzungs- und Modernisierungsarbeiten solcher Art sind jedoch seit langem stark begrenzt. Der Bezirk lehnte allerdings schon bei der Übernahme eine kommerzielle Nutzung der Regattastrecke ab, da man hier den von Restitutionsansprüchen betroffenen Vereinen eine kostenfreie Trainingsmöglichkeit bieten wollte. Vor diesem Hintergrund wurde 2001 eine "Machbarkeitsstudie für ein innovatives Erholungs- und Nutzungskonzept der Regattastrecke Berlin-Grünau" angefertigt. Die Studie untersuchte im wesentlichen die beiden Bereiche historische Regattaanlage und das Hochleistungssportzentrum in der Sportpromenade. Kernpunkt der Planung bildete die sportliche und bauliche Sicherung der Regattaanlage mit öffentlichen Mitteln "als identitätssiftendes Element des historischen Ensembles" sowie die Öffnung bestimmter Bereiche für kommerzielle Nutzungen. Ein Planungsziel war die Reduzierung der ursprünglichen Tribünenkapazität von 2.700 Sitzplätzen auf 1.200 Plätze. Dabei sollte die verkleinerte Tribüne mit einem transparenten Dach überspannt werden (vgl. "Gläserne Arche" der Londoner Weltausstellung von 1851). Beidseitig der Tribüne gliederten sich zwei Baukörper mit Räumen für sportliche Nebenfunktionen an. Im Bereich der angrenzenden Regattahäuser wurde - unter Einbeziehung der historischen Bausubstanz - der Bau eines Sport- und Tagungshotels vorgeschlagen, dieser sollte von privaten Investoren finanziert und betrieben werden. Das Hochleistungssportzentrum mit dem hier beheimateten Olympiastützpunkt (OSP) Wasserfahrsport und den Landesleistungszentren (LLZ) Kanu und Rudern sollte in seinem Bestand als Zentrum für den Leistungssport gesichert und weiterentwickelt werden. Durch eine Aufstockung des Flachbaus sollten künftig an dieser Stelle die aus den Regattahäusern ausgelagerten Sportlerunterkünfte untergebracht werden. Da auf der Sportfläche an der Straße 880 u.a. eine Tennishalle projektiert war, sollte neben dem Flachbau eine Sporthalle als Ersatz dienen. Die zwischen der Tribüne und Sportzentrum liegenden Vereins- und Bootshäuser sind funktional und baulich vom öffentlichen Straßenraum abgeschottet. Da die Möglichkeiten für eine Öffnung in Form von Uferwanderwegen nicht gegeben schienen, wurden stichartige öffentliche Zugänge zum Wasser vorgeschlagen, sogenannte Pocketparks. Überhaupt sollte an geeigneten Stellen mit Hilfe der Pocketparks das Fehlen einer Uferdurchwegung punktuell gemildert werden. Da ein direkter baulicher Zusammenhang zwischen dem Strandbad Grünau und dem Sport- und Leistungszentrum nicht möglich ist, sollte zumindest eine funktionale und synergetische Verknüpfung der beiden Bereiche stattfinden. Die Hauptverkehrsführung des MIV sollte über die Straße 880 abgewickelt werden, wobei die vorhandene Straße hätte ausgebaut und teilweise neu trassiert werden müssen, mit erheblichen Konsequenzen für die umgebende Waldfläche. Eine zentrale Unterbringung des ruhenden Besucherverkehrs war wegen des Freiflächendefizits im Untersuchungsgebiet nicht zu lösen, die Studie ermittelte statt dessen fünf kleinteilige Standorte entlang der Regattastrecke, die bis zum Freibad Grünau reichten. Ohne Ergänzung der traditionellen Angebotsstrukturen sahen die Verfasser keine Chance für die touristische Wiederbelebung des Standortes. Angesichts knapper Kassen der öffentlichen Hand wurde für die Finanzierung und Umsetzung der Maßnahmen ein public-private-partnership Modell vorgeschlagen. Den Sanierungsaufwand bezifferten die Gutachter auf 24 Mio. DM. Ergänzende Neubauten waren hierbei nicht mitberechnet. Wäre der Bezirk eine Kooperation mit Privatinvestoren eingehen, wie in der Studie vorgesehen, hätten sich die Sanierungskosten des Bezirks auf die Hälfte reduziert, die Neubaukosten hätten von den Investoren getragen werden müssen. |
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