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2.2 Schwächen und Stärken
Untersuchungen von Schwächen und Stärken einer Destination dienen dem Erkennen ihrer strukturellen Problemlagen, aber auch allgemeiner Möglichkeiten für eine weitere Entwicklung. Diese Ergebnisse dienen zunächst nur der Annäherung an konzeptionelle Aussagen für die Überwindung diese Probleme sowie der Aktivierung der Möglichkeiten. Sie müssen in der Folge ergänzt werden durch die Rahmenbedingungen für eine touristische Entwicklung und durch eine nähere Untersuchung touristisch relevanter Potenziale auf der Objektebene.
Schwächen:
Tourismuswirtschaft:
Die Tourismuswirtschaft ist vom Rückgang und von der Polarisierung des
Tourismus in Berlin sowie von den allgemeinen ökonomischen Schwierigkeiten
sehr stark betroffen: Sehr niedrige durchschnittliche Belegungsziffern,
unterdurchschnittliche Umsätze, schwierige Auftragslage in den ergänzenden
und spezialisierten Betrieben.
Hohe Fluktuationen sind insbesondere in der Gastronomie zu finden, im
Bereich Bootsbau und Freizeiteinrichtungen handelt es sich sogar um einen
Rückgang.
Tourismus:
Die Destination steht in einer starken Konkurrenzsituation mit ähnlich
strukturierten Räumen: Sie weist tourismusrelevante Merkmale und Eigenschaften
auf, die auch im nahen Brandenburger Umland zu finden sind und dort auch
stärker nachgefragt werden.
Es fehlen eindeutige Profilierungen der Destination bzw. ihrer Teileinheiten
sowie eine entsprechend differenzierte Zielgruppenansprache.
Ein eigenständiges, zielgerichtetes Berlinweites Marketing für die Destination
Treptow-Köepnick ist noch nicht entwickelt; die BTM ist in dieser Sache
kein Ansprechpartner, da sie andere Vermarktungsinteressen verfolgt.
Events und Veranstaltungen haben in der Regel nur selten einen unverwechselbaren
Lokal- oder Regionalcharakter, sie sind konzeptionell nicht explizit auf
die Destination abgestimmt.
Ein Kern der Destination, die Altstadt Köpenick leidet an Attraktivitätsverlusten
aufgrund der schleppenden Stadterneuerung und der Verzögerungen bei der
Schlosseröffnung.
Neben mangelhaften Freizeitangebote für Ausflügler und Naherholer sind
auch weitere Defizite in der touristischen Infrastruktur sowohl auf dem
Land (z.B. fehlende Freizeiteinrichtungen, Erlebnisschwimmbäder, kein
flächendeckendes Ausleihsystem für Fahrräder) als auch auf dem Wasser
(z.B. kein flächendeckendes Ausleihsystem für Boote, keine Wasserskianlage,
fehlende Wassertankstellen sowie Ver- und Entsorgungseinrichtungen), festzustellen.
Wichtige touristische Infrastruktureinrichtungen sind geschlossen und
verfallen (z.B. Ausflugslokale wie am Müggelturm, Schmetterlingshorst,
Marienlust, verfallene Bootsstege). Die traditionellen Ausflugsgebiete
wirken heruntergekommen und sind infrastrukturell (z.B. Gastronomie) unterversorgt
(Müggelberge, Grünau, Plänterwald und Schmöckwitz).
Vorhandene Attraktionen, touristische Potenziale (touristische Objekte)
und Infrastruktureinrichtungen (u.a. Hotels, Pensionen) sind für Touristen
aufgrund von Streulagen nur schwer zu finden.
Neben dem unzureichenden ÖPNV-Netz und der mangelhaften Beschaffenheit
vieler Erschließungswege fehlen touristische Leitsysteme zu Lande und
zu Wasser. Ebenso ist die Er-schließung der Destination durch Rad- und
Wanderwege noch unzureichend.
Naherholungsgebiete, wie der Müggelsee, Langer See, Dämeritzsee, sind
mit umweltfreundlicheren Verkehrsmittel nur schlecht erreichbar.
Die Betriebe der Tourismuswirtschaft arbeiten in der Regel saisonabhängig.
Die Betriebsstruktur in diesem Wirtschaftssektor ist vor allem durch kleine
und mittlere Betriebe (KMU) geprägt - Betriebe, die sehr sensibel auf
ökonomische Schwankungen reagieren.
Hochwertiger, auf den Tourismus ausgerichteter Einzelhandel und Gastronomie
ist in der Altstadt schwer zu etablieren.
Vielen Gewerbetreibenden fehlt trotz guter Geschäftsidee und Zukunftsperspektiven
ein "langer Atem" (Finanzausstattung) - sichtbarer Gewerberaumleerstand
und -verfall in der Altstadt dokumentieren diesen traurigen Zustand.
Unter den Gewerbetreibenden herrscht aufgrund der wirtschaftlichen Situation
und der schlechten Erfahrungen mit den politischen und administrativen
Akteuren eine allgemeine Resignation und eine negative Grundstimmung.
Städtebau/Stadträume:
Räumliche Barrieren zerschneiden die Stadtgebiete (Gewässer, Straßen-
und Bahntrassen), der Mangel an Querungsmöglichkeiten ist nicht zu übersehen.
Es fehlt mit Ausnahme der Verkehrsinfrastruktur in und zwischen vielen
Ortsteilen an funktionalen und städtebaulichen Vernetzungen oder Übergängen.
Auch deutliche Orientierungen oder Bezüge fehlen im Stadtraum, die die
touristische Erschließung des Raumes erleichtern könnten.
Der öffentliche Raum der Hauptorte bzw. die touristischen Quellorte (z.B.
die Altstadt Köpenick, die S-Bahnhöfe und die öffentlichen Plätze) werden
ihrer Funktionen als "Empfangsräume" nicht gerecht.
Auch nach fast 10 Jahren Stadterneuerung sind in vielen Stadtteilen Instandsetzungs-
und Modernisierungsdefizite bei den Gebäuden unübersehbar.
Merklich sind auch hohe Gewerberaum- und Wohnungsleerstände, viele Baulücken,
untergenutzte und brachliegende Flächen sowie monofunktionale Gebiete
(Altstadt Köpenick, Oberschöneweide usw.).
Unverkennbar sind in solchen Gebieten auch Mängel in der lokalen Infrastruktur.
Grün und Erholung:
Große Ähnlichkeiten der Landschaft sind mit der angenzenden Region Brandenburg
zu entdecken, die durch staatliche Förderung infrastrukturell aufgerüstet
wurde.
Die Nutzungskonflikte zwischen Tourismus und Umwelt sind schwer auszuräumen.
Bestimmte naturnahe Bereiche sind touristisch übergenutzt (Treptower Park);
während wichtige Potenziale brachliegen (Spreepark, etc.). Insgesamt sind
Naturraumpotenziale stark durch die Schutzgebietsausweisungen eingeschränkt.
In vielen Ortslagen sind Defizite an wohnungs- und siedlungsnahen Grünanlagen
festzustellen.
Die Grünanlagen und Freiräume sind nicht miteinander vernetzt.
Mängel sind ebenso bei der Gestaltung der Grünanlagen zu entdecken.
Verkehr:
Es fehlen Leitsysteme zu Lande und zu Wasser zur Lenkung des touristischen
Verkehrs und des Parkens bzw. Anlegens.
Hohe Verkehrsbelastungen und -spit-zen (Adlergestell, Müggelheimer Straße)
sowie der Durchgangsverkehr (Wirtschaftsverkehr) beeinträchtigen die Funktionsfähigkeit
und die Erlebbarkeit vieler Stadträume, insbesondere der Altstadt Köpenick
oder Alt-Treptow.
Aufgrund des Mangels an Flussquerungen sind manche Verkehrsachsen weniger
leistungsfähig und vermehrt störanfällig.
Die Mobilität von Fußgängern und Radfahrern wird durch räumliche Barrieren
und nicht durchgängige Rad- und Fußgängerwege größtenteils stark eingeschränkt.
Das Problem des ruhenden Verkehrs ist in allen höher verdichteten städtischen
Lagen sowie in zentralen Frei-zeitlagen unübersehbar. Um Potenziale aktivieren
zu können, fehlen Lösungen für den Besucherverkehr (am Spreepark, Regattastrecke,
Müggelturm etc.), insbesondere in den Außenbereichen bestehen jedoch erhebliche
planungsrechtliche Restriktionen in dieser Hinsicht.
Ein stadtnaher internationaler Camping- und Caravaning-Platz wurde noch
immer nicht geschaffen.
Das Angebot der einzelnen ÖPNV-Träger ist an vielen Stellen unabgestimmt,
die Feinverteilung ist in Teilen mangelhaft und die Peripherien sind unterausgestattet.
An vielen attraktiven Wasserlagen fehlen die Zugänglichkeit und der Bezug
zum Wasser sowie öffentliche Uferwege.
Der regelmäßige und bezahlbare Fährbetrieb zwischen "Rübezahl" und Friedrichshagen
und bei Marienlust wurde eingestellt. Die Übernahme der erstgenannten
Strecke durch eine Linie von der Stern- und Kreisschifffahrt stellt wegen
des hohen Preises und der niedrigen Taktfrequenz (zweimal täglich) keine
akzeptable Alternative dar.
Image:
Die Altstadt Köpenick ist von allgemeinen Niedergangstendenzen gekennzeichnet
und kann ihrer zentralen Rolle als Mitte des Süd-Ostraumes auch weder
städtebaulich, in ihrer Ausstattung noch in ihrer Funktion als Imageträgerin
gerecht.
Die Qualitäten des Bezirks sind Berlinweit kaum bekannt. Mit dem Verfall
von Ausflugsgaststätten und touristischen Einrichtungen droht ein Imageverlust.
Die Gefahr besteht, dass Naherholer nicht wiederkehren.
In den öffentlich zugänglichen Kartenwerken zu Berlin (Stadtpläne) ist
der Bezirk oftmals von der übrigen Stadt abgetrennt.
Stärken:
Tourismuswirtschaft:
Die Tourismuswirtschaft ist trotz ihrer starken Abhängigkeit von ökonomischen
Bewegungen aufgrund der Unternehmensstruktur (vorwiegend KMU) und der
dadurch möglichen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit relativ stabil
(insbesondere im Beherbergungsgewerbe).
Tourismus:
Die Destination besitzt in Teilen eigenständige und unverwechselbare Merk-male
und "Institutionen", die in der Konkurrenz mit anderen Destinationen durchaus
bestehen können: z.B. das Schloss, das Rathaus, eine schöne Altstadtsilhouette
von der Wasserseite oder der "Hauptmann von Köpenick".
Auf die Vergangenheit und touristischen Alleinstellungsmerkmale aufbauend
können durchaus weitere Potenziale in einem touristischen Zusammenhang
aktiviert, miteinander verknüpft und vermarktet werden.
Insbesondere der Teilbezirk Köpenick ist ein traditioneller Schwerpunkt
des Berliner Wassersportreviers. Der Bezirk besitzt ein vielfältiges Angebot
für Wassertouristen und als erster Berliner "Wasserbezirk" flächendeckend
das Hinweissystem "Gelbe Welle".
Die Destination beinhaltet eine Reihe von traditionellen Ausflugszielen
der Berliner und Berlinweite Attraktionen, wie z.B. das FEZ, den Treptower
Park, den Plänterwald, die Müggelberge.
Die Destination ist für die Berliner Naherholer oder Ausflügler, vor allem
aus Friedrichshain-Kreuzberg, Lichtenberg -Hohenschönhausen und Marzahn-Hellersdorf,
auch aus Neukölln, gut über den ÖPNV und die Fahrgastschifffahrt erschlossen.
Neuerdings zeichnet sich ein Trend ab, dass die Destination von Touristen
wieder entdeckt wird, die den Bezirk noch aus der Vorwendezeit kennen;
dies gilt gleichermaßen für Erholer aus dem Osten wie aus dem Westen Deutschlands.
Die touristische Infrastrukturausstattung ist in einigen Bereichen durchaus
ausreichend, z.B. Hotels mit guter Ausstattung und Konferenz- und Tagungsmöglichkeiten.
In der Destination besteht ein bunter ortsangemessener Mix tourismusrelevanter
Branchen (z.B. Hotellerie und Gastronomie der verschiedensten Preisklassen,
Bootsbauunternehmen, Bootscharter und -verleih usw.).
In der lokalen Tourismuswirtschaft bestehen bereits konkrete Kooperationsformen
und weitere Interessen an Kooperationen unter den KMU zum Zwecke einer
Verbesserung der touristischen Infrastruktur.
Städtebau/Stadträume:
Der Bezirk besitzt eine wichtige Transitfunktion zwischen Innenstadt und
Flughafen Schönefeld bzw. City und Brandenburg.
Stadt- und landschaftsräumlich zeichnet sich der Bezirk durch besondere
und unverwechselbare Merkmale in einzelnen Teilräumen, in der Architektur,
insbesondere in der Siedlungs- und Industriearchitektur, sowie im Städtebau
aus. Die historischen Ortskerne wurden kaum überformt, auch durchgrünte
Villengebiete präsentieren sich noch heute als zusammenhängende Ensemble.
Insbesondere in den Rand- und Außenbereichen ist ein Angebot an hochwertigen,
durchgrünten und wassernahen Wohnlagen vorhanden.
In allen Nutzungsbereichen, vor allem im Wohnen und Gewerbe, besitzt der
Bezirk erhebliche Nachverdichtungs- und (Konversions-)Erweiterungspoten-ziale.
Grün und Erholung:
Der landschaftliche "Kontrastraum" - bestehend aus Landschaften, Seen,
Biotopen und Siedlungsflächen - ist in dieser Ausformung in Berlin einzigartig.
Der Bezirk ist durch hohe Umgebungsqualitäten (Wasser-, Park-, Wiesen-
und Waldlandschaften) charakterisiert. Treptow-Köpenick verfügt Berlinweit
über den größten Anteil an Landschafts- und Wasserflächen. Der Müggelsee
ist der größte Berliner See,und der Müggelturm stellt die Berlinweit höchste
Erhebung dar.
Der große Landschaftsraum bietet beste Voraussetzungen und Potenziale
für alle touristischen und Erholungsaktivitäten.
Verkehr:
Der Bezirk ist durch den ÖPNV ausreichend erschlossen, ein System das
erweiterbar ist. Mit der S-Bahn sind auch entlegene Räume wie Rahnsdorf
zu erreichen. Durch die Möglichkeit der Fahrradmitnahme in den Zügen ist
die Bahn auch für aktive Naherholer und Sportler eine Alternative zum
privaten Kfz.
Ebenso sind die Verknüpfungen des Transitraumes (Innenstadt-Flughafen
Schönefeld) als befriedigend zu bewerten.
Wenn auch einige Nahverbindungen im ÖPNV wenig befriedigen können, so
sind gerade im öffentlichen Verkehr Verlagerungs-, Erweiterungs- und Nachverdichtungspotenziale
unverkennbar.
Die Erschließungs- und Verknüpfungssituation für den Wassertourismus bzw.
zwischen Wasser und Land ist ausreichend und bietet eine Grundlage für
Verbesserungen und Erweiterungen.
Image:
Der Traditionsreichtum des Bezirks (Geschichte, Tourismus, Industrie,
Wassersport) ist eine wesentliche Stüt-ze in seiner Außenwirkung (Image).
Trotz negativer Grundstimmung sind einzelne Gewerbetreibende engagiert
dabei, das lokale Kulturangebot zu erhöhen und der Altstadt Köpenick ein
eigenständiges kulturelles Profil zu verleihen.
2.3 Rahmenbedingungen der touristischen Entwicklung
(siehe Karte 14)
Die Karte "Räumliche und planungsrechtliche Rahmenbedingungen der touristischen
Entwicklung" bildet neben den konkret vorhandenen stadträumlichen Barrieren
im wesentlichen auch die Vorrang- bzw. Schutzgebiete für bestimmte Nutzungen
ab. Es handelt sich hier um gesetzliche Nutzungsfestlegungen für bestimmte
Räume, welche konkurrierenden Ansprüchen keine oder kaum Möglichkeiten
zulassen. Bei diesen Prioritäten stand der Schutz von natürlichen Ressourcen
im Vordergrund. Räumliche Barrieren stellen wiederum Störungen im Ortsbild
dar, durch die die Erlebbarkeit und Nutzung des Siedlungs- und Landschaftsraumes
verhindert werden. Sie bedeuten auch eine große Gefahr, dass sich negative
Strukturen weiter verfestigen, da Entwicklungsmöglichkeiten durch sie
selbst eingeschränkt werden. Im Gegensatz zu Festlegungen des Natur- und
Trinkwasserschutzes sollen räumliche Barrieren - sofern realisierbar -
überwunden oder zumindest in ihren Auswirkungen gemildert werden.
Charakteristisch für die Destination ist, dass der Anteil der Landschaft
mit 9.000 Hektar Fläche etwas höher liegt als der des Siedlungsraumes.
Dies trifft in erster Linie auf Köpenick mit dem Großen Müggelsee in seiner
Mitte zu, dem sich mit Ausnahme der östlichen Seeseite große Wald- und
Landschaftsteile angliedern. Diese Flächen dienen vorrangig der nachhaltigen
Ressourcenwahrung, sprich dem Gewässerschutz und/oder dem Natur- und Landschaftsschutz.
In diesen Bereichen sind den Schutzausweisungen widersprechende Nutzungsansprüche,
wie z.B. jegliche Art von Bebauung, - theoretisch - von vornherein ausgeschlossen.
Bestimmte Barrieren sind funktional unumgänglich: Straßenzüge dienen der
Erschließung des Raumes. Bei einer starken Frequentierung und monotonen
linearen Ausrichtung überwiegen jedoch die Nachteile dieser Barrieren.
So werden durch sie Stadtgebiete geteilt und ihre Passierbarkeit für Anwohner
stark erschwert. Ähnlich verhält sich die Situation bei der den Bezirk
zerteilenden Verkehrsachse Puschkinallee - Am Treptower Park - Köpenicker
Landstraße - Schneller Straße - Grünauer Straße - Adlergestell - die parallel
zur S-Bahnführung verläuft. Hier entstehen nicht nur hohe Emissionen durch
die starke Verkehrsbelastung. Der Straßenraum wird zum bloßen Transitraum
zur Überwindung von Distanz degradiert. Die Straße dominiert das Gebiet,
anstatt sich in das Stadtquartier einzufügen und die verschiedenen Bereiche
miteinander zu verknüpfen. So ist z.B. der Ortsteil Bohnsdorf im Süden
des Bezirks räumlich und funktional praktisch vollkommen von den anderen
Stadtteilen abgetrennt, da die Trassenführungen der A 113, der B 96a und
der S-Bahn den Ortsteil nicht nur umschließen, sondern auch aufteilen,
so dass eine isolierte Insellage entsteht. Etwas abgeschwächt stellt sich
die Situation bei den Ortsteilen Alt-Treptow, Baumschulenweg, Johannisthal
und Altglienicke dar. Diese werden "nur" an ihrer nord-östlichen Seite
von der Verkehrstrasse bedrängt, Richtung Kreuzberg und Neukölln bleiben
sie zumindest baulich offen.
Die Karte zeigt neben den oben beschriebenen Hemmnissen und Restriktionen
auch strukturelle Mängel und Hindernisse auf. So werden große, ehemals
gut genutzte Bereiche trotz Sanierung von Nutzern nicht angenommen (z.B.
das ehemalige Industriegebiet Oberschöneweide und die Altstadt). Hier
droht die Gefahr, eine ungewollte Rückentwicklung nicht mehr aufhalten
zu können, so dass die Quartiere trotz ihrer Potenziale unaufhaltsam "abrutschen".
Folgenreiche Auswirkungen im touristischen Kontext gehen von der Unterversorgung
der zentralen Naherholungsziele mit Ausflugslokalen (in und um den Müggelbergen),
den eingestellten Fährverbindungen (zwischen Nord- und Südufer Müggelsee,
von der ehemaligen Gaststätte Marienlust zur Anlegestelle Wassersportallee)
oder vom Parkplatzmangel an touristischen Objekten (Plänterwald, Altstadt
oder an der Regattastrecke) aus. Problematisch ist ebenfalls, dass den
naturinteressierten Wanderern und Anwohnern die Zugänglichkeit der Uferbereiche
oftmals erschwert wird. Auch in diesem Zusammenhang macht sich wieder
das Fehlen eines Touristenleitsystems für die Orientierung im Raum nachteilig
bemerkbar. Treptow-Köpenick spricht traditionell die Naherholer aus Berlin
an. Es ist jedoch abzusehen, dass Gäste, die in ihren Erwartungen enttäuscht
werden, die Destination nicht erneut aufsuchen, sondern auf Dauer die
besser strukturierten Konkurrenzräume in und um Berlin bevorzugen werden.
2.4 Potenziale für die touristische Entwicklung des Bezirks
Baudenkmäler: Einzelobjekte und Ensembles (siehe
Karte 15)
Der Bezirk Treptow-Köpenick besitzt nach Denkmalliste 23 Ensembles, 109
Gesamtanlagen und 251 Baudenkmale sowie 30 Gartendenkmale. Die Denkmäler
konzentrieren sich vor allem im hoch verdichteten urbanen Raum bis zur
"Scheidelinie" zum Landschaftsraum (Bohnsdorf - Köpenick - Friedrichshagen).
Potenziale im bebauten Gebiet(siehe Karte 16)
Hier werden Objekte, Ensembles und Stadtteile genannt, die nicht als "Sehenswürdigkeiten"
schon bekannt sind und vermarktet werden. Die touristischen Potenziale
des Bezirks liegen unbestreitbar an den Wasserlagen der Veranstaltungsstätten
und in den noch intakten Mietshaus- und Mischgebieten aus dem späten 19.
Jahrhundert in Treptow (nördlich der Ringbahn und am Treptower Park),
in den denkmalgeschützten Ensembles aus den 20er Jahren in den Ortsteilen
Baumschulenweg, Johannisthal, Oberschöneweide und Adlershof, in den umgewidmeten
Industrieanlagen in Oberschöneweide, in der Wissenschafts- und Medienstadt
Adlershof mit der neuen Parkanlage und im alten Ortsteil Adlershof, in
der Gartenstadt Falkenberg in der Nähe des S-Bahnhofs Grünau, in den Kleinsiedlungsgebieten
nördlich des S-Bahnhofs Köpenick sowie in den historischen Ortskernen
Friedrichshagen, Müggelheim, Schmöckwitz mit Karolinenhof und Rauchfangswerder
und Rahnsdorf mit Wilhelmshagen, Neu-Venedig und Hessenwinkel (im Entwurf
der Tourismuskonzeption für Köpenick von 1998 noch erwähnt).
1. Historische Ortskerne
Altstadt Köpenick: Die Geschichte Köpenicks und die Sehenswürdigkeiten
in der Altstadt sind bekannt und werden auch ausreichend vermarktet, z.B.
Schloss, Rathaus, Luisenhain, Freiheit 15 usw. sowie die Hauptmann-Geschichten
und -legenden. Die Altstadtinsel besitzt jedoch weitere Potenziale, die
im Zuge der Stadterneuerung und -gestaltung aktiviert werden müssen. Die
Aufenthaltsqualität der öffentlichen Räume ist im Durchschnitt nicht sehr
hoch, in Teilen ausgesprochen schlecht. Mängel in der Stadtgestalt wie
die Verkehrsverhältnisse stellen die Hauptgründe für diesen Zustand dar.
Es gilt insbesondere die offenen Baublöcke - die offensichtlich nicht
einmal mittelfristig bebaut werden - gestalterisch (ggf. durch Leichtbauweisen)
zu schließen (Instrument der "Ersatzvornahme") - wobei die derzeitigen
Zwischennutzungen als Parkplätze durchaus weiterhin aufrechterhalten werden
können. Solche Maßnahmen sind auch in den Sanierungszielen des "Rahmenplans
für die Stadterneuerung" für die Altstadt Köpenick von 1993 erwähnt. Ein
Verkehrskonzept für die Altstadt auf der Grundlage von Lärmminderungsgutachten
soll zumindest verkehrlich Besserungen bringen.
Im Gegensatz zur gut vertretenen Gastronomie sind die Defizite im Einzelhandelsangebot
von periodischen und aperiodischen Produkten unübersehbar. Ebenfalls kaum
zu übersehen ist der Leerstand von Geschäftsräumen, auch die Fluktuation
in der Geschäftsnutzung. Von den Verantwortlichen für die Stadterneuerung
und vom Altstadtmanagement müssen endlich umsetzbare Konzepte und Maßnahmen
zur Etablierung und Stabilisierung eines angemessenen und überlebensfähigen
Branchenmixes erarbeitet werden. Besondere Förderung bedürfen die Grünstraße,
die Kietzer Straße und die derzeitige östliche "Altstadtdurchfahrt" (Landjägerstraße-Alter
Markt-Lüderstraße-Freiheit).
Alt-Treptow: Die Entwicklung des Ortes begann erst Anfang des 18.
Jahrhunderts mit dem Wiederaufbau eines Vorwerks mit Wohnhaus, Stall und
Scheune, neben dem in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts eine kleine
Büdnerkolonie entstand. Erst mit dem Holzeinschlag in der Cöllnischen
Heide in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts kam es zu einer Entwicklung
des Ortes, an dem sich Gasthäuser ansiedelten. 1876 wurde der Gutsbezirk
Treptow in eine Landgemeinde umgewandelt. Im gleichen Jahr begann der
Ausbau des Treptower Parkes, in dem 1896 die Berliner Gewerbeausstellung
stattfand. Aus diesem Anlass wurde der Park an die Stadtbahn ("Sonderbahnhof")
und an das Straßenbahnnetz angeschlossen. Der Anschluss der Gemeinde Treptow
an die Stadttechnik (Kanalisation, Wasser und Gas) in den 90er Jahren
des 19. Jahrhunderts förderte die weitere Entwicklung zu einem Industrie-
und Wohnstandort. Herausragende Gebäude und Gebäudekomplexe in diesem
Teilbezirk sind die Kasernenanlage des Telegraphen-Bataillons aus dem
späten 19. Jahrhundert, die Bekenntniskirche in der Plesser Straße (Curt
Steinberg, 1930/31), der Gebäudekomplex der ehemaligen "Allgemeinen Omnibus
AG" (ABOAG) (Franz Ahrens, 1927/28) - heute der "Arena"-Komplex und die
Treptowers mit "Molecule Men" aus den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.
Kietz: Der Kietz bildet den dritten Siedlungsteil von Köpenick. In
dieses neu angelegte Straßendorf wurde in der Phase der Festigung der
Herrschaft des deutschen Feudalismus in der Mark die slawische Bevölkerung
nach 1240 umgesiedelt, die ihre Niederlassungen auf der Schlossinsel unter
Zwang aufgeben mussten. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wird das Dorf in
die Stadt Köpenick eingemeindet. Die heute noch bestehende, charakteristische,
eingeschossige Bebauung mit Satteldach und Traufstellung zur Straße stammt
aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert.
Friedrichshagen: Das Dorf wurde 1753 im Rahmen des königlichen
"Retablissement" (Friedrich II.) für eingewanderte Spinnerfamilien gegründet.
Erst seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts siedelte sich an diesem
Arbeiterort anderes Gewerbe (Brauerei, Bronzegießereien usw.) an. 1878
wurde der Bahnhof und 1892 das Gelände des Berliner Wasserwerks eingemeindet.
Der Bahnhof war eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung Friedrichshagens
zu einem Ausflugs- und Erholungsort sowie zu einem beliebten Wohnort.
Müggelheim: Der Ort wurde 1747 auf dem Köpenicker Werder als Kolonie
für Pfälzer Bauernfamilien angelegt. Er behielt seinen agrarischen Charakter
bis zur Eingemeindung in den Stadtkreis Berlin (die kleinste Landgemeinde).
Die Bebauung des Dorfangers, eingeschossige und traufständige Häuser,
entstammt im Großen und Ganzen der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert. Die
Dorfkirche auf dem Anger aus dem Jahre 1803/04, war eines der wenigen
Gebäude, die die Dorfbrände 1860, 1866 und 1890 überstanden.
Schmöckwitz: Das slawische Fischerdorf (ein "Platzdorf") wurde
1375 erstmals urkundlich erwähnt und zählte damals zum Amt Köpenick. Zwischen
1811 und der Eingemeindung nach Berlin 1920 gehörte das Dorf zum Kreis
Teltow. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl nur
gering an. Dagegen siedelten sich in dieser Zeit ganz unterschiedliche
Gewerke an, u.a. eine Leimsiederei und eine Wattefabrik. In den 80er Jahren
des 19. Jahrhunderts wurde das "Fischerdorf" von Berliner "Sommerfrischlern"
entdeckt und entwickelte sich zu einem "schlichten Sommerbad".
Rahnsdorf: Rahnsdorf, zum ersten Mal 1375 urkundlich erwähnt, war
ein slawisches Fischerdorf. Es unterstand zur Zeit seit seiner urkundlichen
Erwähnung bis ins frühe 18. Jahrhundert der Köpenicker Burg bzw. Amt.
Bis zu seiner Eingemeindung in den Kreis Barnim Ende des 19. Jahrhundert
war es Privatbesitz adliger Familien. Die Bebauung des Rundlings stammt
aus dem späten 19. und dem frühen 20. Jahrhundert (nach der Feuersbrunst
von 1873).
2. Wohnensembles
Wohngebiet "Am Treptower Park": 1904 wurde das schmale Gelände
zwischen der Köpenicker Landstraße und dem Treptower Park parzelliert
und im folgenden Jahrzehnt mit Mietshäusern für das "gehobene Bürgertum"
bebaut. Das Wohngebiet ist baulich weitgehend intakt und gerade erneuert
worden.
Arbeitersiedlung Baumschulenweg: Zweifamilienhäuser, traufständige,
zweigeschossige Reihenhäuser mit Vorgärten im Stil des Akademismus aus
dem Jahr 1894. Bauherrin war die Berliner Baugenossenschaft und der Architekt
Gabriel Wohlgemuth.
Beamtensiedlung Nähe Adlershof: Die in der Gemeinschaftsstraße
1919 errichtete Beamtensiedlung besteht aus 14 eingeschossigen Doppelhäusern
mit ausgebauten Satteldächern. Die traufständigen Gebäude sind beidseits
und leicht versetzt zur Straße hin angeordnet. Die dunkelbraun gestrichenen
Holzfassaden sind zum Teil erneuert, die Fensterläden sind farblich von
der Fassade abgesetzt.
Wohnbebauung Baumschulenstraße: Vier- und dreigeschossige Blockrandbebauung
mit Flachdächern im Stil der Neuen Sachlichkeit, 1927 bis 1932 nach Entwurf
von Walter Kaas für den "Ojoreila"-Wohnungsverein zu Berlin erbaut.
Kleinsiedlung Johannisthal: Einfamilienreihen- und -doppelhäuser
im schlichten Expressionismus und in Neue Sachlichkeit, erstellt von 1919
bis 1927. Bauherren waren die Gemeinnützige Baugesellschaft Berlin-Johannisthal,
Wohnungsverein Ostbahnernotverein, Gesellschaft zur Förderung von Bauproduktiv-Genossenschaften
und Gemeinnützige Heimstätten, Spar- und Bau-AG. Architekten: Bruno Ahrens
(1919-20), Walter Kaas (1921-22), Engelmann & Fangmeyer (1924-25), Hans
Soeder (1924-25) und Bruno Taut (1925-27).
Gartenvorstadt Falkenberg: Gartenstadt mit Ein- und Mehrfamilienhäuser
in zweigeschossigen Reihenhäuser mit Walm- und Satteldächer im Stil eines
schlichten Expressionismus, erbaut 1913 bis 1915. Die Siedlung wurde hauptsächlich
von Bruno Taut und in Teilen von Heinrich Tessenow für die Gemeinnützige
Baugenossenschaft Gartenvorstadt Groß-Berlin entworfen.
Wohngebiet Oberschöneweide: Siedlung aus zweigeschossigen Reihenhäusern
mit ausgebautem Dachgeschoss mit Anklängen an den Expressionismus entworfen
von Peter Behrens (1919-21) im Auftrag der Gemeinnützigen Baugesellschaft
mbH Oberschöneweide erstellt. 1922 bis 1929 Ergänzung durch zweigeschossige
Reihenhäuser von Jean Krämer.
Siedlung Elsengrund: Siedlung aus zweigeschossigen Doppel- und
Reihenhäusern mit Walmdächer im zurückhaltend traditionellen Stil in zwei
Bauabschnitten 1919 bis 1921 und 1921 bis 1928 im Auftrag der Gemeinnützige
Baugesellschaft Berlin-Ost gebaut und von Otto Rudolf Salvisberg entworfen.
Stadtrandsiedlung Mittelheide: Die zwei- und dreigeschossigen Reihenhäuser
wurden von Otto Rudolf Salvisberg im Stil der "Neuen Sachlichkeit" entworfen
und 1928 bis 1929 für die Gemeinnützige Baugesellschaft Berlin-Ost realisiert.
Villenkolonien
Hirschgarten: 1870 gründete der Bankier Friedrich Wilhelm Hirte
die Kolonie (Bebauungsplan: Eduard Titz), die sich bald zu einem Wohnort
für "gutbürgerliche Kreise" entwickelte. Anfang des 20. Jahrhunderts war
die Siedlung ein beliebter Sonntagsausflugsort der Berliner. Hirschgarten
wurde zum Standort zahlreicher Boots- und Wassersportsvereinshäuser. Selbst
der Ausbau zum Kurort war geplant, was aber an unergiebigen "Heilquellen"
scheiterte.
Wilhelmshagen: Die Villenkolonie - damals noch mit dem Namen Neu-Rahnsdorf
- wurde Anfang der 90er Jahren des 19. Jahrhunderts von der Deutschen
Volksbau-AG angelegt. Seit 1902 durfte sich diese Kolonie "Wilhelmshagen"
nennen. Hier entstanden Villenbauten mit "gründerzeitlichen" Schmuckelementen
und im Jugenstil. Mitte der 90er Jahre des 19. Jahrhundert wurde die "Heilanstalt
der Norddeutschen Holz-Berufsgenossenschaft" gebaut, eine herrenhausartige,
zweigeschossige Anlage mit Nebenbauten.
Hessenwinkel: Die Kolonie entstand im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts.
Anfang der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts wurde sie nach Rahndorf eingegliedert.
Zu dieser Zeit entstanden die meisten Villenbauten im sogenannten "Burgenstil",
in Neorenaissance oder im Heimatstil.
Karolinenhof: 1894 wurde das ehemalige Bauerngut Karolinenhof parzelliert
und 1895 eine gleichnamige Villenkolonie gegründet. Die Kolonie wurde
in der Folgezeit wohl kein größeres Wohngebiet, jedoch ein beliebtes Ausflugsziel.
3. Industrieensemble
Industrieensemble Oberschöneweide: Dieses Ensemble in der Ostendstraße
und in der Wilhelminenhofstraße wird beherrscht von den Fabrikanlagen,
Maschinenhallen um einen Werkhof, und dem Verwaltungsgebäude mit dem charakteristischen
Turm, die von Peter Behrens im Stil der frühen "Architektonischen Moderne"
für die Nationale Automobilgesellschaft (NAG) entworfen und in den Jahren
1914 bis 1917 gebaut wurden. Dieser Gesellschaft folgten bald Bauten der
Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft (AEG) und deren Nachfolgeunternehmen
in der DDR, des Werks für Fernsehelektronik Berlin.
4. Sonstige Ensemble
Wissenschafts- und Wirtschaftsstadt Adlershof (WISTA) und Media City:
Nach Auflösung der Akademie der Wissenschaften der DDR im Jahre 1992 sollte
auf dem insgesamt 420 Hektar großem Gebiet der modernste Wissenschafts-
und Technologiepark Europas entstehen, der Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort
Adlershof (WISTA). Eine zusätzliche Fläche gehörte dem ehemaligen DDR-Fernsehen,
wo ebenfalls auf die früheren Nutzung aufbauend die sogenannte "Media
City" entstanden ist.
Luftfahrtanlagen in Adlershof: Das aus 17 Gebäuden und Anlagen
bestehende, heute denkmalgeschütze Ensemble in Adlershof ist Teil der
ehemaligen Einrichtungen der zwischen 1912 und 1945 an diesem Standort
ansässigen Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL). 1932 bis 1938
entstanden hier wichtige Flugzeugprüfanlagen wie der Große Windkanal und
der Trudelwindkanal, beide in Betonbauweise errichtet, sowie aus Holz
konzipierte Motorenprüfstände. Den Anlagen schließen sich zehn weitere
Gebäude in Johannisthal an, in denen größtenteils Flugzeuge fabriziert
wurden. Damit die traditionsreichen Anlagen und die Historie der deutschen
Luft- und Raumfahrt nicht in Vergessenheit geraten, werden seit 1991 von
der Gesellschaft zur Bewahrung von Stätten deutscher Luftfahrtgeschichte
(GBSL) Konzepte zur Erhaltung und Nutzung der Gebäude erarbeitet.
Gedenkstätte ehemaliges Zwangsarbeiterlager: Zwangsarbeiterlager
aus dem Jahre 1942 für 2000 zur Rüstungsproduktion zwangsrekrutierte Arbeiter
aus Belgien, Frankreich, Holland, Italien, Polen und der Ukraine.
Regattastrecke Grünau und Umgebung: Grünau wurde vom preußischen
König Friedrich II. als Kolonistendorf angelegt, dieser Ortsteil hat trotz
relativ guter Verkehrsanbindung bis heute seinen ländlichen Charakter
behalten. Die vorwiegend aufgelockerte Bebauung besteht zum Teil aus Villen
mit sehr guter Lage zum Wasser. Auf dem Abschnitt zwischen Fähre und Strandbad
Grünau befinden sich ehemals allseits bekannte und besuchte Einrichtungen
wie die Regattastrecke, deren bekanntesten Ausflugslokale wie das "Riviera"
und "Gesellschaftshaus Grünau" schon seit Jahren ungenutzt sind und sich
mittlerweile in einem bedauerlichen Bauzustand befinden. Die Regattaanlage
selbst entstand um 1880. Hier wurden die Sportler für die Olympiade 1936
trainiert. Später wurde der Standort zum Wassersportzentrum der DDR ausgebaut.
Noch heute werden hier regelmäßig Regatten ausgetragen.
Neu-Venedig: Das von zahlreichen Kanälen durchzogene Neu-Venedig
an der Müggelspree wurde in den frühen 30er Jahren des 20. Jahrhundert
als Ortsteil von Rahnsdorf angelegt.
Landschaften (siehe Karte 16)
Treptower Park: Der Treptower Park ist ein beliebtes Ausflugsziel
in Berlin. Angelegt wurde der Park zwischen 1876 und 1888 auf Betreiben
des Gartenbaudirektors Johann Gustav Meyer. Das Gelände kann südlich der
zentralen Parkachse, der Puschkinallee, in drei Hauptbereiche gegliedert
werden: Der nordwestliche Teil besteht aus einer großen Liegewiese mit
einzelnen Baumgruppen. In die Mitte der Parkanlage wurde 1946-1949 das
Sowjetische Ehrenmal eingefügt, das Ruhestätte von 5.000 Soldaten ist.
Der Karpfenteich bestimmt den südöstlichen Teils des Parks, hier befindet
sich auch die Archenhold-Sternwarte.
Plänterwald: Die bewaldeten Flächen des heutigen Plänterwaldes
waren ab 1435 Teil der späteren Köllnischen Heide. Zwischen 1823 und 1840
wurden dann große Waldteile abgeholzt, um die Fläche als Ackerland zu
nutzen. Da der Boden weitgehend unfruchtbar war, konnte der Gartenbaudirektor
Gustav Meyer 1876 seinen Plan, eine baumschulenartige Beforstung auf knapp
90 Hektar, erfolgreich durchsetzen. Der Name "Plänterwald" verweist auf
die spezielle Waldbewirtschaftungsform: Es ging hier um das regelmäßige
Auslichten von Baumgruppen, damit Bäume aller Alters- und Höhenstufen
auf kleinster Fläche nebeneinander bestehen konnten. Aufgrund dieser wertvollen
Baumzusammensetzung und der ökologischen Ausgleichsfunktionen wurde der
als innerstädtischer Wald dem Stadtzentrum Berlins an nächsten liegende
Plänterwald 1998 als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. 1969 wurde nahe
der Insel der Jugend ein 29,5 Hektar großer Vergnügungspark (Spreepark)
angelegt, der seinen Betrieb mittlerweile eingestellt hat, ebenso wie
das nahegelegene "Eierhäuschen" aus dem Jahre 1890.
Wuhlheide: Die Wuhlheide war einer der Waldteile, die das Schlossamt
Cöpenick im 18. Jahrhundert erworben hatte. 1865 wurde dort ein Forsthaus
als Preußische Staats-Försterei erbaut, das heute noch der Revierförsterei
dient. Der "Volks- und Waldparks Wuhlheide" entstand nach Plänen des Gartendirektors
Ernst Harrich in den Jahren 1919 - 1931 im westlichen Teil des Waldgebietes
Wuhlheide. Die Konzeption sah landschaftlich geprägte Ruhezonen für die
stille Erholung ebenso vor wie Bereiche für die aktive Erholung (mit Sportwiesen,
Kinderspiel- und Turnplätzen, Tanzplatz, Rodelhang, Licht- und Luftbad).
Heute hat der Volkspark Wuhlheide ein waldartiges Erscheinungsbild, angelegte
Gärten, Spiel- und Liegewiesen sind meist verwildert. Ende der 90er Jahre
begannen Planungen für eine Rekonstruktion eines der drei größten Beispiele
der Volksparkbewegung der 20er Jahre in Berlin. Im süd-östlichen Teil
des Parks befindet sich das 1951 errichtete Freizeit- und Erholungszentrum
(FEZ) mit Parkbühne, Parkbahn, Stadion und Badesee. 1979 wurde der Pionierpalast
mit Schwimmbad, Sporthalle und Spielplatz eröffnet.
Königsheide: Die Königsheide gehörte ursprünglich zum großen östlichen
Waldgebiet Berlins, bestehend aus Wuhlheide, Köllnische Heide, Grünauer-
und Köpenicker Forst. Heute stellt sie eine Dauerwaldanlage von ca. 200
Hektar Fläche dar, die zwischen Königsheideweg und der Südostallee liegt.
Das Gebiet ist ein Naturschutz- und Wassereinzugsgebiet, ausserdem dient
es als Naherhohlungsstätte für die Berliner Bevölkerung. Im nordöstlichsten
Abschnitt der Königsheide wurde in den 50er Jahren das größte Kinderheim
Ost-Berlins errichtet, das ehemalige Kinderheim "A.S. Makarenko". Die
in U-Form angeordneten sieben Gebäude aus der Zeit des Traditionalismus
werden teils noch genutzt. So ist hier ein Ausbildungszentrum sowie ein
Teil der öffentlichen Verwaltung untergebracht.
Landschaftspark Johannisthal: In Johannisthal wurde 1909 der erste
Motorflugplatz Deutschlands eröffnet, der sich rasch zur Wiege der deutschen
Luftfahrt entwickelte. Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts
erfolgte die Stilllegung. Nach der Wende wurde das Flugfeld teilweise
bebaut und der Hauptteil zu einem Natur- und Landschaftspark umgestaltet.
Müggelberge: Südlich des Großen Müggelsees, zwischen Müggelheimer
Damm und Langem See befinden sich die Müggelberge. Sie umfassen eine Fläche
von 7,4 Quadratkilometern, die mit Rad- und Wanderwegen erschlossen ist.
Der kleine Müggelberg mit dem Müggelturm erreicht eine Höhe von 82 Metern,
der große Müggelberg eine Höhe von 115 Metern. Bei gutem Wetter ist vom
Turm aus ein Rundblick bis 50 Kilometer ins Land möglich. Weitere Attraktionen
sind der am Fuße des Müggelturms gelegene Naturlehrpfad und das Teufelsmoor.
Köpenicker Bürgerheide: Die Köpenicker Bürgerheide stellt die Fortsetzung
der Müggelberge zwischen Müggelheimer Damm und dem Großen Müggelsee dar.
Direkt am Wasser gelegen befinden sich zwei traditionelle Ausflugslokale
sowie Anlegestellen für die Fahrgastschifffahrt.
Wassersport und -tourismus (siehe Karte 16)
Als weiterer Bereich, der als touristisches Potenzial noch weitere Entwicklungschancen
besitzt, ist der Wassersport und -tourismus zu nennen. Die Gewässer und
Wälder bzw. die Seengebiete und verzweigte Wasserstraßen Treptow-Köpenicks
haben einen hohen Freizeit- bzw. Revierwert für Wassertouristen. Es bestehen
weiterhin Möglichkeiten und Notwendigkeiten, den wassernahen touristischen
Bestand und das entsprechende infrastrukturelle Angebot zu stärken - und
zwar entsprechend der Nachfrage: Uferbereiche, wassernahe Gastronomie,
Anlegestellen, wassertouristische Infrastruktur.
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