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3. Die Befragung tourismuswirtschaftlicher BetriebeDie Befragung der lokalen tourismuswirtschaftlichen Betriebe ist ein wichtiger Baustein im Rahmen der Aufgabenstellung des Projekts. Sie hat zunächst einmal die Aufgabe, die Bestandsaufnahme zu ergänzen und zu vertiefen. Zu den vorhandenen Daten, wie z.B. die Anzahl und Lage der jeweiligen Betriebe, sollten durch die Befragung Informationen gewonnen werden, die die wirtschaftliche Situation der Betriebe transparenter machen, etwa Informationen zur Auslastung der Betriebskapazitäten oder zur Anzahl der Beschäftigten. Des weiteren wird nach der Einschätzung der Situation des eigenen Betriebes, aber auch der Situation des Tourismus in Treptow-Köpenick gefragt. Voruntersuchungen haben gezeigt, dass zu dieser speziellen Thematik kein Datenmaterial vorhanden ist. Andere thematisch ähnlich gelagerte Untersuchungen liegen ebenfalls nicht vor. So war die Durchführung einer Primärerhebung notwendig. Mit der Befragung wurde eine gründlichere Informationsgewinnung angestrebt, die über die reine Aufnahme von Basisdaten weit hinausgeht. Im Hinblick auf konkrete Maßnahmen, die die erarbeiteten Konzepte und Strategien konkretisieren sollen, kann eine Befragung ebenfalls einen wichtigen Beitrag leisten. Es ist davon auszugehen, dass die lokalen tourismuswirtschaftlichen Betriebe selbst am besten wissen, "wo der Schuh drückt" und wie Verbesserungen für sie selbst, ihre Branche oder für den Bezirk aussehen könnten. Von den Befragten wurden sehr konkrete Vorschläge auf pragmatischer Ebene erwartet. Auch zur Umsetzung des fünften Projektziels - Beteiligungsformen zu finden und zu initiieren ("Hilfe zur Selbsthilfe") - war die Befragung ein wichtiger Bestandteil. Zum einen können in den Interviews die Erfahrungen und die Bereitschaft in Bezug auf Kooperationsformen ermittelt werden. Zum anderen können auch bereits vorhandene Vorstellungen, die die Befragten zum Thema Beteiligung haben, eruiert werden. Solche Informationen unterstützen ein situationsangepasstes und zielgerichteteres Vorgehen in Fragen der Selbstorganisation der Betriebe. 3.1 Methodisches VorgehenIn den Ausführungen zu den Zielsetzungen der Befragung ist bereits angeklungen, dass kein standardisiertes, sondern nur ein weitgehend offenes Erhebungsverfahren in Frage kam, um die gewünschten Informationen zu erhalten. Als Vorgehensweise wurde deshalb das qualitative leitfadengestützte Interview gewählt. Das Interviewgespräch wird durch einen Leitfaden insoweit thematisch vorstrukturiert, dass die Aussagen vergleichbar sind. Den Interviewpartnern wurde dennoch genug Raum gelassen für eigene Ausführungen.Analog zu den oben genannten Projektaufgaben enthielt der Leitfaden drei Schwerpunktthemen:
Zur Kontrolle der inhaltlichen Angemessenheit des Leitfadens wurde ein Pretest durchgeführt. Für diesen Test wurden acht Personen bestimmt, von denen bekannt war, dass sie sich in der Thematik gut auskennen. In diesem Fall waren es Personen aus dem Bezirk, die entweder selbst Unternehmer in der Tourismuswirtschaft sind - und als sehr engagiert und kenntnisreich gelten - oder in anderer Form beruflich mit Tourismus und Tourismuswirtschaft zu tun haben. Die Auswahl der Befragungspersonen musste sich an der Aufgabenstellung des Projekts orientieren. Ziel war es, aus der Grundgesamtheit der tourismuswirtschaftlichen Betriebe in Treptow-Köpenick eine Stichprobe von etwa 50 Betrieben zu ziehen, die befragt werden sollten. Des weiteren sollte es sich um kleine und mittlere Unternehmen (KMU) handeln. Um eine breite Streuung zu erreichen, war es notwendig, einmal die räumliche Verteilung dieses Wirtschaftsbereichs im Bezirk zu berücksichtigen und dabei die peripheren Lagen zu gewichten. Zum anderen musste die Auswahl ebenso der Zugehörigkeit der Betriebe zu den verschiedenen tourismuswirtschaftlichen Kategorien Rechnung tragen. Die Interviews wurden zu einem großen Teil auf Band aufgezeichnet und transkribiert. Nur ein kleinerer Teil wurde protokolliert. Das vorliegende umfangreiche Textmaterial wurde mit Hilfe eines speziell für qualitative empirische Verfahren entwickelten Auswertungsprogramms (WinMax) bearbeitet und ausgewertet. Das Problem der Auswahl der Befragten lag darin, dass die einzelnen Kategorien in der Destination Treptow-Köpenick sehr ungleich besetzt sind. Es ist deshalb schwierig, eine halbwegs ausgewogene Verteilung zu erreichen. So ist z.B. die Kategorie C1/Gastronomie mit über 300 Betrieben besetzt, die Kategorie A2/Fahrunternehmen aber gerade einmal mit 4 Betrieben. Unser Vorgehen orientierte sich hier an pragmatischen Gesichtspunkten. Neben den reinen Kategorien "Beherbergungsgewerbe" und "Gastronomie" bildeten wir eine Mischkategorie "Tourismusspezialisierte Betriebe". Im Hinblick auf die durchzuführenden Interviews wurde eine Verteilung von 12 "Beherbergung", 20 "Gastronomie" und 18 "Tourismusspezialisierte Betriebe" angestrebt. Als sich im Verlauf der Bestandsaufnahme herausstellte, dass die Anzahl der Privatvermieter (bis zu acht Betten) im Bezirk überdurchschnittlich hoch ist (fast 80 Betriebe), wurde entschieden, auch einige dieser Betriebe zu befragen, obwohl sie laut Definition nicht zu den kleinen und mittleren Unternehmen gehören. Gerade in touristisch geprägten Regionen nehmen diese "Kleinstunternehmer" wichtige ergänzende Funktionen für die örtliche Tourismuswirtschaft ein. Die Interviews wurden in erster Linie von den Projektmitarbeiter/innen in den Monaten Mai und Juni 2003 durchgeführt. Unterstützung kam von Auszubildenden der "BEST-Sabel-Bildungszentrum GmbH Tourismusakademie" im Stadtteil Friedrichshagen, die zuvor im Rahmen mehrerer Veranstaltungen für die Durchführung der Interviews geschult worden waren. Die Gesamtzahl der durchgeführten Interviews belief sich auf 45. Die Frage, inwieweit die geplante Zahl erreicht wurde, muss für die drei Kategorien unterschiedlich beantwortet werden: Im Falle der Kategorie 1/Beherbergung wurden 13 Betriebe befragt, d.h. sogar noch ein Betrieb mehr als vorgesehen. Von den Privatvermietern wurden 7 befragt. In der Kategorie 2/Gastronomie lag die Zielzahl bei 20 Betrieben, die mit 17 durchgeführten Interviews auch fast erreicht wurde. In der Kategorie 3/Tourismusspezialisierte Betriebe allerdings war die Ausfallquote relativ hoch: Von den angepeilten 18 Betrieben konnten nur 8 befragt werden. Da die Zahl der Betriebe in dieser Mischkategorie insgesamt nicht sehr hoch ist, war auch die "Reserve" begrenzt. Der relativ hohe Anteil an "nicht durchgeführten Interviews" in der letzten Kategorie beruhte nicht in erster Linie auf Verweigerungen, sondern darauf, dass Betriebe aufgegeben wurden, eine Schließung in naher Zukunft beabsichtigt war oder der Betriebsstandort nun außerhalb Berlins lag. Die Häufung der Fälle deutet darauf hin, dass die Betriebe dieser Kategorie in vielfältiger Hinsicht mit ökonomischen Unsicherheiten zu tun haben. 3.2 BefragungssampleDie Auswertung basierte auf 45 qualitativen Interviews, die im Mai und Juni 2003 mit Inhabern bzw. Geschäftsführern von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) der Tourismusbranche in Treptow-Köpenick durchgeführt wurden. In Form allgemeiner Angaben und entlang der drei Kategorien, nach denen die Betriebe unterteilt wurden, soll im Folgenden das Sample kurz beschrieben werden. Kategorie 1: Beherbergung Die Zahl der kleinen und mittleren Beherbergungsbetriebe im Bezirk beläuft sich auf 24, von denen 11 befragt wurden. Zu den "kleinen" Unternehmen gehören Betriebe mit 9 - 45 Betten, "mittlere" Betriebe haben zwischen 46 - 150 Betten. Desweiteren zählen laut Definition auch Marinas zu den Beherbergungsbetrieben. Sechs Marinas gibt es im Bezirk, zwei davon wurden befragt. Die Anzahl der befragten KMU-Betriebe im Beherbergungsgewerbe liegt damit insgesamt bei 13. Da auch die Zahl der Privatvermieter in Treptow-Köpenick mit ca. 80 Betrieben recht hoch ist, wurden einige von ihnen ebenfalls befragt (sieben Interviews). Zu diesen Kleinstunternehmen werden die Anbieter von Privatzimmern, Ferienwohnungen o.ä. gerechnet, die weniger als neun Betten haben und deshalb nicht meldepflichtig sind. Kategorie 2: Gastronomie Hier ist die Gesamtzahl der Betriebe ungleich höher: Über 300 gastronomische Einrichtungen gibt es im Bezirk, mit 17 von ihnen wurden Interviews geführt. Hinsichtlich der Auswahl ist versucht worden, eine der Fragestellung adäquate Streuung der Betriebe zu erreichen. Kategorie 3: Tourismusspezialisierte Betriebe Die Kategorie 3 setzt sich aus verschiedenartigen Betrieben zusammen, deren Spezialisierung in diesem Fall im Bereich des Wassersports liegt. Sie umfasst so unterschiedliche Leistungen wie Fahrunternehmen, Bootsbau und -service, Bootshandel, Bootsausrüstung, Bootsverleih, Strand- und Freibäder usw. Im Unterschied zu den vorangegangen Kategorien ist das Angebot hier zumeist vielfältiger, d.h. die Betriebe haben teilweise ein sehr differenziertes Dienstleistungsangebot. Ihre Gesamtzahl im Bezirk liegt bei ca. 50, davon wurden acht befragt. 3.3 Auswertungsergebnisse3.3.1 Charakterisierung und wirtschaftliche Entwicklung der befragten BetriebeA. Beherbergungsgewerbe (KMU und Kleinstunternehmen) Zur Charakterisierung Die befragten Betriebe unterscheiden sich in ihrer Größe, ihrem Standard und ihrem Angebot ganz erheblich voneinander. Die Größe variiert zwischen 10 und 150 Betten und der Standard zwischen Jugendherberge und Vier-Sterne-Hotel. Das Dienstleistungsangebot reicht von der einfachen Marina ohne nennenswerte Infrastruktur über die Ferienwohnung oder das Ferienhaus für die Selbstversorger bis hin zum Hotel mit Restaurant, Sauna, Fitnessraum etc. Die Zahl der Beschäftigten variiert indessen gar nicht so sehr. In den meisten Fällen wird der Betrieb von einer Person alleine bzw. von einem Ehepaar geführt, teilweise unter Hinzuziehung von Teilzeit- oder saisonalen Kräften. Auch die größeren Betriebe, wie die Jugendherberge mit 80 Betten oder ein Hotel garni mit über 50 Betten wird mit nur 3 Vollzeitkräften bzw. 3 Vollzeit- und 2 Teilzeitkräften betrieben. Es gibt zwei Ausnahmen: Das Vier-Sterne-Hotel mit 150 Betten und angegliedertem Gastronomiebetrieb und anderen Serviceeinrichtungen beschäftigt 17 Vollzeitkräfte zuzüglich ca. 15 Auszubildende. Ein weiteres Hotel garni mit knapp 50 Betten beschäftigt derzeit 10 Vollzeitkräfte und noch einige Auszubildende. Da sich das Hotel in einer Umbruchphase befindet, kann davon ausgegangen werden, dass diese verhältnismäßig hohe Zahl an Beschäftigten bei gleichbleibender Bettenkapazität zukünftig nicht beibehalten werden kann. Ein Blick auf die Dauer der Betriebsansässigkeit: zeigt: Alle von uns befragten KMU-Beherbergungsbetriebe sind erst nach der Wende entstanden. Interessant ist, dass es offensichtlich keinen Gründungsboom in einer bestimmten zeitlichen Phase gegeben hat, denn die Betriebsgründungen und z.T. auch -erweiterungen verteilen sich relativ kontinuierlich auf den Zeitraum zwischen 1990 und 2002. Aus diesen Angaben könnte auf eine gewachsene Entwicklung des Beherbergungsgewerbes in Treptow-Köpenick geschlossen werden, und es könnte vermutet werden, dass es sich in einer stabilen wirtschaftlichen Situation befindet. Wirtschaftliche Entwicklung der Betriebe in der Kategorie Beherbergung Die Ergebnisse unserer Befragung stützten diese Vermutung jedoch nicht. Die meisten befragten Betriebe sahen sich mit verschiedenen wirtschaftlichen Problemen und Unsicherheiten konfrontiert, die durch die gegenwärtig schlechte wirtschaftliche Lage nochmals eine Zuspitzung erfahren. Einige dieser vielfältigen Probleme sollen im Folgenden exemplarisch aufgezeigt werden. Rückblickend wird von einer für das Beherbergungsgewerbe sehr profitablen Geschäftssituation Mitte der 1990er Jahre berichtet: "Wir haben wirklich einen Haufen Kohle gemacht. Zu Anfang war das hier mächtig gut" (Besitzer einer Ferienhausanlage). Seither hat sich die Nachfrage insbesondere hinsichtlich der Kundenstruktur geändert. Damals bestand die Kundschaft noch häufig aus Geschäftsreisenden, Monteuren usw., inzwischen kommen aber fast ausschließlich Privatreisende. In einem Fall hatte das zur Folge, dass das unternehmerische Konzept nicht aufging. Der Betrieb entwickelte sich anders als geplant, so dass jetzt nur noch versucht wird, ihn irgendwie aufrecht zu erhalten: "Es ist schon schwierig. Wir sind klein und wir sind auch nicht auf Angestellte angewiesen. Ich mache das selbst, meine Mutter hilft ein bisschen. Aber eigentlich ist die Situation nicht gut. Es war anders geplant. Wir haben hinten angebaut und wollten Gaststätte und Pensionsbetrieb machen. Wir mussten ein Konzept bei der Bank vorlegen und haben das auch genehmigt bekommen damals. Das wurde alles bewilligt, was wir ausgearbeitet hatten. Es waren fünf Leute geplant, und jetzt bin ich alleine hier. Es geht doch immer abwärts, bei uns jedenfalls". Im Falle eines anderen Hotels ist die Unternehmenskonzeption im Hinblick auf den Ausbau des Flughafens Schönefeld entwickelt worden, der sich aber immer weiter verzögert und damit auch die erwartete Kundschaft ausbleibt. In zwei weiteren Fällen (Jugendherberge, Marina) befinden sich die Betriebe in/auf restitutionsbehafteten Gebäuden bzw. Grundstücken. Das hat zur Folge, dass die betriebliche Weiterentwicklung nicht planbar ist und notwendige Investitionen nicht getätigt werden können. So musste die Jugendherberge bereits einen Gebäudeteil mit 40 Betten schließen, da der Einbau einer Notfalltreppe nicht vorgenommen werden konnte. Der Zeitpunkt der Entscheidung, was mit dem gesamten Komplex geschehen wird, liegt hier zwischen einem halben und zehn Jahren. Ein weiterer Yachthafen wird inzwischen gar nicht mehr gewerblich, sondern nur noch privat bewirtschaftet, da sich der Betrieb als unrentabel erwies. Mehrere Versuche des Besitzers, das Grundstück für weitere Nutzungen auszubauen (Café, Ferienwohnungen), scheiterten an der wenig kooperativen Genehmigungspraxis der bezirklichen Verwaltung: "Ich wollte hier etwas Gepflegtes, Schönes machen, aber es wurde mir nicht empfohlen, im Gegenteil. Es wurde mir regelrecht ausgeredet. Ich hätte es mehr oder weniger aus ideellen Gründen gemacht, und weil ich sehr oft darauf angesprochen werde, ob hier drin nicht vielleicht ein kleines Café oder Restaurant ist, weil es von draußen so aussieht. Das ist eine Uferterrasse. Aber wenn es das Bezirksamt nicht möchte, dass die Touristen hier freundlich empfangen werden, dann eben nicht". Zusätzlich zu den beschriebenen Problemen macht die gesamtwirtschaftlich schlechte Lage und der Rückgang des Berlin-Tourismus den Beherbergungsbetrieben zu schaffen. Die Auslastungszahlen sind z.T. erheblich zurückgegangen, beginnend mit dem Jahr 2001. Eine Befragte sagte, dass sie erst in diesem Jahr - 2003 - einen deutlichen Einbruch in den Buchungen feststellt. Und der Rückgang in der Auslastung ist enorm: Das größte von uns befragte Hotel nennt einen Rückgang in der Auslastung von 72% (im umsatzstärksten Jahr 2000) auf 53-54% in 2002. Ein anderes mittelgroßes Hotel verzeichnet von 2001 zu 2002 einen Einbruch von 67% auf 50%. Sofern auch von den anderen Betrieben Angaben zur Auslastung vorliegen, bewegt sich der gegenwärtige Wert ebenfalls im Bereich um die 50%. Auch die befragten Marinas verzeichnen einen diesbezüglichen Rückgang; ihre Auslastung liegt derzeit bei ca. 60% bzw. 70%. Hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung sehen sich die Befragten von der allgemeinen konjunkturellen Lage abhängig. In einem Fall wird ausdrücklich auch die wirtschaftliche Entwicklung des Bezirks als Einflussfaktor genannt. Wenn es Treptow-Köpenick gelänge, das touristische Potenzial besser zu nutzen, würde das auch positive Auswirkungen auf das Beherbergungsgewerbe haben. Betriebliche Reaktionen oder konkrete Maßnahmen, um den negativen Tendenzen entgegenzuwirken, beabsichtigt etwa die Hälfte der Betriebe. In zwei Fällen wurde auf die Frage nach geplanten Veränderungen berichtet, dass darauf hin gearbeitet werde, eine bessere Auslastung auch in den nachfrageschwachen Wintermonaten zu erreichen. Zwei Betriebe planen - in moderatem Rahmen - räumliche Erweiterungen.In einem weiteren Betrieb wird beabsichtigt, die Zahl der Ausbildungsplätze zu reduzieren. Über eine Reduzierung der Arbeitsplätze wird ebenfalls nachgedacht. Zudem soll versucht werden, den angegliederten Gastronomiebetrieb besser zu vermarkten. Die andere Hälfte der Betriebe hat indessen keine konkreten Veränderungen geplant. Hier wird versucht, Bestandssicherung zu betreiben, eine Stabilisierung des Betriebs zu erreichen und ansonsten auf bessere Zeiten zu hoffen, wobei die Haltung des Abwartens mitunter auch deutlich resignative Züge trägt. Ebenso wie die anderen von uns untersuchten tourismuswirtschaftlichen Branchen arbeitet das Beherbergungsgewerbe saisonabhängig. Von den befragten 13 KMU-Betrieben verzeichnen 11 starke saisonale Schwankungen. Als Hauptsaison gelten das Frühjahr und die Sommermonate. Einige Befragte gaben an, dass besonders das Frühjahr und der Spätsommer attraktive Reisezeiten sind für jene Gäste, die vorrangig als Berlintouristen kommen und dass in der eigentlichen Ferienzeit im Hochsommer die Nachfrage sogar etwas rückläufig ist. Die Wintermonate sind ausgesprochen ruhig, die Nachfrage ist so gering, dass im Falle der Jugendherberge sogar schon überlegt wird, das Haus für einige Monate ganz zu schließen, um dadurch Kosten für Heizung u.a. zu sparen. Nur zwei Betriebe stufen sich als saisonunabhängig ein, beide zielen weniger auf den individualreisenden Berlin-Besucher oder auf den am Wassersport Interessierten ab. In einem Fall handelt es sich um das Vier-Sterne-Hotel, das vorrangig auf Tagungs- und Geschäftstourismus und auf Busreisende ausgerichtet ist. Im zweiten Fall handelt es sich um ein Hotel, das diese Ausrichtung bezüglich der Kundschaft in Zukunft anstrebt. Die Kundschaft der befragten Beherbergungsbetrieb (KMU und Kleinstunternehmer) kommt zu einem ganz überwiegenden Teil aus Deutschland, und zwar vorrangig aus den alten Bundesländern. Gäste aus den neuen Bundesländern seien erst in jüngster Zeit wieder häufiger vertreten. Oft handelt es sich um ehemalige Köpenicker oder Berliner, die ihrer Heimat einen Besuch abstatten und/oder Verwandte und Bekannte besuchen wollen. Fast alle Beherbergungsbetriebe haben auch ausländische Gäste, vorwiegend aus dem benachbarten westeuropäischen Ausland (besonders häufig werden Holländer genannt). Quantitativ fallen die ausländischen Gäste allerdings kaum ins Gewicht. Touristen aus dem entfernteren Ausland sind häufiger in der Jugendherberge anzutreffen, die aufgrund ihres preiswerten Angebots u.a. von Rucksacktouristen aus der ganzen Welt besucht wird. Bei den meisten Beherbergungsbetrieben sind die Gäste Individualreisende, die für ein paar Tage (seltener Wochen) kommen. Sie interessieren sich in erster Linie für die Sehenswürdigkeiten Berlins und wünschen sich gleichzeitig eine ruhige Übernachtungsmöglichkeit, abseits der Großstadthektik. Häufig und gerne wird dann auch der ÖPNV zur Fortbewegung genutzt, um sich nicht mit dem eigenen Auto im Großstadtverkehr zurecht finden zu müssen. Nicht selten sind diese Gäste mehr oder weniger zufällig in Treptow-Köpenick gelandet und dann aber überrascht und erfreut über die schöne natur- und wasserreiche Umgebung. Geschäfts- und Gruppenreisende findet man hingegen vor allem in dem eigens dafür konzipierten Vier-Sterne-Hotel, das z.B. gezielt mit Reiseunternehmen zusammenarbeitet. Ebenfalls für Gruppenreisen attraktiv ist die Jugendherberge, allerdings in einem ganz anderen Preissegment: Hierher kommen Schulklassen und Jugendgruppen, sie wird aber ebenso von Sportgruppen (Ruderern, Drachenbootfahrern u.a.) und für Treffen sonstiger Vereine gebucht. Im Zusammenhang mit den Interessen der Kunden sind auch die Antworten zu den Standortvorteilen und -nachteilen des eigenen Betriebs und zur Bedeutung des touristischen Umfeldes zu diskutieren. Hinsichtlich der Standortvorteile und -nachteile ist die Meinung unter den Betrieben, die vorwiegend Individualtouristen ansprechen, recht einheitlich. Standortprobleme, die anderswo auftreten, wie zum Beispiel Nutzungskonflikte mit Nachbarn oder Parkplatzprobleme, gibt es hier nicht. Als Standortvorteil wird ausdrücklich die ruhige, wald- und wasserreiche Lage genannt, die aber nur der Gast genießen kann, der einmal hierher gefunden hat. Denn die abgeschiedene, versteckte Lage bedeutet umgekehrt auch einen Standortnachteil für den Betrieb, der neue Kunden gewinnen will. Wer einmal den Weg zu ihnen gefunden habe, sei zumeist ganz begeistert und komme oft auch noch weitere Male. Das Problem aber sei, Neukunden auf sich aufmerksam zu machen - so äußern sich die meisten der Befragten. Irreführende Schilder an der Autobahn ("Köpenick gesperrt") und fehlende Beschilderung im Bezirk selbst bzw. die hohen Kosten für Hinweisschilder werden hier als Hemmnisse genannt. Als ein weiterer Vorteil wird von einigen Betrieben die gute ÖPNV-Anbindung genannt, die den Gästen den Berlin-Besuch erleichtert. Als einziges nannte das größte der befragten Hotels die Nähe zum Flughafen Schönefeld als einen Standortvorteil. Von dessen Ausbau versprechen sie sich einen deutlichen Kundenzuwachs. Die Bedeutung des touristischen Umfeldes wird von den befragten Betrieben ebenfalls recht einheitlich eingeschätzt. In erster Linie bietet Berlin das touristische Umfeld, das die Gäste suchen. Einige interessieren sich darüber hinaus auch für die Attraktivitäten Treptow-Köpenicks. Meist gewinnt aber erst bei einem längeren Aufenthalt das touristische Angebot im näheren Umfeld an Bedeutung. "Durch manche Gäste wird es intensiv genutzt, durch manche Gäste wird es überhaupt nicht genutzt. Die sind bis Nachts in Berlin". Und "es ist für viele nicht eine Erholung, es ist eine Kulturreise", sind die Beobachtungen von zwei Befragten. Die vorrangige Ausrichtung der Gäste liegt auf Berlin, doch wenn tatsächlich Zeit und Interesse für Treptow-Köpenick vorhanden ist, dann fällt es den Hotel- und Pensionsbesitzern schwer, den Gästen geeignetes Informationsmaterial an die Hand zu geben. Mehrere Befragte beklagten, dass sie immer wieder in mühseliger Kleinarbeit Informationen zusammensuchen müssten, und von Veranstaltungen im Bezirk oft selbst nur durch Zufall erführen. Es fehle übersichtliches und aktuelles Informationsmaterial in Form von Broschüren, die den Gästen Treptow-Köpenick näher bringen und auf Veranstaltungen hinweisen. Hierzu die Meinungen einiger Befragter: "Ein touristisches Umfeld ist eigentlich nicht vorhanden, wenn wir jetzt mal von Treptow-Köpenick ausgehen. Oder ist vielleicht vorhanden, aber wir wissen es nicht, weil es ja die Broschüren oder das Informationsmaterial nicht gibt". "Köpenick müsste das in ein Heft nehmen, wie das Süd-Ost-Magazin, das meines Wissens eingestellt worden ist. Das war sehr schön und ich finde, so etwas müsste für Köpenick da sein. Alles, was es an Programmen gab, das war da drin. Und so etwas kann man den Gästen dann auch in die Hand geben. Ich sammle mir das alles in der Touristeninformation in Friedrichshagen zusammen, lege das in den Zimmern aus. Unser Wasserwerk, das Museum, das sind alles einzelne Prospekte. Damit die auch was zu tun kriegen, die Gäste. Genauso mit der Stern und Kreis Schifffahrt, das muss ich mir alles selber suchen, das ist alles anstrengend. Vor allen Dingen dieser Ratskeller mit dem Jazz, das sind ja Monate, ...dass man das für die Gäste erarbeitet, dass man sie hier behält. Dass sie hier ihr Geld ausgeben, denn sie wissen das nicht, was hier alles ist. Stadttheater Köpenick, wie das angelegt ist. Ich weiß auch, dass der Hauptmann Führungen macht, aber nur durch die Gäste. Oder Schlossvorstellungen. Es ist immer gut, wenn man Historie verkaufen kann". Ähnlich auch eine Befragte aus Rahnsdorf, die diesbezüglich sogar schlechte Erfahrungen mit dem Tourismusverein gemacht hat: "Und was in Köpenick passiert, erfahre ich auch höchstens mal aus der Zeitung, und das ist irgendwie schlecht. Touristisch ist das hier nicht genügend ausgeschildert, und es wird auch nicht genug Reklame gemacht für die Veranstaltungen, die es gibt. Das erfahren die Gäste nicht. Was ich auch immer wieder versucht habe - es gibt ja diesen Veranstaltungskalender von Köpenick. In 10 Jahren ist es mir nicht gelungen, dass ich diese Kalender für meine Gäste bekomme. Ich bin so oft beim Tourismusverein gewesen und habe gesagt, geben Sie mir doch mal wieder 3 oder 4 davon, dass ich die in den Häusern auslege. Ist doch in Ihrem Interesse, wenn ich den Gästen das gebe". Auch wenn das vorrangige Interesse der Touristen darin besteht, Berlin kennen zu lernen, so könnte doch offensichtlich ein größeres Interesse für Treptow-Köpenick geweckt werden, wenn hier z.B. die zahlreichen Einzelbroschüren in einer übersichtlich gestalteten Gesamtbroschüre für den Bezirk gebündelt würden. Die Frage nach dem touristischen Umfeld richtete sich aber auch darauf, zu erfahren, ob touristische Einrichtungen in gewünschter Form vorhanden sind. Ebenfalls eine Befragte aus Rahnsdorf nannte die Bedeutung von kleinen Geschäften v.a. für die Nutzer von Ferienwohnungen und -häusern, die sich selbst versorgen. Auch wird von einigen eine Unterausstattung mit Gaststätten und Restaurants gerade in peripheren Lagen genannt, die dann umso prekärer wirkt, wenn die wenigen vorhandenen Restaurants sogar in der Hauptsaison nur am Abend geöffnet haben (betrifft hier konkret Rahnsdorf). Ein großes Interesse an Einrichtungen, die ein touristisches Umfeld schaffen, ist bei den Marina-Betreibern zu erkennen. Als positive Beispiele für ein attraktives touristisches Umfeld werden das Wassersportzentrum am Müggelseedamm und die Altstadt von Werder genannt. Die von uns befragten Kleinstunternehmen unterscheiden sich von den befragten KMU dahingehend, dass die Mehrzahl von ihnen schon vor der Wende Zimmer vermietet hat. Sie berichten, dass die Nachfrage damals größer gewesen sei als heute, teilweise seien die Zimmer von April bis November belegt gewesen. Die Standortbedingungen werden überwiegend positiv beurteilt. Wenn Nachteile genannt wurden, dann sind es die mit der peripheren Lage verbundene schlechte Infrastruktur wie fehlende Restaurants und andere gastronomische Einrichtungen, Unterausstattung mit Geschäften und schlechte ÖPNV-Anbindung. Die Bedeutung des touristischen Umfeldes wird von den befragten Kleinstunternehmen als sehr bedeutsam eingeschätzt. Beratungs- und Informationsbedarf bei den Betrieben der Beherbergung Der Bedarf an Beratung an Beratung und Information unter den Befragten im Bereich Beherbergung ist enorm groß: Keine befragte Person steht dem ablehnend gegenüber, in einem Fall ist die Zustimmung sehr verhalten, was weniger mit dem Bedarf als vielmehr mit den schlechten Erfahrungen mit privaten Anbietern zu tun hat, die nur Geld sehen wollten, aber nicht den gewünschten Erfolg brachten. Es war bereits oben im Zusammenhang mit den Standortbedingungen als Problem die Gewinnung von Neukunden genannt worden. Diese Problematik spiegelt sich in dem überaus großen Beratungsbedarf bezüglich Marketing wider. Allein 7 Betriebe geben an, dass sie im Bereich der Vermarktung des eigenen Betriebs Verbesserungen wünschen. Eine zentrale Rolle spielt hier der Internetauftritt. Eine gelungene Internetpräsentation wird von mehreren Befragten als sehr erfolgversprechender Werbeträger bewertet. Und die Resonanz darauf ist erstaunlich hoch. Die Besitzerin eines kleinen Hotels (mit 10 Betten) berichtete, dass ihre Internetseite pro Woche fast 80mal besucht wird. Von einigen Befragten wurde in diesem Zusammenhang die schlechte bzw. nicht vorhandene "Verlinkung" mit der Internetseite des Tourismusvereins kritisiert. Hier wäre dringend zu überlegen, wie das verbessert werden könnte, denn umgekehrt würde über den jeweiligen Betrieb dann ja auch wieder Werbung für den Tourismusverein und für Treptow-Köpenick gemacht. B. Gastronomie Die Anzahl der gastronomischen Betriebe in Treptow-Köpenick ist ungleich größer als im Bereich der Beherbergung. Über 300 solcher Betriebe sind im Bezirk insgesamt ansässig. Im Rahmen des Projekts wurden die Inhaber bzw. Geschäftsführer von 17 Betrieben befragt. Zur Charakterisierung der befragten gastronomischen Betriebe Bei 5 Betrieben handelt es sich um Spezialitätenrestaurants, 3 weitere Betriebe sind ausgesprochene Ausflugslokale mit zum Teil sehr großem Platzangebot im Freien. Ebenfalls 3 Betriebe zeichnen sich durch ein besonderes räumliches Ambiente aus: Ein Restaurantschiff, ein Jugendstilcafé und eine Alt-Berliner Kneipe. Ein weiterer Betrieb lässt in seinem traditionsreichen Gasthaus viele Konzertveranstaltungen stattfinden. Die übrigen Betriebe sind nicht genauer zu spezifizieren. Es sind in der Mehrzahl junge Betriebe, deren Gründung erst nach der Wende, meist sogar erst nach 1995 erfolgte. Nur 6 Betriebe haben schon vor der Wende bestanden. Bei 4 von ihnen handelt es sich um traditionsreiche gastronomische Einrichtungen, die z.T. schon weit über 100 Jahre bestehen. Aber nur in 3 Fällen ist noch der gleiche Wirt wie vor der Wende im Geschäft. In Bezug auf die Beschäftigtenzahl können zwei Gruppen unterschieden werden: Zum einen die kleineren Betriebe (9 Fälle), in denen zumeist zwei Vollzeitkräfte beschäftigt sind (häufig ein Ehepaar), zuzüglich Teilzeit- oder Aushilfskräften nach Bedarf. In einem Fall wird ein Restaurant von 5 Teilzeitkräften betrieben. Zum anderen die etwas größeren Betriebe (6 Fälle), die zwischen 8 und 13 Personen beschäftigen, darunter auch Teilzeitkräfte. Nur zwei Betriebe weichen davon ab: Eine Kneipe, die von einer Person alleine geführt wird und ein Ausflugslokal, das insgesamt 25 Beschäftigte hat. Bei den kleineren Betrieben liegt der Umsatz, sofern angegeben, zwischen 50.000 und 100.000 € im Jahr, bei den größeren zwischen 350.000 und 500.000 € im Jahr. Sofern Zahlen zur Auslastung genannt wurden, liegen diese bei etwa 30%, eine Gaststätte nennt sogar nur 20%, in einem Spezialitätenrestaurant liegt die Auslastung dagegen inzwischen wieder bei 60-70%. In besonderem Maße saisonabhängig sind erwartungsgemäß die Ausflugslokale (3 Betriebe). Doch auch unter den unter den übrigen Betrieben sind nur 5, die saisonunabhängig arbeiten, wenngleich es auch hier ruhigere Monate gibt. Als Hauptsaison gelten dabei die Sommermonate und im Falle der Restaurants auch noch die Vorweihnachtszeit. Zwei Betriebe allerdings geben eine antizyklische Saisonabhängigkeit an: Bei ihnen findet das Hauptgeschäft in den Monaten September bis März statt. Geöffnet haben die befragten Gastronomiebetriebe jedoch unabhängig von der Saison nahezu durchgängig das ganze Jahr über. Zwei Betriebe versuchen der Saisonalität dadurch entgegenzuwirken, indem sie in den schwach besuchten Monaten spezielle Konzertveranstaltungen anbieten. Die Kundschaft der befragten Gastronomen kommt nur zu einem geringen Anteil aus dem näheren räumlichen Umfeld des Betriebs (Wohnumfeld, Stadtteil), sondern überwiegend aus dem ganzen Bezirk, aus den angrenzenden West- und Ost-Berliner Bezirken und aus dem Umland. Ein Restaurant wird darüber hinaus nach eigenen Angaben auch häufig von Geschäftsleuten besucht. Einige Befragte berichteten, dass sie noch immer deutliche Unterschiede im "Ausgehverhalten" der West- und Ost-Berliner feststellen, insofern als die Ost-Berliner seltener Essen gehen und dann weniger ausgeben. Der hohe Anteil an West-Berliner Kundschaft resultiert u.a. daraus, dass insbesondere die Spezialitätenrestaurants deshalb auch gezielt Werbung in den westlichen Bezirken machen. Zwar wird von nahezu allen befragten Gastronomen die Bedeutung des touristischen Umfeldes für die Kundschaft hervorgehoben, dennoch bleiben die Angaben meist allgemeiner Art, etwa in dem Sinne, dass eine diesbezügliche Verbesserung zur Belebung des eigenen Geschäfts führen würde. So eindeutige Zusammenhänge zwischen Umfeld und Kundschaft, wie sie von den Befragten aus dem Beherbergungsgewerbe aufgezeigt wurden, gibt es hier seltener. Eine Befragte berichtet, dass sie von den Gästen immer wieder auf die fehlende touristische Infrastruktur in Form von Hinweisschildern angesprochen wird: "Überwiegend vom Wendenschloss kommen viele Wanderer oder Radfahrer - da sind wir wieder beim gleichen Thema: Auf der ganzen Seite des Wassers ist natürlich keine Gaststätte, weil die alle zugemacht haben. Nun sind die Leute hungrig, durstig und wissen aus Urzeiten, da gab es doch mal was. Da gibt es aber nichts mehr. Wenn sie dann hier ankommen, dann sagen sie: Wir hätten gerne unterwegs ein Schild gehabt, damit wir wissen, aha, wir bekommen noch was. Wir fahren nicht auf gut Glück. Aber ich kann nicht einfach ein Schild aufstellen, das geht nicht, das ist entgegen der Vorschrift". Im Kontext mit den Ergebnissen zur Kundschaft der Betriebe kann deshalb vermutet werden, dass - zumindest teilweise - nicht die Gastronomie von der touristischen Attraktivität des Bezirks profitiert, sondern umgekehrt, dass die Gastronomiebetriebe ihrerseits die Funktion eines touristischen Aushängeschilds gerade auch in den westlichen Bezirken für Treptow-Köpenick einnehmen. Die Standortbedingungen werden von zwei Dritteln der Betriebe als tendenziell positiv eingeschätzt. In 2 Fällen werden gelegentliche Probleme mit Anwohnern genannt, die sich bei Konzerten in ihrer Ruhe gestört fühlen. Für eine andere Befragte bedeutet der Standortvorteil der Abgeschiedenheit durch die fehlende Beschilderung auch einen Standortnachteil. Ein Drittel der Betriebe hingegen beurteilt die Standortbedingungen aber auch als tendenziell negativ bis hin zu problematisch. Wirtschaftliche Entwicklung der gastronomischen Betriebe Die wirtschaftliche Situation der untersuchten Gastronomiebetriebe ist sehr vielschichtig und wird von den Befragten auch unterschiedlich beurteilt. Die insgesamt schlechte wirtschaftliche Lage schlägt sich auch in den Umsätzen der Betriebe nieder, dennoch wirken diese allgemeinen Erschwernisse im Einzelfall unterschiedlich tiefgreifend. Es können grob drei Gruppen unterschieden werden, und zwar hinsichtlich der Umsetzbarkeit der unternehmerischen Vorstellungen oder Konzeptionen, die mit der Betriebsführung verbunden sind. Zur ersten Gruppe gehören danach die Betriebe, deren unternehmerisches Konzept "aufgegangen ist", die ihre Vorstellungen realisieren können, auch wenn dies auf unterschiedlichen Niveaus angesiedelt ist. Die zweite Gruppe umfasst jene, die ihre Konzeptionen revidieren mussten. Und zur dritten Gruppe zählen die Betriebe, die gar kein unternehmerisches Konzept haben. Folgende Beispiele sollen das veranschaulichen. Zur ersten Gruppe zählen die Mehrzahl der Spezialitätenrestaurants. Trotz ihres hohen preislichen Niveaus schätzen sie ihre wirtschaftliche Situation als relativ gut ein. Auch von den Ausflugslokalen werden positive Angaben gemacht. Das könnte jetzt darauf zurückgeführt werden, dass sie von der mangelnden Konkurrenz profitieren, da eine Vielzahl an traditionellen Ausflugslokalen nach der Wende geschlossen hat. Doch wird dies von den Befragten eher beklagt, denn eine größere Zahl an gastronomischen Einrichtungen würde die Gegend auch für eine größere Zahl an Ausflüglern attraktiver machen. Die Geschäftsführer der zweiten Gruppe geben an, dass ihr Betrieb sich nicht so entwickelt, wie es einmal geplant war, und sie nun überlegen, wie sie umsteuern können. In einem Fall hat sich die Standortwahl im Nachhinein als ungünstig herausgestellt. Ein anderer Betrieb hat schon 1997/98 einen deutlichen Umsatzrückgang festgestellt, und sieht sich seither nur mehr zu Kostenreduzierungen veranlasst. Der Ausbildungsbetrieb, immerhin wurden hier 7 bis 8 Auszubildende beschäftigt, soll komplett eingestellt werden. Beim dritten Betrieb handelt es sich ebenfalls um ein Spezialitätenrestaurant, das allerdings nur einen sehr kleinen Kundenkreis anspricht. Hier soll die Geschäftsidee erweitert werden, und zwar dahingehend, dass demnächst nicht nur die spezielle Küche, sondern auch landestypische Weine und Kunsthandwerk zum Verkauf angeboten werden. In die dritte Gruppe fallen Betriebe, die zur DDR-Zeit schon bestanden haben und seither keine nennenswerten Veränderungen vorgenommen haben. Bei zwei Gaststätten begannen die betrieblichen Schwierigkeiten schon nach der Wende. Früher kamen die Gäste von alleine, heute sind die Ansprüche höher. "Im Osten brauchte man nichts zu verkaufen. Da wurde man gefragt, ob man etwas hatte. Heute muss ich etwas verkaufen, weil ich davon zu viel habe. [Diese Prägung] ist ein Mangel, den wahrscheinlich alle haben, die hier im Osten groß geworden sind." Die Befragten konstatieren die gewachsene Konkurrenz und ein verändertes Freizeitverhalten bei den Kunden, doch eigene betriebliche Veränderungen haben sie nicht geplant. Ein weiterer Betrieb hat aufgrund seines hohen Bekanntheitsgrades zwar die Wende gut überstanden, doch sind in jüngerer Zeit erhebliche innerbetriebliche Schwierigkeiten aufgetreten, die ihn in seiner Existenz akut gefährden. Beratungs- und Informationsbedarf bei den gastronomischen Betrieben Der Bedarf an Beratung und Information ist unter den befragten Betrieben äußerst gering. Nur 2 von 17 Betrieben gaben einen diesbezüglichen Bedarf an. Die übrigen haben entsprechende Berater, wenden sich an die IHK oder verlassen sich auf ihre eigenen Kenntnisse. C. Tourismusspezialisierte Betriebe Zur Charakterisierung der tourismusspezialisierten Betriebe Drei der befragten Betriebe in dieser Kategorie waren schon vor der Wende an der gleichen Stelle ansässig, zwei davon zählen sogar zu den traditionsreichen im Bezirk, gehören aber nicht zu den KMU-Betrieben. Dennoch wurden auch sie befragt, da sie im Kontext des Wassertourismus und Wassersports eine wichtige Rolle einnehmen. Das Strandbad besteht schon seit ca. 100 Jahren. Es gehört nun zu den Berliner Bäderbetrieben, wird aber möglicherweise, wie andere Berliner Bäder auch, privatisiert. Ein Geschäft für Bootsausrüstungen hatte schon zur DDR-Zeit einen weit über Berlins Grenzen hinaus reichenden Namen. Es ist jetzt ein Filialbetrieb eines Hamburger Unternehmens. Aus dem Bereich Bootsbau, -reparatur, -service und -handel ist ein befragter Betrieb schon vor der Wende selbständig gewesen, 2 andere Betriebe sind erst Anfang der 1990er Jahre entstanden. Die übrigen 3 Betriebe sind gekennzeichnet durch ein vielfältiges Angebot im Bereich Bootsverleih, Charter, Bootsführerschein, Bootshandel und -service, Floating-House, Marina (letztere gehört laut Definition zu Kategorie 1) u.a.m. Sie sind ebenfalls Neugründungen aus der Zeit nach der Wende. Die Zahl der Beschäftigten ist gering. Meist wurden nur die Geschäftsführer selbst und teilweise der Ehepartner als Beschäftigte angegeben. Nur in zwei Fällen sind die Betriebe so groß, dass sie auch Angestellte haben: Das Geschäft für Bootsausrüstung hat insgesamt 7 Angestellte (darunter auch in Teilzeit und in Ausbildung), ein weiterer Betrieb hat 12 Angestellte. Daneben sind im Strandbad während der Saison weitere 10-12 Personen in Vollzeit beschäftigt. Die Saisonabhängigkeit der Betriebe ist sehr hoch. Ein Befragter formuliert es treffend: "Normalerweise geht der Schalter im März von 0 auf 100". Saisonende ist im Oktober. Nur bei 2 Betrieben ist die Saisonabhängigkeit nicht so ausgeprägt. Die Kundschaft der Betriebe ist weit gestreut: Sie kommt zwar vorrangig aus Berlin und dem Berliner Umland, es gibt aber auch Stammkunden aus ganz Deutschland (West und Ost), teilweise sogar aus dem Ausland. Im Falle des Strandbades kommen die Besucher inzwischen auch aus Westberliner Bezirken. Die Standortbedingungen werden von den meisten Befragten als zufriedenstellend oder gut bezeichnet, allenfalls wird die Parkplatzsituation kritisiert. Dem touristischen Umfeld wird von den meisten Befragten keine besondere Bedeutung beigemessen, da es sich oft um solche Betriebe handelt, die von der Kundschaft gezielt aufgesucht werden. Wirtschaftliche Entwicklung der tourismusspezialisierten Betriebe Insgesamt wird die wirtschaftliche Entwicklung in den vergangenen Jahren von den befragten Betrieben als positiv eingeschätzt. Die einzige Ausnahme ist das Strandbad, auf das später noch gesondert eingegangen wird. Ein Bootsbauer erzählte über die Entwicklung seiner Branche seit der Wende. Zuerst habe es infolge eines großen Nachholbedarfs einen Boom gegeben im Bootsbedarf. Es gäbe in der Innung einige Betriebe, die auch Handel betreiben, doch sei der stark zurückgegangen. Der Bedarf sei inzwischen gedeckt. Nun verlagere sich das Geschäft auf Service und Wartung, der Beruf des Bootsbauers sterbe in Deutschland aus. Produktion finde so gut wie gar nicht mehr statt. Preislich könne man nicht mit den Angeboten aus dem Ausland konkurrieren. Auch aus Altersgründen wird es einen Rückgang bei den Bootsbauern geben, für Jüngere ist dieser Beruf nicht mehr attraktiv. Waren es nach der Wende im Innungsbezirk Berlin-Brandenburg noch 30 Bootsbaubetriebe, so wird sich das aufgrund der Altersstruktur der Betriebsinhaber in den nächsten 5 Jahren auf 15 Betriebe reduziert haben. Einige Befragte berichteten von Geschäftsaktivitäten, die sogar auf eine optimistische Einschätzung der zukünftigen Entwicklung dieser Branche schließen lassen könnten. Und tatsächlich äußert auch nur ein einziger Betrieb explizit negative Zukunftserwartungen. Doch es scheint, dass bei den anderen erst einmal versucht wird, die wirtschaftliche Situation des Betriebs zu stabilisieren und weitere Veränderungen vorläufig nicht vorzunehmen. Am Beispiel von zwei Betrieben soll kurz auf diese Geschäftsaktivitäten eingegangen werden. 1. Ein Geschäft für Bootsausrüstungen hat Konkurrenz aus dem eigenen Unternehmen bekommen, das kürzlich eine große Filiale in Spandau eröffnet hat. Wie sich das längerfristig auf den Standort Köpenick auswirken wird, ist noch nicht abzusehen. Bislang profitierte das Geschäft auch von den Kunden aus den West-Berliner Bezirken. 2. Ein Unternehmen, das ursprünglich dem Bereich der Immobilienentwicklung entstammt, hat als jüngstes Projekt das Modell der Floating-Houses entwickelt, das sich aber jetzt erst einmal auf dem Markt etablieren muss, ehe an weitere betriebliche Veränderungen gedacht werden kann. Abschließend soll noch kurz die problematische Situation des befragten Strandbades geschildert werden. Seit der Wende sind hier die Besucherzahlen drastisch zurück gegangen, u.a. aufgrund eines veränderten Freizeitverhaltens und der enorm gestiegenen Eintrittspreise. Hinzu kommen Probleme mit der baulichen Anlage. Dringend erforderliche Sanierungsarbeiten könnten nur unter hohen Auflagen durchgeführt werden, da das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Dazu fehlt das Geld, aber auch die Planungssicherheit. Bislang konnten nur unbedingt notwendige Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt werden. Die zahlreichen Ladenlokale, die einst vielfältig genutzt wurden, stehen leer, die Schaufenster sind zum Teil mit Brettern zugenagelt. Die zukünftige Entwicklung des Strandbades ist offen, möglicherweise wird es privatisiert. Beratungs- und Informationsbedarf bei den tourismusspezialisierten Betriebe Keiner der befragten Betriebe der Kategorie 3 hat Beratungs- und Informationsbedarf. |
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