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3.3.2 Allgemeine Einschätzungen zum Tourismus in Treptow-Köpenick

...bezüglich vergangener und gegenwärtiger Entwicklungen

Die Befragten waren gebeten worden, ihre allgemeine Einschätzung zur vergangenen und gegenwärtigen Entwicklung des Tourismus zu schildern.

In der Kategorie Beherbergung nannten nur drei Befragte positive Veränderungen: Diese bezogen sich auf die Ansiedlung neuer Hotels, auf Verbesserungen in der Infrastruktur (in geringem Maße) und auf die Aktivitäten des Tourismusvereins, die allerdings noch nicht ausreichend seien, um die Bedeutung des Tourismus im Bezirks entscheidend zu stärken. In den Antworten überwiegen dagegen deutlich die negativen Eindrücke: 7 Befragte beurteilen die Entwicklung Treptow-Köpenicks negativ. Ein Befragter schätzt das Interesse seiner Gäste an Treptow-Köpenick von vorne herein als sehr gering ein. Und das touristische Angebot ist offenbar nicht dazu angetan, Interesse zu wecken, wie andere Befragte hervorheben. Es fehlt Informationsmaterial über den Bezirk (vgl. Auswertung/touristisches Umfeld), und durch den Wegfall zahlreicher touristischer Attraktionen, wie z.B. Schloss, Müggelturm, Spreepark usw. sei die Lage nun besonders prekär. Da fällt es schwer, den Touristen Empfehlungen für Treptow-Köpenick zu geben. Dazu die Erfahrungen von zwei Befragten:

"So, wie es im Moment aussieht, ist es für uns nicht befriedigend, und für die Touristen auch nicht. Also ich kann nicht sagen, geht auf den Müggelturm, sondern ich sage, fahren Sie in die Stadt und machen Sie dort eine Cityfahrt oder eine Brückenfahrt".

"Wenn ich die Leute nach Köpenick schicke - die haben das natürlich alles gelesen und haben große Erwartungen - und dann sind sie einfach enttäuscht, weil es dort nichts zu sehen gibt. Auch die Hinweise sind schlecht. Sie wissen nicht, was sie sich da ansehen sollen. Die Leute sind alle enttäuscht von Köpenick".

Die Defizite in der touristischen Infrastruktur werden besonders in peripheren Gebieten des Bezirks deutlich sichtbar, und das, obwohl sie von Ausflüglern stark frequentiert werden, wie folgende Aussagen, die sich auf Wendenschloss und auf Rahnsdorf beziehen, veranschaulichen. Im Bereich der Fähranlegestelle in Wendenschloss beobachtet ein Befragter

"..was hier manchmal auch wochentags los ist. Die Leute rütteln enttäuscht an unserem Eisentor, weil sie denken, hier ist eine Uferterrasse, hier gibt es auch Kaffee oder Ähnliches. Es gibt in der Nähe nur ein einziges Café, aber das reicht bei weitem nicht aus, um diesen Ansturm an Besuchern, der hier am Wochenende auftaucht, nur annähernd bewältigen zu können. Es gibt bis zum Müggelturm gar nichts. (...) Es geht weiter mit Toilettenanlagen vor der Tür. Die Leute, die hier mit Wandervereinen und Radfahrervereinen am Wochenende in Scharen her kommen, stehen an der Fähre. Es gibt nicht einmal eine öffentliche Toilettenanlage, d.h. alle Zäune in der Umgebung werden genutzt als wilde Toilettenanlage. (...) Die grosse Karte, die dort unten steht, die habe ich privat hingestellt und finanziert, da stehen die Leute in Scharen herum. Es gibt keinerlei Kartenmaterial, um die Leute mal ein bisschen lotsen zu können. Also, das Revier hier hinten wird wahnsinnig gut angenommen, zum Wandern, zum Radfahren. Hier kommen Scharen von Touristen an. (...) Wanderwege müssten ausgeschildert sein, Radwege müssten ausgeschildert sein. Wie man überhaupt hinkommt zum Müggelturm. Die stehen immer hier draußen vor der Karte und rätseln, wie sie eigentlich zum Müggelturm kommen. Und das sind nicht wenig Leute. Das können Sie mal am Wochenende beobachten bei so einem [guten] Wetter. Die Fähre ist immer voll, alle ¼ Stunde immer krachend voll".

"Alle wichtigen Lokale, die früher hier am Wasser waren, die gibt es nicht mehr. Der Spazierweg zur Kirche - die wollen ja alle ins Fischerdorf, weil das ja angezeigt ist - da gibt es den Weg nicht mehr, der hier quer durch ging. Hier kommen immer die Fahrradfahrer an im Sommer, auch aus Westberlin, und die fragen mich, wie sie da hinkommen. Es gibt wenig Wegweiser. Das ist alles nicht doll gemacht. Und das schöne Lokal, direkt im Fischerdorf am Wasser, steht seit Jahren leer, findet keinen Pächter. Das wäre ein Ausflugslokal, wo man auch mit den Schiffen halten kann. Das war früher ein reger Betrieb, ist jetzt alles tot. Es ist eher schlechter geworden."

Die Einschätzung der befragten Gastronomen zur Entwicklung des Tourismus in Treptow Köpenick fällt ebenso fast einhellig negativ aus. Ein Gastronom kritisiert, dass sich der Tourismus im Bezirk fast ausschließlich auf die Altstadt konzentriere. Dieser Sachverhalt spiegelt sich in unterschiedlicher Weise auch in den Antworten der übrigen Befragten wider. Sofern überhaupt positive Einschätzungen genannt wurden, stammen diese von Gastronomen aus der Altstadt oder deren näherer Umgebung. Sie profitieren von der Ansiedlung größerer Hotels und von dem höheren Bekanntheitsgrad, den die Altstadt auch in den Westberliner Bezirken hat. Anders sieht dies in den peripheren Gebieten des Bezirks aus. Eine Befragte beklagt, dass der Ortsteil Müggelheim in Westberlin völlig unbekannt sei, und dass von seiten des Bezirks auch keinerlei Werbung dafür gemacht werde.

Die genannten positiven Faktoren können im Falle der Gastronomen in der Altstadt die negativen Entwicklungen aber nur teilweise kompensieren. Denn auch in der Altstadt wird deutlich, was als Hindernis für die touristische Entwicklung im Bezirk insgesamt angesehen wird: Die Problemgebiete sind allgemein bekannt, Müggelturm, Regattastrecke/Riviera, Spreepark, Schlossrestaurierung, die Parkplatzsituation in der Altstadt u.a.m., doch deren Bearbeitung lässt schon seit Jahren auf sich warten, ohne dass sichtbare Fortschritte zu verzeichnen wären. Die Folgen sind, dass sich der Eindruck des Verfalls über die eigentlichen Problemgebiete hinaus ausdehnt und auf die Besucher abschreckend wirkt. Bei vielen Befragten herrscht der Eindruck vor, dass von seiten des Bezirks diesen Entwicklungen nicht Einhalt geboten wird, sondern notwendige Entscheidungen immer wieder hinausgezögert werden. Die folgenden Ausführungen eines Befragten stehen stellvertretend für viele andere:

"Ich kenne nicht den ganzen Bezirk, nur einen eingeschränkten Teil davon, kann aber sagen, dass es sich in den letzten Jahren eigentlich verschlechtert hat. Viele Baustellen haben überhand genommen, die Länge der Baustellen, das Gegeneinanderarbeiten der verschiedenen Ämter, dann mit dieser Parkraumordnung und mit dem Schließen von Straßen. Da ist z.B. dieses Strandbad, das z.Z. zwar keinen Pächter hat, doch die Jahre zuvor hat es einen Pächter gehabt. Und es wurde nicht ermöglicht, dass dort Parkplätze geschaffen wurden, obwohl es Möglichkeiten gibt und es gab immer Möglichkeiten, so etwas zu schaffen. Aber es ist in den letzten Jahren gar nichts passiert, es hat sich eigentlich überhaupt nichts verbessert, es ist schlechter geworden. (...) Wie lange man am Schloss baut und wie lange an dem Schlossplatz, den man gerade fertig hat und wieder aufreißt. Das sind nicht solche Sachen, die dazu beitragen, den Tourismus zu fördern. Denn die ganze Situation in den Straßen ist doch so, dass jeder Busfahrer ungern hier her fährt. Und da werden auch keine Möglichkeiten geschaffen und es werden auch nur ganz wenige Ausnahmen erteilt, obwohl man von diesem Problem weiss. Aber trotzdem wird da nichts getan. Ich weiß nicht, warum man da so wenig vorausschauend handelt.
(...) Der Wald hier, ich meine, es ist ja nicht nur dieses Stück Wald, Köpenick verfügt ja über viel Wald - ich kann es jetzt nur aus meiner Erfahrung sagen: Es ist noch nicht möglich gewesen, hier Fahrradwege auszubauen, es ist alles so einfach. Ich habe auch dem Förster vorgeschlagen, wenn ich z.B. Waldgebiete schützen will, wo es seltene Vögel oder Tierarten gibt, dann kann man das manipulieren, in dem Moment, wo ich Wanderrouten anlege, Wanderrouten, so wie ich sie will und nicht wie der Bürger sie will. (...) Dieses Gesellschaftshaus, dieses ewige Thema über Denkmalschutz. Das Ding fällt ja sowieso zusammen, dann ist es weg. Da haben wir wieder 10 Jahre gewartet. (...) Das ist einfach schon zu lange, dass so was nicht gemacht wird. Man könnte hier so viel machen, aber es tut sich überhaupt nichts".

Die Aussagen der Befragten aus den tourismusspezialisierten Betrieben weichen kaum von denen der anderen ab. Auch von ihnen wird die Entwicklung als zu schleppend eingeschätzt, nichts komme so recht voran. Die schönen Ausflugsziele, die es gibt, seien verwahrlost und nicht nutzbar, auch das Erscheinungsbild der Altstadt trage nicht dazu bei, dass Köpenick für die Touristen attraktiver werde. Auch hier wurde die Erfahrung gemacht, dass Eigeninitiative durch die Schwerfälligkeit der Verwaltung blockiert wurde.

...bezüglich zukünftiger Entwicklungen

Es war gefragt worden, wie die touristische Entwicklung Treptow-Köpenicks in der Zukunft eingeschätzt wird und worin die touristischen Stärken liegen, die zukünftig besser gefördert werden sollten.

Die Antworten fallen sehr einheitlich aus: Der Bezirk verfüge über vielfältige Potenziale. Die Entwicklung werde aber nur dann eine positive Wendung nehmen, wenn diese Potenziale in Zukunft besser genutzt würden. Ebenso einhellig ist das Unverständnis darüber, dass aus den vorhandenen Potenzialen bislang nicht mehr gemacht worden ist. Es herrscht die Vorstellung, dass die Bedeutung des Tourismus als Wirtschaftsfaktor für den Bezirk von den Entscheidungsträgern noch nicht erkannt wurde.

"Eine Großstadt, die soviel Wasser und Grün zu bieten hat, die gibt es nicht allzu oft. Und Köpenick selbst verschenkt ein riesiges Potenzial."

"Und man muss eben den Tourismus beleben, weil er ein Riesenwirtschaftsfaktor für Treptow-Köpenick sein kann - und das haben die Leute noch nicht erkannt, die hier das Sagen haben."

Vorrangig werden dabei meist allgemein die bessere Förderung des Wassersports bzw. die bessere Nutzung der Wasserlagen genannt. Die zahlreichen von den Befragten genannten Verbesserungsvorschläge sind unter Punkt 3.4. zusammen gefasst.

3.3.3 Bereitschaft zur Kooperation und zur Interessenvertretung


A. Bereitschaft zur Kooperation

Der Fragenkomplex zu den Kooperationsformen zielte darauf ab, zu ermitteln, ob bereits jetzt Kooperationsformen mit anderen Betrieben bestehen, was diese Zusammenarbeit im Einzelnen umfasst und welche Erfahrungen damit gemacht wurden. Ferner war von Interesse zu erfahren, ob die Betriebe, die nicht kooperieren, diesem ablehnend gegenüber stehen oder ob sie sich auch Vorteile davon versprechen können.

Beherbergung

Auffallend am Ergebnis ist, dass Kooperationen in den meisten Fällen vorhanden sind. 10 der befragten 13 Betriebe kooperieren mit anderen, wobei sich Kooperationsform und -umfang unterscheiden. 3 Betriebe kooperieren nicht, 2 davon sind aber Kooperationen gegenüber positiv eingestellt, einer hält sie sogar ausdrücklich für wünschenswert. Nur eine einzige Befragte ist nicht daran interessiert.

In den meisten Fällen bestehen die Kooperationen in der Weitervermittlung von Gästen bei eigener Überbuchung. Die Kooperationspartner werden meist genau ausgewählt hinsichtlich eines adäquaten Niveaus und der Wettbewerbsfairness. Zwei Befragte (in ganz unterschiedlichen Preissegmenten) geben an, bereits schlechte Erfahrungen mit Preisdumping gemacht zu haben.

"Die Leute sind dann so, die drücken die Preise runter und die Gäste kommen dann nicht mehr zu uns".

Wohl aufgrund dessen ist diese Form der Kooperation aber auch schon zurück gegangen, was ein Befragter sehr bedauert:

"Ich würde es gut finden, wenn es so richtig gut funktionieren würde, aber jeder macht eigentlich sein eigenes Ding. Die Profile der Hotels hier sind eigentlich auch völlig verschieden. Keiner gibt so gerne Gäste ab, weil er denkt, die kommen nicht wieder, wenn sie erst einmal woanders waren. Früher hatten wir zwei Häuser, die nun auch pleite sind, mit denen wir gut zusammengearbeitet haben. Das ist eigentlich eine schöne Sache. Wenn der eine voll ist und das weiter gibt, dann gleicht sich das immer schön aus - bleibt eben in der Familie sozusagen. Aber das ist weniger geworden."

Die Hälfte der kooperierenden Beherbergungsbetriebe nennt darüber hinaus noch weitergehende Formen der Zusammenarbeit, die sich auf andere Betriebe außerhalb der eigenen Branche bezieht, und zwar in Form von Dienstleistungsketten: Kooperationen mit Reiseunternehmen, mit größeren Firmen, die häufiger Geschäftskunden haben, mit Vereinen u.a.m. Auch die beiden befragten Yachthafenbetreiber praktizieren Kooperationen in Form von Dienstleistungsketten (Bootswartung und -service, Bootsführerschein u.a.m.).

Es hätte vermutet werden können, dass aus dem marktwirtschaftlichen Konkurrenzdenken heraus für viele Betriebe die Vorstellung an Kooperationen unrealistisch erscheint. Doch die Argumentationslogik der folgenden Aussage stellt nur die Meinung eines einzigen Befragten dar:

"Das kann nur verbessert werden, indem der Bedarf nach oben geht. Ist ja klar, wenn der Kuchen immer kleiner wird, wird die Zusammenarbeit immer schlechter, das ist ganz normal".

Demgegenüber besteht bei vielen Befragten der Wunsch, die Kooperation unter den Betrieben zu verbessern und auszubauen, was einerseits auf positiven Erfahrungen gründet und andererseits der Erkenntnis geschuldet ist, dass es nicht so weitergehen kann wie bisher.

"Die Zeiten sind vorbei. Wir müssen alle eng zusammenrücken und auch miteinander arbeiten und nicht gegeneinander. In unserem Raum gibt es ja auch keinen Konkurrenten, es gibt nur Mitbewerber. Und wenn der Gast entscheidet, er geht zu dem, dann ist das seine Sache. Und dann kann ich nur noch daran arbeiten, weshalb ist der zum Mitbewerber gegangen? Und Konkurrenten sind das eh nicht, die fahren ganz andere Niveaus".

Die Meinung, dass letztlich der Kunde entscheidet und ein breit gefächertes Angebot unterschiedliche Wünsche und Ansprüche bedient und somit allen zu Gute kommt, wird von mehreren Befragten geäußert. In der Verbesserung des Marketings und in der Verbesserung des Angebots liegen denn auch die konkret genannten Verbesserungsvorschläge bezüglich der Kooperationsformen (näheres siehe 3.4.)

Gastronomie

Auch im Bereich der Gastronomie sind zahlreiche Kooperationsformen v.a. mit anderen Branchen vorhanden. Von den 17 befragten Gastronomiebetrieben si
  1. 8 Betriebe z.T. in sehr umfangreiche Kooperationsformen eingebunden
  2. 4 Betriebe nicht in Kooperationen tätig, würden dies aber begrüßen und haben teilweise auch sehr konkrete Vorstellungen dazu
  3. . 5 Betriebe selten oder nur in geringem Umfang in Kooperation mit anderen Betrieben tätig und lehnen eine Ausweitung oder andere Kooperationsformen ab.
Zu den Kooperationsformen der ersten Gruppe zählen z.B. Restaurants, deren Gäste auf Empfehlung von oder durch Werbung in Hotels kommen. Diese einfache Form der Kooperation wird in 2 Fällen praktiziert. Für zwei weitere Gastronomiebetriebe besteht die Kooperation in einem Catering-Service im Charter-Bereich bzw. in der Verpflegung von Hochleistungssportlern im Trainingslager. Bei einem weiteren Betrieb, ebenfalls ein Restaurant, sind verschiedene Kooperationsformen mit benachbarten Betrieben, die in einem "Freizeithof" angesiedelt sind, vorhanden (gemeinsame Werbung und Veranstaltungen). Darüber hinaus ist der Inhaber an mehreren Veranstaltungen in der Altstadt beteiligt. Er hat gute Erfahrungen mit Kooperationen gemacht und würde deren Ausweitung sehr begrüßen.

Zwei weitere Betriebe praktizieren sehr umfangreiche Formen der Kooperation, die im folgenden kurz skizziert werden sollen.

Betrieb A bietet seinen Gästen u.a. die komplette Organisation von Feiern oder Events an und kooperiert in diesem Zusammenhang mit anderen branchenfremden Betrieben, z.B. Beherbergung, Schiffscharter etc. Des weiteren versucht er, über den Zusammenschluss mehrerer gastronomischer Betriebe Synergieeffekte zu erzielen. Konkret kooperiert er u.a. mit Betrieb B in Form gemeinsamer Werbung, gemeinsamen Einkaufs usw. Diese Kooperation soll weitergeführt werden und in eine konzeptionelle Zusammenarbeit münden, eine Art "Systemgastronomie". Gemeinsam streben sie einen brancheninternen Zusammenschluss innerhalb des Stadtteils (Friedrichshagen) in Form eines "Gastronomen-Stammtisches" an, um die gastronomische Tradition des Stadtteils wiederzubeleben. Anders als bei den relativ häufigen Dienstleistungsketten, die branchenfremde Betriebe zusammenführen, wird hier eine Kooperation angestrebt, die explizit innerhalb der gleichen Branche bleiben will.

Tourismusspezialisierte Betriebe

Alle von uns befragten Betriebe der Kategorie 3 arbeiten in verschiedenen Kooperationsformen mit anderen Betrieben zusammen. Der Betriebsleiter des Strandbades kooperiert mit einer benachbarten Segel- und Surfschule. Der Leiter eines Geschäfts für Bootsausrüstungen ist aufgrund seiner biographisch sehr engen Verbundenheit zum Wassersport in Köpenick eine "zentrale Person", die von vielen um Rat und Hilfe gefragt wird und ihrerseits Arbeitskräfte und Dienstleistungen vermittelt:

"Es gibt keinen, den ich nicht kenne, und es gibt keinen, der mich nicht kennt. Und wenn die Leute kommen und etwas wollen, dann wissen wir natürlich genau, wo wir die hinschicken".

Im Bereich der Sparte "Bootsbau, -wartung, -service" besteht die Zusammenarbeit u.a. konkret darin, dass zwischen den Betrieben gewechselt wird und auf diese Weise ein verbesserter Kundendienst erreicht werden kann. Damit wurden bislang gute Erfahrungen gemacht (2 Nennungen). Eine weitergehende Kooperation, die darin bestehen würde, sich auch betrieblich zusammen zu schließen, wird als nicht praktikabel eingeschätzt. Ein Bootsbauer berichtete von seinen beruflichen Erfahrungen in einer Ende der 1950er Jahre gegründeten Produktionsgenossenschaft, in der das gesamte Bootshandwerk zusammengefasst war, und die später verstaatlicht wurde. Eine Reanimierung einer solchen Genossenschaft hält er aber im konkreten Fall aufgrund des hohen Altersdurchschnitts der Betriebsinhaber und auch aufgrund der veränderten wirtschaftlichen Lage im Bereich Bootsbau, Bootshandel für nicht realisierbar.

Die übrigen 3 Betriebe dieser Kategorie haben eine sehr vielfältige Angebotspalette "rund um den Wassersport", bei denen sich schon aufgrund der unterschiedlichen Dienstleistungen die Notwendigkeit von Vernetzungen und Kooperationen mit anderen Betrieben ergibt, die allerdings z.T. auch über den Bezirk hinausreichen.

Resümee Kooperation

Die meisten der von uns befragten Betriebe arbeiten mit anderen Betrieben kooperativ zusammen. Auf die KMU-Betriebe übertragen heißt das:

  1. 65% der Betriebe kooperieren mit anderen Betrieben
  2. 17% kooperieren nicht, würden es aber begrüßen und sich Vorteile davon versprechen
  3. 17% sind an Kooperationen nicht interessiert.
Ein ebenfalls geringes Interesse äußerten die Privatvermieter.

Die praktizierten Kooperationsformen sind zahlreich und vielfältig und es werden offensichtlich auch gute Erfahrungen damit gemacht. Das widerspricht der teilweise geäußerten Meinung, dass unter den tourismuswirtschaftlichen Betrieben ein extremes Konkurrenzdenken herrsche, das jegliche Kooperationen unmöglich mache. Wie aber steht es angesichts der positiven Einstellungen zu Kooperationsformen um die Bereitschaft der befragten Betriebe zur Interessenvertretung?

B. Bereitschaft zur Interessenvertretung

Die Fragen zur Interessenvertretung der tourismuswirtschaftlichen Betriebe in Treptow-Köpenick gehen noch einen Schritt weiter als die zu den Kooperationsformen. Es wird gefragt, inwieweit die Befragten sich vorstellen können, dass eine solche Interessenvertretung sinnvoll sei und ob sie bereit wären, selbst darin mitzuwirken. Der Begriff "Interessenvertretung" war sehr bewusst gegen den ursprünglich verwendeten des "Tourismusbeirats" ausgetauscht worden. Bereits im Vorfeld der Befragung hatte sich im Pretest gezeigt, dass der "Tourismusbeirat" erhebliche negative Assoziationen bei den Befragten hervorruft. Für die Hauptbefragung wurde deshalb der etwas abgeschwächte Begriff der "Interessenvertretung" gewählt, um nicht von vorne herein mögliche positive Ideen zu blockieren. Der "Beirat" hat offensichtlich für die Befragten einen zu sehr formal-bürokratischen Beigeschmack, durch den sie ihre unternehmerischen Erfordernisse hinsichtlich Flexibilität und Kreativität nicht begünstigt, sondern behindert sehen.

Doch auch der abgeschwächte Begriff "Interessenvertretung" kann das eigentliche Problem nicht lösen: Es herrscht eine sehr ausgeprägte Abneigung gegenüber der Gründung immer weiterer Initiativen und sonstiger Vertretungen, die letztlich doch nichts bewirken. Die folgenden Zitate belegen dies anschaulich. Die Länge der zitierten Passagen, die meist noch gekürzt sind, und die Heftigkeit und Deutlichkeit der Argumentation lassen aber auch erkennen, wie sehr dieses Thema offensichtlich einen "wunden Punkt" bei den Befragten berührt.

(1) "Also an der Stelle möchte ich sagen: Man sollte aufpassen, dass man nicht zuviel macht. Denn wir haben im Prinzip einmal das Bezirksamt, die für den Tourismus zuständig sind, dann gibt es den Tourismusverein, der für den Tourismus zuständig ist, dann wurde dieser Altstadtmanager ins Leben gerufen und jetzt noch einen Beirat? Ich bin am Anfang auch mal zu mehreren Versammlungen gegangen, und alle wollten das gleiche. Und ich haben nichts davon, wenn sich hier nun ein Gremium bildet und da passiert einfach nichts. Also das Fahrrad zweimal erfinden, würde ich nicht machen. Sondern die Gremien, die bestehen, sollen zielstrebiger und kooperativer und in unserem Sinne arbeiten und optimieren. Die Leute haben nicht soviel Zeit" (Beherbergung).

(2) "Interessenvertretung? Gab es ja schon einmal vor 6,7 Jahren, als ich angefangen habe. Da gab es über den Tourismusverein genau so etwas schon einmal. Da habe ich auch einige Male dran teilgenommen. Aber das Einzige, was passierte und durchgesetzt wurde, war die gelbe Welle. Aber alles andere - von einer Wassertankstelle haben wir schon vor 7,8 Jahren gesprochen. Wenn hinter dem Tourismusverein nicht das Bezirksamt steht und auch unterstützend wirksam ist. Also ich verstehe die Bezirksregierung hier schon lange nicht mehr. Ich bin mehr als enttäuscht, um es mal auf den Punkt zu bringen. (...) Wenn es irgendwann einmal einen Sinn ergäbe und nicht nur ein fröhliches Miteinander Kaffee-Trinken ist, wozu kein Unternehmer mehr Zeit hat, wenn es einen Sinn ergibt, wäre ich der Letzte, der nicht mitmacht. Aber die Erfahrung hat bisher leider das Gegenteil gezeigt. Dass es momentan hier in Köpenick überhaupt keinen Sinn hat zu philosophieren und Ideen zu haben, weil jede Idee im Keime erstickt wird" (Beherbergung).

(3) "Ich würde sagen, dieser Wald von Institutionen, die sich mit dem Tourismus beschäftigen oder auch nicht, ist ohnehin sehr groß. Und weil das so ist, entsteht zum Großteil auch eine Konkurrenz untereinander. Ich sage mal: Tourismusverein, Wirtschaftskreis, Lausch-GmbH, Altstadt-Manager - unendlich viele. Wenn man hier an der Stelle bündeln würde und versucht, alle unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bekommen und dann versucht, etwas auf die Beine zu stellen, dann denke ich, sollte es eher gelingen als jetzt. Momentan ist es doch so, dass jeder Einzelne für sich Alleinkämpfer ist, ob es der Tourismusverein oder der Wirtschaftskreis" (Tourismusspezialisierter Betrieb).

(4) "... Aber nur zusammenkommen und nur reden, davon kommen weder Touristen noch kommt Geld rein: Es müsste dann auch etwas bewegt werden können. Nur, um noch eine Interessengemeinschaft zu gründen, davon haben wir schon zu viele. (...) Ich würde sagen, das was ist, sollte besser genutzt werden, effektiver gestaltet werden, mehr mit den Leuten - nicht noch etwas Neues. Mehr auf die Leute zugehen, wie Sie es ja auch versuchen. Zu ergründen, woran es liegt. Nicht noch etwas Neues. Und noch ein Verein und noch eine Organisation, das bringt nichts. Es wird alles zerredet" (Beherbergung).

(5) "Nun müsste sich dieses Gremium finden, dies ist glaube ich auch der Knackpunkt, damit es auch eine qualitativ hochwertige Arbeit geben kann und es nicht nur ein Gezerre wird von über- und unterqualifizierten Leuten mit völlig merkwürdigen oder sich nicht deckenden Interessenlagen, was überhaupt die touristische Entwicklung betrifft. Was in der Regel bei solchen Sachen herauskommt ist, salopp gesagt, immer: Jeder haut seine Probleme auf den Tisch und geht wieder. So ein Frustablassen. Das ist dann durch die Vielzahl der Anwesenden oftmals nicht effizient. Es ist ja fast wie so eine Bürgerversammlung im Rathaus. Alle schimpfen und am Ende kommt nichts dabei heraus" (Gastronomie).

(6) "Das ist schwierig. Es ist alles realisierbar. Es darf nicht - und das ist wichtig - künstlich inszeniert sein. Es muss einen Bedarf geben und es muss eine natürliche Kraft haben, die dieses Gremium hinterher belebt. Es macht keinen Sinn 3 Burschen hinzusetzen, die letztlich nur ihren Job machen und die nicht wissen wofür. Es muss ein Motor da sein" (Gastronomie).

(7) "Ich würde es insofern begrüßen, wenn effektiv etwas raus kommt. Ich würde etwas dagegen haben, wenn man sich regelmäßig zusammensetzt und es wird nur bla-bla-bla gesprochen und es kommt nichts Konkretes dabei heraus. Von solchen Interessenvertretungen halte ich absolut nichts. Es muss wirklich ganz straff und konzentriert sein: was wollen wir und was können wir. Ansonsten bringt das nichts" (Tourismusspezialisierter Betrieb).

Wie aber sieht nun die Bereitschaft zur Interessenvertretung innerhalb der 3 unterschiedenen Kategorien aus?

Uneingeschränkte Zustimmung findet die Idee der Interessenvertretung unter den Befragten aus der Beherbergungsbranche nur bei drei Personen. Eine eindeutige Ablehnung wird ebenfalls von drei Befragten genannt. Die übrigen Befragten zeigen gegenüber der Idee der Interessenvertretung und deren Realisierungschancen die überaus große Skepsis, wie sie in den oben aufgeführten Zitaten zum Ausdruck kommt. Die schlechten Erfahrungen beziehen sich dabei v.a. auf die mangelnde Führung, die Ineffektivität solcher Treffen und die schlechte interne Kooperation unter den bereits vorhandenen Gremien, die den lokalen Tourismus vertreten, wie Bezirksamt, Tourismusverein, Altstadtmanager und Wirtschaftskreis. Unter den Kleinstunternehmern findet die Idee ebenfalls keinen Anklang. Die meisten (6 der 7 Befragten) versprechen sich davon keine Vorteile, zumindest nicht für den eigenen Betrieb.

Das Meinungsbild in der Gastronomie ist ähnlich dem der Beherbergung: Nur 4 Befragte sind uneingeschränkt dafür. Auch hier handelt es sich um Personen, die ihr Geschäft noch nicht lange am jetzigen Standort betreiben und noch keine Erfahrungen bezüglich einer Interessenvertretung im Bezirk gemacht haben. Eine eindeutige Ablehnung findet die Interessenvertretung ebenfalls bei 4 Befragten. Die verbleibenden 9 Personen äußern eine sehr skeptische Einstellung, wie sie in den oben aufgeführten Zitaten zum Ausdruck kommt, wobei aber die ablehnende Skepsis überwiegt.

Unter den tourismusspezialisierten Betrieben sind die Meinungen ebenfalls geteilt: 5 Befragte teilen die zitierte skeptische Einstellung, 3 davon können sich unter der Maßgabe, dass die Interessenvertretung ein klares Ziel verfolgt und effektiv arbeitet, Vorteile für den eigenen Betrieb davon versprechen. Die übrigen Befragten aus dieser Kategorie lehnen eine Interessenvertretung ab.

Resümee Interessenvertretung

Angesichts der großen Zahl der Betriebe, die mit anderen Betrieben kooperieren, der insgesamt positiven Erfahrungen, die damit gemacht wurden und vor allem angesichts des verbreiteten Wunsches nach einer Ausweitung und Intensivierung der Kooperationsformen war es naheliegend zu vermuten, dass die Gründung einer Interessenvertretung genau den Vorstellungen der tourismuswirtschaftlichen Betriebe entsprechen würde. Doch das Gegenteil ist der Fall. Gravierende negative Erfahrungen v.a. hinsichtlich der Ineffektivität solcher Initiativen im Bezirk führen bei den Befragten zu überaus großer Skepsis gegenüber der Sinnhaftigkeit, die in der Gründung immer neuer Initiativen liegen soll, wie die oben aufgeführten Zitate sehr anschaulich und nachdrücklich belegen. Positive Einstellungen zur Interessenvertretung werden fast ausschließlich von "Neulingen" genannt, die diesbezüglich noch keine schlechten Erfahrungen gemacht haben. Die Meinungen der "Erfahreneren" variieren in den verschiedenen Schattierungen der Skepsis.

Die wesentlichen Kritikpunkte, die geäußert wurden
  • fehlende klare Struktur solcher Initiativen
  • keine klare Zielsetzung
  • fehlende Führung
  • keine erkennbare Effektivität: Vorschläge werden nicht umgesetzt, alles verläuft im Sande
  • unkoordiniertes Vorgehen seitens der bestehenden Gremien, wie Bezirksamt, Tourismusverein, Wirtschaftskreis usw.
müssen für eine neu zu gründende Interessenvertretung unbedingt sehr ernst genommen werden und in deren konzeptionelle Umsetzung einfließen.


3.3.4 Zusammenfassung der Auswertungsergebnisse


Die befragten 45 Betriebe weisen die für die Tourismuswirtschaft charakteristischen Merkmale auf. Es sind in der überwiegenden Mehrzahl kleine Betriebe mit 1-3 Beschäftigten. In manchen Betrieben sind zusätzlich noch Teilzeitkräfte oder saisonale Kräfte nach Bedarf angestellt. Die Saisonabhängigkeit fast aller Betriebe ist sehr hoch. Die Saison beginnt etwa im März, April und endet im Oktober.

Die Herkunftsgebiete der Gäste bzw. der Kunden sind weit gestreut. In der Gastronomie kommen die Gäste nicht nur aus dem Stadtteil oder dem Bezirk, sondern vielfach aus den anderen Berliner Bezirken (Ost wie West) sowie aus dem Umland. Die Hotel- und Pensionsgäste kommen aus ganz Deutschland, und zwar vor allem aus den alten Bundesländern. Der Anteil der ausländischen Gäste ist nur sehr gering. Die Kunden der tourismusspezialisierten Betriebe stammen hauptsächlich aus Berlin und dem Umland, zu einem großen Teil kommen die Kunden aber auch aus weiter entfernteren Gegenden Deutschlands.

Die Stimmungslage hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung wird unter den befragten Betrieben erwartungsgemäß in deutlicher Weise von der gesamtwirtschaftlich schlechten Lage bestimmt. Die meisten Betriebe sind mit verschiedenen internen Problemen und Unsicherheiten konfrontiert, die sich nochmals zuspitzen durch die allgemein schlechte Lage. Die vorhandenen Probleme beziehen sich z.B. darauf, dass sich ein Betrieb auf einem restitutionsbehafteten Grundstück befindet, oder dass aufgrund einer veränderten Nachfrage die unternehmerischen Konzepte, die aus der Mitte der 1990er Jahre stammen, heute bereits revidiert werden müssen.

Hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung herrscht bei den meisten Betrieben eine Haltung des Abwartens. Es wird versucht, eine Bestandssicherung zu betreiben, in der Hoffnung, dass sich die Zeiten wieder bessern. Nur wenige planen betriebliche Veränderungen. Meist handelt es sich dann um Einsparungen beim Personal, sofern das angesichts der geringen Beschäftigtenzahlen noch möglich ist. Einschneidend betrifft das aber die wenigen Ausbildungsbetriebe, die es im Bereich der Tourismuswirtschaft überhaupt gibt: Diese planen, die Zahl der Ausbildungsplätze erheblich zu reduzieren.

Die Bedeutung eines touristisch geprägten Umfeldes wird von den meisten Betrieben als wichtig eingeschätzt. Im besonderen gilt das für das Beherbergungsgewerbe. Hier ist es so, dass die Gäste zu einem ganz überwiegenden Teil Berlin-Besucher sind, die außerhalb der Großstadthektik wohnen möchten und oft ganz überrascht sind über die schöne wald- und wasserreiche Umgebung, die sie vorfinden. Das vorrangige Interesse der Gäste richtet sich auf Berlin, doch wenn das Interesse für Treptow-Köpenick geweckt ist, dann wird es schwierig, den Gästen Empfehlungen zu geben. Denn das vorhandene touristische Umfeld weist erhebliche Defizite und Unzulänglichkeiten auf. Das liegt zum einen an der Unattraktivität wichtiger Sehenswürdigkeiten, wie z.B. Müggelturmareal, Altstadt, Schloss, Regattastrecke usw., die auf die Gäste abschreckend wirken, und zum anderen an der fehlenden touristischen Infrastruktur. Hier werden die Unterausstattung mit Restaurants und Geschäften in den peripheren Gebieten, ein fehlendes Leitsystem, die schlechte Instandhaltung der vorhandenen Rad- und Wanderwege u.a.m. genannt. Des weiteren wird von vielen Befragten bemängelt, dass es kein geeignetes Informationsmaterial in Form einer Broschüre gibt, in der wichtige Informationen für die Touristen zusammengefasst sind. Bislang gibt es lediglich eine Vielzahl von Einzelbroschüren, was für die Gäste sehr unübersichtlich ist.

Neben der Bedeutung des touristischen Umfeldes war auch nach der Einschätzung zur touristischen Entwicklung Treptow-Köpenicks gefragt worden. Diese fällt fast einhellig negativ aus. "Köpenick verschenkt ein riesiges Potenzial", ist die Aussage eines Befragten, die die Meinung vieler anderer widerspiegelt. Es herrscht die Vorstellung, dass die Bedeutung des Tourismus als Wirtschaftsfaktor für den Bezirk von den Entscheidungsträgern noch nicht erkannt wurde. Viele Genehmigungsverfahren würden verzögert und verschleppt. Mehrere Befragte berichteten, dass sie sogar dann auf eine unkooperative Haltung seitens der verschiedenen Ämter getroffen sind, wenn sie die entsprechende Maßnahme aus eigener Tasche finanzieren wollten.

Die Erfahrungen der Betriebe in Bezug auf Kooperationsformen sind zahlreich. Die meisten Betriebe arbeiten mit anderen Betrieben kooperativ zusammen. 65% der Betriebe kooperieren bereits mit anderen Betrieben, 17% kooperieren derzeit nicht, würden es aber begrüßen und sich Vorteile davon versprechen. Lediglich 17% der befragten Betriebe sind an Kooperationen nicht interessiert. Die praktizierten Kooperationsformen sind vielfältig und es werden nach Angaben der Befragten auch überwiegend gute Erfahrungen damit gemacht. Das widerspricht der teilweise geäußerten Meinung, dass unter den tourismuswirtschaftlichen Betrieben ein extremes Konkurrenzdenken herrsche, das jegliche Kooperationen unmöglich mache.

Angesichts der großen Zahl der Betriebe, die mit anderen Betrieben kooperieren und der insgesamt positiven Erfahrungen, die damit gemacht wurden, war es naheliegend zu vermuten, dass die Gründung einer Interessenvertretung genau den Vorstellungen der tourismuswirtschaftlichen Betriebe entsprechen würde. Doch das Gegenteil ist der Fall. Aufgrund tiefgreifender negativer Erfahrungen v.a. hinsichtlich der Ineffektivität solcher Initiativen im Bezirk, besteht bei den Befragten eine überaus große Skepsis gegenüber der Sinnhaftigkeit, die in der Gründung immer neuer Initiativen liegen soll.

3.4 Verbesserungsvorschläge

Zum Abschluss sollen die Vorschläge zur Verbesserung der Situation und des Angebots des lokalen Tourismus genannt werden, die die Befragten in den Interviews gemacht haben. Es waren eine ganze Reihe konkreter und pragmatischer Vorschlägen, die auf diese Weise zusammengekommen sind. Diese Vorschläge sind in vier Kategorien zu unterscheiden.

Vorschläge für:
  1. baulich-räumliche Maßnahmen
  2. touristische Leitsysteme und Kartenmaterial
  3. Maßnahmen zur Verbesserung des Angebots
  4. Marketingmaßnahmen
(1.) Baulich-räumliche Maßnahmen
  • bessere Instandhaltung der Rad- und Wanderwege (sehr oft genannt)
  • Bau einer Wassertankstelle (sehr oft genannt und offensichtlich auch schon seit längerem im Gespräch)
  • Ausbau begehbarer Uferwege
  • Anlage von Reitwegen
  • u.a.m.

(2.) Touristische Leitsysteme und Kartenmaterial

Die fehlende Beschilderung ist ein ganz wesentliches Defizit in der touristischen Infrastruktur Treptow-Köpenicks, das von sehr vielen Befragten genannt wurde. Und es ging dabei um Beschilderung jeglicher Art:
  • Beschilderung der Rad- und Wanderwege
  • Ausschilderung der Ausflugsziele und Ausflugsgaststätten
  • Umsetzung der touristischen Leitsysteme zu Wasser und zu Lande
  • Einrichtung eines Hotelleitsystems

Ergänzend wurde Kartenmaterial vorgeschlagen, wie z.B.:
  • Erstellung einer Rad- und Wanderwegekarte
  • Übersichtskarte für Badestellen
  • u.a.m.

(3./4.) Verbesserung des touristischen Angebots und Marketingmaßnahmen

Während die bisher aufgezeigten Vorschläge der Kategorien 1 und 2 vorwiegend Maßnahmen sind, die von den Unternehmen nicht so ohne weiteres in Eigenregie umgesetzt werden können, sind die folgenden Vorschläge, die in den Kategorien 3 und 4 zusammengefasst sind, eher solche, deren Umsetzungen sich möglicherweise durch Kooperationsformen verschiedenster Art realisieren ließen. Sie sind zu verstehen als mögliche Ansatzpunkte dafür, wie durch gemeinschaftliche Aktivitäten der tourismuswirtschaftlichen Unternehmen das Angebot in Treptow-Köpenick verbessert werden könnte. Diese Vorschläge können auch dazu beitragen, dass die Idee der "Interessenvertretung" oder des "Tourismusbeirats" etwas griffiger und anschaulicher wird.

(3.) Verbesserung des Angebots

Allgemeine Vorschläge:
  • Wiederaufnahme des Fährbetriebs auf bestimmten Linien
  • Veranstaltung von "Wasser-Events", z.B. Wasserfeste, spezielle Regatten
  • Förderung der Kultur (z.B. Nutzung der Hallen des Wasserwerks für Konzerte)
  • Entwicklung spezieller Reiseangebot
  • Konzept Wasserwandern (in Kooperation Beherbergung und Gastronomie) Hierbei handelt es sich um ein Konzept, das bereits vor einigen Jahren in sehr konkreter Form diskutiert worden ist. Dahinter verbirgt sich die Idee, Touren für das Wasserwandern (z.B. mit Faltbooten oder Paddelbooten) auszuarbeiten und so zu organisieren, dass sie touristisch vermarktet werden können. Es hatten sich damals auch schon einige Betriebe aus den Bereichen Beherbergung und Gastronomie zusammengefunden, um gemeinsam mit dem Bürgermeister zu überlegen, wie die konkrete Umsetzung erfolgen könnte. Doch dann ist das Ganze wieder im Sande verlaufen. An dem entscheidenden Punkt tauchte das Problem auf, dass niemand die Leitung dieses Projekts übernehmen wollte.
  • Angebot aus einer Kombination aus Städtereise und Segelkurs (in Kooperation mit Vereinen) Dieser Vorschlag soll ein Angebot sein, dass sich tendenziell eher an jüngere Leute richtet, und ein Programm beinhaltet, das in einer Kombination aus Berlin-Besuch/Städtereise und dem Besuch von Segelkursen/einer Segelschule - Kombination Kultur und Sport - besteht. In dem Falle wären die Vereine angesprochen, ob sie bereit wären, auch Vereinsfremden Unterricht zu erteilen. Ebenso wäre die Frage der notwendigen Kapazitäten zu klären.


Vorschläge für die Verbesserung zielgruppenorientierter Angebote

für jüngeres Publikum:
  • Einrichtung einer Wasserskianlage/einer Sommerrodelbahn
für Tagestouristen/Busreisen:
  • Angebote an Busreiseunternehmen in Form von "Ausflugspaketen" für Tagesbesucher aus Berlin und dem Umland (auch weiteres Umland wie Dresden und Leipzig), z.B. Dampferfahrt. Besichtigungen, Hauptmanngarde, Restaurantbesuch u.a.m. Dieser Vorschlag kam von mehreren Befragten aus dem Bereich der Gastronomie. Kooperationen mit Busunternehmen in Berlin, im Berliner Umland oder auch in größeren Städten (Dresden, Leipzig) seien aufgenommen und spezielle "Tagespakete" angeboten werden (Köpenick, Hauptmanngarde, Wasserwerk, Dampferfahrt etc.). Gäste sollten dann gezielt zu bestimmten Restaurants geführt werden, die wiederum spezielle preisliche Angebote machen müssten. (Als "Vermittlungsagentur" bezüglich der Kontaktaufnahme mit Busunternehmen, Tourenplanung und Organisation solle der Tourismusverein fungieren.)
für Wassersportler bzw. für deren Begleitpersonen:
  • Rahmenprogramm und touristische Angebote für Angehörige und Verwandte. Ein Vorschlag richtet sich speziell an die Gruppe der Begleitpersonen der Wassersportler, die bisher touristisch vernachlässigt ist, aber eine tendenziell kaufkräftige Gruppe darstellt. Das touristische Umfeld - zumindest an Land - ist für die Wassersportler selbst oft von geringerer Bedeutung, nicht aber für deren BegleiterInnen. Für die Entscheidung des Austragungsorts von Segelregatten kann das touristische Umfeld sogar von sehr großer Bedeutung sein - jedenfalls ist Köpenick im letzten Jahr daran gescheitert. In der Vorbereitung einer Segelregatta war geprüft worden, ob in Köpenick ein Angebot für die Begleiterinnen der Teilnehmer vorhanden ist. Das wurde negativ beschieden und die Regatta wurde woanders ausgetragen. Ein weiteres ungenutztes Wassersportpotenzial scheint die Jugendbootsklasse zu sein, die in den letzten Jahren hohe Zuwachsraten zu verzeichnen hat. In diesem Bereich werden die Jugendlichen zu den Segelregatten häufig von den Eltern und Geschwistern und mitunter auch den Großeltern begleitet, die sich die Gegend anschauen, essen gehen usw. Auch hier wird ein Klientel gesehen, das von Seiten der für Tourismus Verantwortlichen in Treptow-Köpenick viel zu wenig beachtet wird. Als positives Beispiel wird die Region um das Steinhuder Meer in Niedersachsen genannt, in der dieses Potenzial erkannt wurde und die in erheblichem Maße davon profitiere.


(4.) Marketingmaßnahmen

  • Bessere Vermarktung der Historie (Hauptmann, Schloss)
  • Internet-Informationssystem für Zimmervermittlung: Es wird in diesem Zusammenhang vorgeschlagen, ein Internet- Informationssystem für die Zimmervermittlung einzurichten, das die potenziellen Gäste darüber in Kenntnis setzt, wann welche Zimmer ausgebucht bzw. noch verfügbar sind.
  • Info-Broschüre: Kritisch wird angemerkt, dass es kein geeignetes Informationsmaterial über die Destination Treptow-Köpenick gibt. Es fehle übersichtliches und aktuelles Informationsmaterial in Form von Broschüren, die den Gästen Treptow-Köpenick näher bringen und auf Veranstaltungen hinweisen. Dieses Defizit wird vor allem von Befragten aus dem Beherbergungsgewerbe genannt. Sie bemängeln, dass sie immer wieder in mühseliger Kleinarbeit Informationen zusammensuchen müssten, und von Veranstaltungen im Bezirk oft selbst nur durch Zufall erführen. Eine Info-Broschüre, die die zahlreichen Einzelinformationen zusammenfasst, könnte nicht nur für Touristen, sondern auch für Geschäftskunden, die sich am touristischen Umfeld interessieren, sehr nützlich sein.
  • Gemeinsame Marketingstrategie für bestimmte Zielgruppen (z.B. Geschäftsreisende): Ein weiterer Vorschlag zielt darauf ab, eine für das Beherbergungsgewerbe gemeinsame Marketingstrategie zu entwickeln, die sich speziell an die Geschäftskunden richtet, die normalerweise eher an die großen Hotels der bekannten Ketten vermittelt werden. Die Geschäftskunden selbst sind zudem - so die Erfahrung - gute Werbeträger, indem die Möglichkeit besteht, dass sie in ihren Firmen Treptow-Köpenick empfehlen. Hinsichtlich der Umsetzung gemeinsamer Aktionen wird allerdings auf ein Problem aufmerksam gemacht: Dass ein/e einzelne/r Unternehmer/in hier die Leitung übernimmt, ist kaum vorstellbar. Es müsse eine Einrichtung geben, die das Ganze organisiert und als neutraler Partner agiert. Diese Aufgabe könne z.B. der Tourismusverein übernehmen.
 

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