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3.3.2 Allgemeine Einschätzungen
zum Tourismus in Treptow-Köpenick
...bezüglich vergangener und gegenwärtiger Entwicklungen
Die Befragten waren gebeten worden, ihre allgemeine Einschätzung
zur vergangenen und gegenwärtigen Entwicklung des Tourismus zu schildern.
In der Kategorie Beherbergung nannten nur drei Befragte positive Veränderungen:
Diese bezogen sich auf die Ansiedlung neuer Hotels, auf Verbesserungen
in der Infrastruktur (in geringem Maße) und auf die Aktivitäten
des Tourismusvereins, die allerdings noch nicht ausreichend seien, um
die Bedeutung des Tourismus im Bezirks entscheidend zu stärken. In
den Antworten überwiegen dagegen deutlich die negativen Eindrücke:
7 Befragte beurteilen die Entwicklung Treptow-Köpenicks negativ.
Ein Befragter schätzt das Interesse seiner Gäste an Treptow-Köpenick
von vorne herein als sehr gering ein. Und das touristische Angebot ist
offenbar nicht dazu angetan, Interesse zu wecken, wie andere Befragte
hervorheben. Es fehlt Informationsmaterial über den Bezirk (vgl.
Auswertung/touristisches Umfeld), und durch den Wegfall zahlreicher touristischer
Attraktionen, wie z.B. Schloss, Müggelturm, Spreepark usw. sei die
Lage nun besonders prekär. Da fällt es schwer, den Touristen
Empfehlungen für Treptow-Köpenick zu geben. Dazu die Erfahrungen
von zwei Befragten:
"So, wie es im Moment aussieht, ist es für uns nicht befriedigend,
und für die Touristen auch nicht. Also ich kann nicht sagen, geht
auf den Müggelturm, sondern ich sage, fahren Sie in die Stadt und
machen Sie dort eine Cityfahrt oder eine Brückenfahrt".
"Wenn ich die Leute nach Köpenick schicke - die haben das natürlich
alles gelesen und haben große Erwartungen - und dann sind sie einfach
enttäuscht, weil es dort nichts zu sehen gibt. Auch die Hinweise
sind schlecht. Sie wissen nicht, was sie sich da ansehen sollen. Die Leute
sind alle enttäuscht von Köpenick".
Die Defizite in der touristischen Infrastruktur werden besonders in peripheren
Gebieten des Bezirks deutlich sichtbar, und das, obwohl sie von Ausflüglern
stark frequentiert werden, wie folgende Aussagen, die sich auf Wendenschloss
und auf Rahnsdorf beziehen, veranschaulichen. Im Bereich der Fähranlegestelle
in Wendenschloss beobachtet ein Befragter
"..was hier manchmal auch wochentags los ist. Die Leute rütteln enttäuscht
an unserem Eisentor, weil sie denken, hier ist eine Uferterrasse, hier
gibt es auch Kaffee oder Ähnliches. Es gibt in der Nähe nur
ein einziges Café, aber das reicht bei weitem nicht aus, um diesen
Ansturm an Besuchern, der hier am Wochenende auftaucht, nur annähernd
bewältigen zu können. Es gibt bis zum Müggelturm gar nichts.
(...) Es geht weiter mit Toilettenanlagen vor der Tür. Die Leute,
die hier mit Wandervereinen und Radfahrervereinen am Wochenende in Scharen
her kommen, stehen an der Fähre. Es gibt nicht einmal eine öffentliche
Toilettenanlage, d.h. alle Zäune in der Umgebung werden genutzt als
wilde Toilettenanlage. (...) Die grosse Karte, die dort unten steht, die
habe ich privat hingestellt und finanziert, da stehen die Leute in Scharen
herum. Es gibt keinerlei Kartenmaterial, um die Leute mal ein bisschen
lotsen zu können. Also, das Revier hier hinten wird wahnsinnig gut
angenommen, zum Wandern, zum Radfahren. Hier kommen Scharen von Touristen
an. (...) Wanderwege müssten ausgeschildert sein, Radwege müssten
ausgeschildert sein. Wie man überhaupt hinkommt zum Müggelturm.
Die stehen immer hier draußen vor der Karte und rätseln, wie
sie eigentlich zum Müggelturm kommen. Und das sind nicht wenig Leute.
Das können Sie mal am Wochenende beobachten bei so einem [guten]
Wetter. Die Fähre ist immer voll, alle ¼ Stunde immer krachend
voll".
"Alle wichtigen Lokale, die früher hier am Wasser waren, die gibt
es nicht mehr. Der Spazierweg zur Kirche - die wollen ja alle ins Fischerdorf,
weil das ja angezeigt ist - da gibt es den Weg nicht mehr, der hier quer
durch ging. Hier kommen immer die Fahrradfahrer an im Sommer, auch aus
Westberlin, und die fragen mich, wie sie da hinkommen. Es gibt wenig Wegweiser.
Das ist alles nicht doll gemacht. Und das schöne Lokal, direkt im
Fischerdorf am Wasser, steht seit Jahren leer, findet keinen Pächter.
Das wäre ein Ausflugslokal, wo man auch mit den Schiffen halten kann.
Das war früher ein reger Betrieb, ist jetzt alles tot. Es ist eher
schlechter geworden."
Die Einschätzung der befragten Gastronomen zur Entwicklung des Tourismus
in Treptow Köpenick fällt ebenso fast einhellig negativ aus.
Ein Gastronom kritisiert, dass sich der Tourismus im Bezirk fast ausschließlich
auf die Altstadt konzentriere. Dieser Sachverhalt spiegelt sich in unterschiedlicher
Weise auch in den Antworten der übrigen Befragten wider. Sofern überhaupt
positive Einschätzungen genannt wurden, stammen diese von Gastronomen
aus der Altstadt oder deren näherer Umgebung. Sie profitieren von
der Ansiedlung größerer Hotels und von dem höheren Bekanntheitsgrad,
den die Altstadt auch in den Westberliner Bezirken hat. Anders sieht dies
in den peripheren Gebieten des Bezirks aus. Eine Befragte beklagt, dass
der Ortsteil Müggelheim in Westberlin völlig unbekannt sei,
und dass von seiten des Bezirks auch keinerlei Werbung dafür gemacht
werde.
Die genannten positiven Faktoren können im Falle der Gastronomen
in der Altstadt die negativen Entwicklungen aber nur teilweise kompensieren.
Denn auch in der Altstadt wird deutlich, was als Hindernis für die
touristische Entwicklung im Bezirk insgesamt angesehen wird: Die Problemgebiete
sind allgemein bekannt, Müggelturm, Regattastrecke/Riviera, Spreepark,
Schlossrestaurierung, die Parkplatzsituation in der Altstadt u.a.m., doch
deren Bearbeitung lässt schon seit Jahren auf sich warten, ohne dass
sichtbare Fortschritte zu verzeichnen wären. Die Folgen sind, dass
sich der Eindruck des Verfalls über die eigentlichen Problemgebiete
hinaus ausdehnt und auf die Besucher abschreckend wirkt. Bei vielen Befragten
herrscht der Eindruck vor, dass von seiten des Bezirks diesen Entwicklungen
nicht Einhalt geboten wird, sondern notwendige Entscheidungen immer wieder
hinausgezögert werden. Die folgenden Ausführungen eines Befragten
stehen stellvertretend für viele andere:
"Ich kenne nicht den ganzen Bezirk, nur einen eingeschränkten Teil
davon, kann aber sagen, dass es sich in den letzten Jahren eigentlich
verschlechtert hat. Viele Baustellen haben überhand genommen, die
Länge der Baustellen, das Gegeneinanderarbeiten der verschiedenen
Ämter, dann mit dieser Parkraumordnung und mit dem Schließen
von Straßen. Da ist z.B. dieses Strandbad, das z.Z. zwar keinen
Pächter hat, doch die Jahre zuvor hat es einen Pächter gehabt.
Und es wurde nicht ermöglicht, dass dort Parkplätze geschaffen
wurden, obwohl es Möglichkeiten gibt und es gab immer Möglichkeiten,
so etwas zu schaffen. Aber es ist in den letzten Jahren gar nichts passiert,
es hat sich eigentlich überhaupt nichts verbessert, es ist schlechter
geworden. (...) Wie lange man am Schloss baut und wie lange an dem Schlossplatz,
den man gerade fertig hat und wieder aufreißt. Das sind nicht solche
Sachen, die dazu beitragen, den Tourismus zu fördern. Denn die ganze
Situation in den Straßen ist doch so, dass jeder Busfahrer ungern
hier her fährt. Und da werden auch keine Möglichkeiten geschaffen
und es werden auch nur ganz wenige Ausnahmen erteilt, obwohl man von diesem
Problem weiss. Aber trotzdem wird da nichts getan. Ich weiß nicht,
warum man da so wenig vorausschauend handelt.
(...) Der Wald hier, ich meine, es ist ja nicht nur dieses Stück
Wald, Köpenick verfügt ja über viel Wald - ich kann es
jetzt nur aus meiner Erfahrung sagen: Es ist noch nicht möglich gewesen,
hier Fahrradwege auszubauen, es ist alles so einfach. Ich habe auch dem
Förster vorgeschlagen, wenn ich z.B. Waldgebiete schützen will,
wo es seltene Vögel oder Tierarten gibt, dann kann man das manipulieren,
in dem Moment, wo ich Wanderrouten anlege, Wanderrouten, so wie ich sie
will und nicht wie der Bürger sie will. (...) Dieses Gesellschaftshaus,
dieses ewige Thema über Denkmalschutz. Das Ding fällt ja sowieso
zusammen, dann ist es weg. Da haben wir wieder 10 Jahre gewartet. (...)
Das ist einfach schon zu lange, dass so was nicht gemacht wird. Man könnte
hier so viel machen, aber es tut sich überhaupt nichts".
Die Aussagen der Befragten aus den tourismusspezialisierten Betrieben
weichen kaum von denen der anderen ab. Auch von ihnen wird die Entwicklung
als zu schleppend eingeschätzt, nichts komme so recht voran. Die
schönen Ausflugsziele, die es gibt, seien verwahrlost und nicht nutzbar,
auch das Erscheinungsbild der Altstadt trage nicht dazu bei, dass Köpenick
für die Touristen attraktiver werde. Auch hier wurde die Erfahrung
gemacht, dass Eigeninitiative durch die Schwerfälligkeit der Verwaltung
blockiert wurde.
...bezüglich zukünftiger Entwicklungen
Es war gefragt worden, wie die touristische Entwicklung Treptow-Köpenicks
in der Zukunft eingeschätzt wird und worin die touristischen Stärken
liegen, die zukünftig besser gefördert werden sollten.
Die Antworten fallen sehr einheitlich aus: Der Bezirk verfüge über
vielfältige Potenziale. Die Entwicklung werde aber nur dann eine
positive Wendung nehmen, wenn diese Potenziale in Zukunft besser genutzt
würden. Ebenso einhellig ist das Unverständnis darüber,
dass aus den vorhandenen Potenzialen bislang nicht mehr gemacht worden
ist. Es herrscht die Vorstellung, dass die Bedeutung des Tourismus als
Wirtschaftsfaktor für den Bezirk von den Entscheidungsträgern
noch nicht erkannt wurde.
"Eine Großstadt, die soviel Wasser und Grün zu bieten hat,
die gibt es nicht allzu oft. Und Köpenick selbst verschenkt ein riesiges
Potenzial."
"Und man muss eben den Tourismus beleben, weil er ein Riesenwirtschaftsfaktor
für Treptow-Köpenick sein kann - und das haben die Leute noch
nicht erkannt, die hier das Sagen haben."
Vorrangig werden dabei meist allgemein die bessere Förderung des
Wassersports bzw. die bessere Nutzung der Wasserlagen genannt. Die zahlreichen
von den Befragten genannten Verbesserungsvorschläge sind unter Punkt
3.4. zusammen gefasst.
3.3.3 Bereitschaft zur Kooperation und zur Interessenvertretung
A. Bereitschaft zur Kooperation
Der Fragenkomplex zu den Kooperationsformen zielte darauf ab, zu ermitteln,
ob bereits jetzt Kooperationsformen mit anderen Betrieben bestehen, was
diese Zusammenarbeit im Einzelnen umfasst und welche Erfahrungen damit
gemacht wurden. Ferner war von Interesse zu erfahren, ob die Betriebe,
die nicht kooperieren, diesem ablehnend gegenüber stehen oder ob
sie sich auch Vorteile davon versprechen können.
Beherbergung
Auffallend am Ergebnis ist, dass Kooperationen in den meisten Fällen
vorhanden sind. 10 der befragten 13 Betriebe kooperieren mit anderen,
wobei sich Kooperationsform und -umfang unterscheiden. 3 Betriebe kooperieren
nicht, 2 davon sind aber Kooperationen gegenüber positiv eingestellt,
einer hält sie sogar ausdrücklich für wünschenswert.
Nur eine einzige Befragte ist nicht daran interessiert.
In den meisten Fällen bestehen die Kooperationen in der Weitervermittlung
von Gästen bei eigener Überbuchung. Die Kooperationspartner
werden meist genau ausgewählt hinsichtlich eines adäquaten Niveaus
und der Wettbewerbsfairness. Zwei Befragte (in ganz unterschiedlichen
Preissegmenten) geben an, bereits schlechte Erfahrungen mit Preisdumping
gemacht zu haben.
"Die Leute sind dann so, die drücken die Preise runter und die Gäste
kommen dann nicht mehr zu uns".
Wohl aufgrund dessen ist diese Form der Kooperation aber auch schon zurück
gegangen, was ein Befragter sehr bedauert:
"Ich würde es gut finden, wenn es so richtig gut funktionieren würde,
aber jeder macht eigentlich sein eigenes Ding. Die Profile der Hotels
hier sind eigentlich auch völlig verschieden. Keiner gibt so gerne
Gäste ab, weil er denkt, die kommen nicht wieder, wenn sie erst einmal
woanders waren. Früher hatten wir zwei Häuser, die nun auch
pleite sind, mit denen wir gut zusammengearbeitet haben. Das ist eigentlich
eine schöne Sache. Wenn der eine voll ist und das weiter gibt, dann
gleicht sich das immer schön aus - bleibt eben in der Familie sozusagen.
Aber das ist weniger geworden."
Die Hälfte der kooperierenden Beherbergungsbetriebe nennt darüber
hinaus noch weitergehende Formen der Zusammenarbeit, die sich auf andere
Betriebe außerhalb der eigenen Branche bezieht, und zwar in Form
von Dienstleistungsketten: Kooperationen mit Reiseunternehmen, mit größeren
Firmen, die häufiger Geschäftskunden haben, mit Vereinen u.a.m.
Auch die beiden befragten Yachthafenbetreiber praktizieren Kooperationen
in Form von Dienstleistungsketten (Bootswartung und -service, Bootsführerschein
u.a.m.).
Es hätte vermutet werden können, dass aus dem marktwirtschaftlichen
Konkurrenzdenken heraus für viele Betriebe die Vorstellung an Kooperationen
unrealistisch erscheint. Doch die Argumentationslogik der folgenden Aussage
stellt nur die Meinung eines einzigen Befragten dar:
"Das kann nur verbessert werden, indem der Bedarf nach oben geht. Ist
ja klar, wenn der Kuchen immer kleiner wird, wird die Zusammenarbeit immer
schlechter, das ist ganz normal".
Demgegenüber besteht bei vielen Befragten der Wunsch, die Kooperation
unter den Betrieben zu verbessern und auszubauen, was einerseits auf positiven
Erfahrungen gründet und andererseits der Erkenntnis geschuldet ist,
dass es nicht so weitergehen kann wie bisher.
"Die Zeiten sind vorbei. Wir müssen alle eng zusammenrücken
und auch miteinander arbeiten und nicht gegeneinander. In unserem Raum
gibt es ja auch keinen Konkurrenten, es gibt nur Mitbewerber. Und wenn
der Gast entscheidet, er geht zu dem, dann ist das seine Sache. Und dann
kann ich nur noch daran arbeiten, weshalb ist der zum Mitbewerber gegangen?
Und Konkurrenten sind das eh nicht, die fahren ganz andere Niveaus".
Die Meinung, dass letztlich der Kunde entscheidet und ein breit gefächertes
Angebot unterschiedliche Wünsche und Ansprüche bedient und somit
allen zu Gute kommt, wird von mehreren Befragten geäußert.
In der Verbesserung des Marketings und in der Verbesserung des Angebots
liegen denn auch die konkret genannten Verbesserungsvorschläge bezüglich
der Kooperationsformen (näheres siehe 3.4.)
Gastronomie
Auch im Bereich der Gastronomie sind zahlreiche Kooperationsformen v.a.
mit anderen Branchen vorhanden. Von den 17 befragten Gastronomiebetrieben
si
- 8 Betriebe z.T. in sehr umfangreiche Kooperationsformen
eingebunden
- 4 Betriebe nicht in Kooperationen tätig, würden
dies aber begrüßen und haben teilweise auch
sehr konkrete Vorstellungen dazu
- . 5 Betriebe selten oder nur in geringem Umfang in
Kooperation mit anderen Betrieben tätig und lehnen
eine Ausweitung oder andere Kooperationsformen ab.
Zu den Kooperationsformen der ersten Gruppe zählen z.B.
Restaurants, deren Gäste auf Empfehlung von oder durch
Werbung in Hotels kommen. Diese einfache Form der Kooperation
wird in 2 Fällen praktiziert. Für zwei weitere
Gastronomiebetriebe besteht die Kooperation in einem
Catering-Service im Charter-Bereich bzw. in der Verpflegung von
Hochleistungssportlern im Trainingslager. Bei einem weiteren
Betrieb, ebenfalls ein Restaurant, sind verschiedene
Kooperationsformen mit benachbarten Betrieben, die in einem
"Freizeithof" angesiedelt sind, vorhanden (gemeinsame Werbung
und Veranstaltungen). Darüber hinaus ist der Inhaber an
mehreren Veranstaltungen in der Altstadt beteiligt. Er hat gute
Erfahrungen mit Kooperationen gemacht und würde deren
Ausweitung sehr begrüßen.
Zwei weitere Betriebe praktizieren sehr umfangreiche Formen der
Kooperation, die im folgenden kurz skizziert werden sollen.
Betrieb A bietet seinen Gästen u.a. die komplette
Organisation von Feiern oder Events an und kooperiert in diesem
Zusammenhang mit anderen branchenfremden Betrieben, z.B.
Beherbergung, Schiffscharter etc. Des weiteren versucht er,
über den Zusammenschluss mehrerer gastronomischer Betriebe
Synergieeffekte zu erzielen. Konkret kooperiert er u.a. mit
Betrieb B in Form gemeinsamer Werbung, gemeinsamen Einkaufs usw.
Diese Kooperation soll weitergeführt werden und in eine
konzeptionelle Zusammenarbeit münden, eine Art
"Systemgastronomie". Gemeinsam streben sie einen
brancheninternen Zusammenschluss innerhalb des Stadtteils
(Friedrichshagen) in Form eines "Gastronomen-Stammtisches" an,
um die gastronomische Tradition des Stadtteils wiederzubeleben.
Anders als bei den relativ häufigen Dienstleistungsketten,
die branchenfremde Betriebe zusammenführen, wird hier eine
Kooperation angestrebt, die explizit innerhalb der gleichen
Branche bleiben will.
Tourismusspezialisierte Betriebe
Alle von uns befragten Betriebe der Kategorie 3 arbeiten in
verschiedenen Kooperationsformen mit anderen Betrieben zusammen.
Der Betriebsleiter des Strandbades kooperiert mit einer
benachbarten Segel- und Surfschule. Der Leiter eines
Geschäfts für Bootsausrüstungen ist aufgrund
seiner biographisch sehr engen Verbundenheit zum Wassersport in
Köpenick eine "zentrale Person", die von vielen um Rat und
Hilfe gefragt wird und ihrerseits Arbeitskräfte und
Dienstleistungen vermittelt:
"Es gibt keinen, den ich nicht kenne, und es gibt keinen, der
mich nicht kennt. Und wenn die Leute kommen und etwas wollen,
dann wissen wir natürlich genau, wo wir die
hinschicken".
Im Bereich der Sparte "Bootsbau, -wartung, -service" besteht
die Zusammenarbeit u.a. konkret darin, dass zwischen den
Betrieben gewechselt wird und auf diese Weise ein verbesserter
Kundendienst erreicht werden kann. Damit wurden bislang gute
Erfahrungen gemacht (2 Nennungen). Eine weitergehende
Kooperation, die darin bestehen würde, sich auch
betrieblich zusammen zu schließen, wird als nicht
praktikabel eingeschätzt. Ein Bootsbauer berichtete von
seinen beruflichen Erfahrungen in einer Ende der 1950er Jahre
gegründeten Produktionsgenossenschaft, in der das gesamte
Bootshandwerk zusammengefasst war, und die später
verstaatlicht wurde. Eine Reanimierung einer solchen
Genossenschaft hält er aber im konkreten Fall aufgrund des
hohen Altersdurchschnitts der Betriebsinhaber und auch aufgrund
der veränderten wirtschaftlichen Lage im Bereich Bootsbau,
Bootshandel für nicht realisierbar.
Die übrigen 3 Betriebe dieser Kategorie haben eine sehr
vielfältige Angebotspalette "rund um den Wassersport", bei
denen sich schon aufgrund der unterschiedlichen Dienstleistungen
die Notwendigkeit von Vernetzungen und Kooperationen mit anderen
Betrieben ergibt, die allerdings z.T. auch über den Bezirk
hinausreichen.
Resümee Kooperation
Die meisten der von uns befragten Betriebe arbeiten mit anderen
Betrieben kooperativ zusammen. Auf die KMU-Betriebe
übertragen heißt das:
- 65% der Betriebe kooperieren mit anderen Betrieben
- 17% kooperieren nicht, würden es aber
begrüßen und sich Vorteile davon versprechen
- 17% sind an Kooperationen nicht interessiert.
Ein ebenfalls geringes Interesse äußerten die
Privatvermieter.
Die praktizierten Kooperationsformen sind zahlreich und
vielfältig und es werden offensichtlich auch gute
Erfahrungen damit gemacht. Das widerspricht der teilweise
geäußerten Meinung, dass unter den
tourismuswirtschaftlichen Betrieben ein extremes
Konkurrenzdenken herrsche, das jegliche Kooperationen
unmöglich mache. Wie aber steht es angesichts der positiven
Einstellungen zu Kooperationsformen um die Bereitschaft der
befragten Betriebe zur Interessenvertretung?
B. Bereitschaft zur Interessenvertretung
Die Fragen zur Interessenvertretung der
tourismuswirtschaftlichen Betriebe in Treptow-Köpenick
gehen noch einen Schritt weiter als die zu den
Kooperationsformen. Es wird gefragt, inwieweit die Befragten
sich vorstellen können, dass eine solche
Interessenvertretung sinnvoll sei und ob sie bereit wären,
selbst darin mitzuwirken. Der Begriff "Interessenvertretung" war
sehr bewusst gegen den ursprünglich verwendeten des
"Tourismusbeirats" ausgetauscht worden. Bereits im Vorfeld der
Befragung hatte sich im Pretest gezeigt, dass der
"Tourismusbeirat" erhebliche negative Assoziationen bei den
Befragten hervorruft. Für die Hauptbefragung wurde deshalb
der etwas abgeschwächte Begriff der "Interessenvertretung"
gewählt, um nicht von vorne herein mögliche positive
Ideen zu blockieren. Der "Beirat" hat offensichtlich für
die Befragten einen zu sehr formal-bürokratischen
Beigeschmack, durch den sie ihre unternehmerischen Erfordernisse
hinsichtlich Flexibilität und Kreativität nicht
begünstigt, sondern behindert sehen.
Doch auch der abgeschwächte Begriff "Interessenvertretung"
kann das eigentliche Problem nicht lösen: Es herrscht eine
sehr ausgeprägte Abneigung gegenüber der Gründung
immer weiterer Initiativen und sonstiger Vertretungen, die
letztlich doch nichts bewirken. Die folgenden Zitate belegen
dies anschaulich. Die Länge der zitierten Passagen, die
meist noch gekürzt sind, und die Heftigkeit und
Deutlichkeit der Argumentation lassen aber auch erkennen, wie
sehr dieses Thema offensichtlich einen "wunden Punkt" bei den
Befragten berührt.
(1) "Also an der Stelle möchte ich sagen: Man sollte
aufpassen, dass man nicht zuviel macht. Denn wir haben im
Prinzip einmal das Bezirksamt, die für den Tourismus
zuständig sind, dann gibt es den Tourismusverein, der
für den Tourismus zuständig ist, dann wurde dieser
Altstadtmanager ins Leben gerufen und jetzt noch einen Beirat?
Ich bin am Anfang auch mal zu mehreren Versammlungen gegangen,
und alle wollten das gleiche. Und ich haben nichts davon, wenn
sich hier nun ein Gremium bildet und da passiert einfach nichts.
Also das Fahrrad zweimal erfinden, würde ich nicht machen.
Sondern die Gremien, die bestehen, sollen zielstrebiger und
kooperativer und in unserem Sinne arbeiten und optimieren. Die
Leute haben nicht soviel Zeit" (Beherbergung).
(2) "Interessenvertretung? Gab es ja schon einmal vor 6,7
Jahren, als ich angefangen habe. Da gab es über den
Tourismusverein genau so etwas schon einmal. Da habe ich auch
einige Male dran teilgenommen. Aber das Einzige, was passierte
und durchgesetzt wurde, war die gelbe Welle. Aber alles andere -
von einer Wassertankstelle haben wir schon vor 7,8 Jahren
gesprochen. Wenn hinter dem Tourismusverein nicht das Bezirksamt
steht und auch unterstützend wirksam ist. Also ich verstehe
die Bezirksregierung hier schon lange nicht mehr. Ich bin mehr
als enttäuscht, um es mal auf den Punkt zu bringen. (...)
Wenn es irgendwann einmal einen Sinn ergäbe und nicht nur
ein fröhliches Miteinander Kaffee-Trinken ist, wozu kein
Unternehmer mehr Zeit hat, wenn es einen Sinn ergibt, wäre
ich der Letzte, der nicht mitmacht. Aber die Erfahrung hat
bisher leider das Gegenteil gezeigt. Dass es momentan hier in
Köpenick überhaupt keinen Sinn hat zu philosophieren
und Ideen zu haben, weil jede Idee im Keime erstickt wird"
(Beherbergung).
(3) "Ich würde sagen, dieser Wald von Institutionen, die
sich mit dem Tourismus beschäftigen oder auch nicht, ist
ohnehin sehr groß. Und weil das so ist, entsteht zum
Großteil auch eine Konkurrenz untereinander. Ich sage mal:
Tourismusverein, Wirtschaftskreis, Lausch-GmbH, Altstadt-Manager
- unendlich viele. Wenn man hier an der Stelle bündeln
würde und versucht, alle unterschiedlichen Interessen unter
einen Hut zu bekommen und dann versucht, etwas auf die Beine zu
stellen, dann denke ich, sollte es eher gelingen als jetzt.
Momentan ist es doch so, dass jeder Einzelne für sich
Alleinkämpfer ist, ob es der Tourismusverein oder der
Wirtschaftskreis" (Tourismusspezialisierter Betrieb).
(4) "... Aber nur zusammenkommen und nur reden, davon kommen
weder Touristen noch kommt Geld rein: Es müsste dann auch
etwas bewegt werden können. Nur, um noch eine
Interessengemeinschaft zu gründen, davon haben wir schon zu
viele. (...) Ich würde sagen, das was ist, sollte besser
genutzt werden, effektiver gestaltet werden, mehr mit den Leuten
- nicht noch etwas Neues. Mehr auf die Leute zugehen, wie Sie es
ja auch versuchen. Zu ergründen, woran es liegt. Nicht noch
etwas Neues. Und noch ein Verein und noch eine Organisation, das
bringt nichts. Es wird alles zerredet" (Beherbergung).
(5) "Nun müsste sich dieses Gremium finden, dies ist
glaube ich auch der Knackpunkt, damit es auch eine qualitativ
hochwertige Arbeit geben kann und es nicht nur ein Gezerre wird
von über- und unterqualifizierten Leuten mit völlig
merkwürdigen oder sich nicht deckenden Interessenlagen, was
überhaupt die touristische Entwicklung betrifft. Was in der
Regel bei solchen Sachen herauskommt ist, salopp gesagt, immer:
Jeder haut seine Probleme auf den Tisch und geht wieder. So ein
Frustablassen. Das ist dann durch die Vielzahl der Anwesenden
oftmals nicht effizient. Es ist ja fast wie so eine
Bürgerversammlung im Rathaus. Alle schimpfen und am Ende
kommt nichts dabei heraus" (Gastronomie).
(6) "Das ist schwierig. Es ist alles realisierbar. Es darf
nicht - und das ist wichtig - künstlich inszeniert sein. Es
muss einen Bedarf geben und es muss eine natürliche Kraft
haben, die dieses Gremium hinterher belebt. Es macht keinen Sinn
3 Burschen hinzusetzen, die letztlich nur ihren Job machen und
die nicht wissen wofür. Es muss ein Motor da sein"
(Gastronomie).
(7) "Ich würde es insofern begrüßen, wenn
effektiv etwas raus kommt. Ich würde etwas dagegen haben,
wenn man sich regelmäßig zusammensetzt und es wird
nur bla-bla-bla gesprochen und es kommt nichts Konkretes dabei
heraus. Von solchen Interessenvertretungen halte ich absolut
nichts. Es muss wirklich ganz straff und konzentriert sein: was
wollen wir und was können wir. Ansonsten bringt das nichts"
(Tourismusspezialisierter Betrieb).
Wie aber sieht nun die Bereitschaft zur Interessenvertretung
innerhalb der 3 unterschiedenen Kategorien aus?
Uneingeschränkte Zustimmung findet die Idee der
Interessenvertretung unter den Befragten aus der
Beherbergungsbranche nur bei drei Personen. Eine eindeutige
Ablehnung wird ebenfalls von drei Befragten genannt. Die
übrigen Befragten zeigen gegenüber der Idee der
Interessenvertretung und deren Realisierungschancen die
überaus große Skepsis, wie sie in den oben
aufgeführten Zitaten zum Ausdruck kommt. Die schlechten
Erfahrungen beziehen sich dabei v.a. auf die mangelnde
Führung, die Ineffektivität solcher Treffen und die
schlechte interne Kooperation unter den bereits vorhandenen
Gremien, die den lokalen Tourismus vertreten, wie Bezirksamt,
Tourismusverein, Altstadtmanager und Wirtschaftskreis. Unter den
Kleinstunternehmern findet die Idee ebenfalls keinen Anklang.
Die meisten (6 der 7 Befragten) versprechen sich davon keine
Vorteile, zumindest nicht für den eigenen Betrieb.
Das Meinungsbild in der Gastronomie ist ähnlich dem der
Beherbergung: Nur 4 Befragte sind uneingeschränkt
dafür. Auch hier handelt es sich um Personen, die ihr
Geschäft noch nicht lange am jetzigen Standort betreiben
und noch keine Erfahrungen bezüglich einer
Interessenvertretung im Bezirk gemacht haben. Eine eindeutige
Ablehnung findet die Interessenvertretung ebenfalls bei 4
Befragten. Die verbleibenden 9 Personen äußern eine
sehr skeptische Einstellung, wie sie in den oben
aufgeführten Zitaten zum Ausdruck kommt, wobei aber die
ablehnende Skepsis überwiegt.
Unter den tourismusspezialisierten Betrieben sind die Meinungen
ebenfalls geteilt: 5 Befragte teilen die zitierte skeptische
Einstellung, 3 davon können sich unter der Maßgabe,
dass die Interessenvertretung ein klares Ziel verfolgt und
effektiv arbeitet, Vorteile für den eigenen Betrieb davon
versprechen. Die übrigen Befragten aus dieser Kategorie
lehnen eine Interessenvertretung ab.
Resümee Interessenvertretung
Angesichts der großen Zahl der Betriebe, die mit anderen
Betrieben kooperieren, der insgesamt positiven Erfahrungen, die
damit gemacht wurden und vor allem angesichts des verbreiteten
Wunsches nach einer Ausweitung und Intensivierung der
Kooperationsformen war es naheliegend zu vermuten, dass die
Gründung einer Interessenvertretung genau den Vorstellungen
der tourismuswirtschaftlichen Betriebe entsprechen würde.
Doch das Gegenteil ist der Fall. Gravierende negative
Erfahrungen v.a. hinsichtlich der Ineffektivität solcher
Initiativen im Bezirk führen bei den Befragten zu
überaus großer Skepsis gegenüber der
Sinnhaftigkeit, die in der Gründung immer neuer Initiativen
liegen soll, wie die oben aufgeführten Zitate sehr
anschaulich und nachdrücklich belegen. Positive
Einstellungen zur Interessenvertretung werden fast
ausschließlich von "Neulingen" genannt, die
diesbezüglich noch keine schlechten Erfahrungen gemacht
haben. Die Meinungen der "Erfahreneren" variieren in den
verschiedenen Schattierungen der Skepsis.
Die wesentlichen Kritikpunkte, die geäußert wurden
- fehlende klare Struktur solcher Initiativen
- keine klare Zielsetzung
- fehlende Führung
- keine erkennbare Effektivität: Vorschläge werden nicht umgesetzt,
alles verläuft im Sande
- unkoordiniertes Vorgehen seitens der bestehenden Gremien, wie Bezirksamt,
Tourismusverein, Wirtschaftskreis usw.
müssen für eine neu zu gründende Interessenvertretung unbedingt
sehr ernst genommen werden und in deren konzeptionelle Umsetzung einfließen.
3.3.4 Zusammenfassung der Auswertungsergebnisse
Die befragten 45 Betriebe weisen die für die Tourismuswirtschaft
charakteristischen Merkmale auf. Es sind in der überwiegenden Mehrzahl
kleine Betriebe mit 1-3 Beschäftigten. In manchen Betrieben sind
zusätzlich noch Teilzeitkräfte oder saisonale Kräfte nach
Bedarf angestellt. Die Saisonabhängigkeit fast aller Betriebe ist
sehr hoch. Die Saison beginnt etwa im März, April und endet im Oktober.
Die Herkunftsgebiete der Gäste bzw. der Kunden sind weit gestreut.
In der Gastronomie kommen die Gäste nicht nur aus dem Stadtteil oder
dem Bezirk, sondern vielfach aus den anderen Berliner Bezirken (Ost wie
West) sowie aus dem Umland. Die Hotel- und Pensionsgäste kommen aus
ganz Deutschland, und zwar vor allem aus den alten Bundesländern.
Der Anteil der ausländischen Gäste ist nur sehr gering. Die
Kunden der tourismusspezialisierten Betriebe stammen hauptsächlich
aus Berlin und dem Umland, zu einem großen Teil kommen die Kunden
aber auch aus weiter entfernteren Gegenden Deutschlands.
Die Stimmungslage hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung wird unter
den befragten Betrieben erwartungsgemäß in deutlicher Weise
von der gesamtwirtschaftlich schlechten Lage bestimmt. Die meisten Betriebe
sind mit verschiedenen internen Problemen und Unsicherheiten konfrontiert,
die sich nochmals zuspitzen durch die allgemein schlechte Lage. Die vorhandenen
Probleme beziehen sich z.B. darauf, dass sich ein Betrieb auf einem restitutionsbehafteten
Grundstück befindet, oder dass aufgrund einer veränderten Nachfrage
die unternehmerischen Konzepte, die aus der Mitte der 1990er Jahre stammen,
heute bereits revidiert werden müssen.
Hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung herrscht bei den meisten
Betrieben eine Haltung des Abwartens. Es wird versucht, eine Bestandssicherung
zu betreiben, in der Hoffnung, dass sich die Zeiten wieder bessern. Nur
wenige planen betriebliche Veränderungen. Meist handelt es sich dann
um Einsparungen beim Personal, sofern das angesichts der geringen Beschäftigtenzahlen
noch möglich ist. Einschneidend betrifft das aber die wenigen Ausbildungsbetriebe,
die es im Bereich der Tourismuswirtschaft überhaupt gibt: Diese planen,
die Zahl der Ausbildungsplätze erheblich zu reduzieren.
Die Bedeutung eines touristisch geprägten Umfeldes wird von den meisten
Betrieben als wichtig eingeschätzt. Im besonderen gilt das für
das Beherbergungsgewerbe. Hier ist es so, dass die Gäste zu einem
ganz überwiegenden Teil Berlin-Besucher sind, die außerhalb
der Großstadthektik wohnen möchten und oft ganz überrascht
sind über die schöne wald- und wasserreiche Umgebung, die sie
vorfinden. Das vorrangige Interesse der Gäste richtet sich auf Berlin,
doch wenn das Interesse für Treptow-Köpenick geweckt ist, dann
wird es schwierig, den Gästen Empfehlungen zu geben. Denn das vorhandene
touristische Umfeld weist erhebliche Defizite und Unzulänglichkeiten
auf. Das liegt zum einen an der Unattraktivität wichtiger Sehenswürdigkeiten,
wie z.B. Müggelturmareal, Altstadt, Schloss, Regattastrecke usw.,
die auf die Gäste abschreckend wirken, und zum anderen an der fehlenden
touristischen Infrastruktur. Hier werden die Unterausstattung mit Restaurants
und Geschäften in den peripheren Gebieten, ein fehlendes Leitsystem,
die schlechte Instandhaltung der vorhandenen Rad- und Wanderwege u.a.m.
genannt. Des weiteren wird von vielen Befragten bemängelt, dass es
kein geeignetes Informationsmaterial in Form einer Broschüre gibt,
in der wichtige Informationen für die Touristen zusammengefasst sind.
Bislang gibt es lediglich eine Vielzahl von Einzelbroschüren, was
für die Gäste sehr unübersichtlich ist.
Neben der Bedeutung des touristischen Umfeldes war auch nach der Einschätzung
zur touristischen Entwicklung Treptow-Köpenicks gefragt worden. Diese
fällt fast einhellig negativ aus. "Köpenick verschenkt ein riesiges
Potenzial", ist die Aussage eines Befragten, die die Meinung vieler anderer
widerspiegelt. Es herrscht die Vorstellung, dass die Bedeutung des Tourismus
als Wirtschaftsfaktor für den Bezirk von den Entscheidungsträgern
noch nicht erkannt wurde. Viele Genehmigungsverfahren würden verzögert
und verschleppt. Mehrere Befragte berichteten, dass sie sogar dann auf
eine unkooperative Haltung seitens der verschiedenen Ämter getroffen
sind, wenn sie die entsprechende Maßnahme aus eigener Tasche finanzieren
wollten.
Die Erfahrungen der Betriebe in Bezug auf Kooperationsformen sind zahlreich.
Die meisten Betriebe arbeiten mit anderen Betrieben kooperativ zusammen.
65% der Betriebe kooperieren bereits mit anderen Betrieben, 17% kooperieren
derzeit nicht, würden es aber begrüßen und sich Vorteile
davon versprechen. Lediglich 17% der befragten Betriebe sind an Kooperationen
nicht interessiert. Die praktizierten Kooperationsformen sind vielfältig
und es werden nach Angaben der Befragten auch überwiegend gute Erfahrungen
damit gemacht. Das widerspricht der teilweise geäußerten Meinung,
dass unter den tourismuswirtschaftlichen Betrieben ein extremes Konkurrenzdenken
herrsche, das jegliche Kooperationen unmöglich mache.
Angesichts der großen Zahl der Betriebe, die mit anderen Betrieben
kooperieren und der insgesamt positiven Erfahrungen, die damit gemacht
wurden, war es naheliegend zu vermuten, dass die Gründung einer Interessenvertretung
genau den Vorstellungen der tourismuswirtschaftlichen Betriebe entsprechen
würde. Doch das Gegenteil ist der Fall. Aufgrund tiefgreifender negativer
Erfahrungen v.a. hinsichtlich der Ineffektivität solcher Initiativen
im Bezirk, besteht bei den Befragten eine überaus große Skepsis
gegenüber der Sinnhaftigkeit, die in der Gründung immer neuer
Initiativen liegen soll.
3.4 Verbesserungsvorschläge
Zum Abschluss sollen die Vorschläge zur Verbesserung der Situation
und des Angebots des lokalen Tourismus genannt werden, die die Befragten
in den Interviews gemacht haben. Es waren eine ganze Reihe konkreter und
pragmatischer Vorschlägen, die auf diese Weise zusammengekommen sind.
Diese Vorschläge sind in vier Kategorien zu unterscheiden.
Vorschläge für:
- baulich-räumliche Maßnahmen
- touristische Leitsysteme und Kartenmaterial
- Maßnahmen zur Verbesserung des Angebots
- Marketingmaßnahmen
(1.) Baulich-räumliche Maßnahmen
- bessere Instandhaltung der Rad- und Wanderwege (sehr oft
genannt)
- Bau einer Wassertankstelle (sehr oft genannt und
offensichtlich auch schon seit längerem im
Gespräch)
- Ausbau begehbarer Uferwege
- Anlage von Reitwegen
- u.a.m.
(2.) Touristische Leitsysteme und Kartenmaterial
Die fehlende Beschilderung ist ein ganz wesentliches Defizit in der touristischen
Infrastruktur Treptow-Köpenicks, das von sehr vielen Befragten genannt
wurde. Und es ging dabei um Beschilderung jeglicher Art:
- Beschilderung der Rad- und Wanderwege
- Ausschilderung der Ausflugsziele und Ausflugsgaststätten
- Umsetzung der touristischen Leitsysteme zu Wasser und zu Lande
- Einrichtung eines Hotelleitsystems
Ergänzend wurde Kartenmaterial vorgeschlagen, wie z.B.:
- Erstellung einer Rad- und Wanderwegekarte
- Übersichtskarte für Badestellen
- u.a.m.
(3./4.) Verbesserung des touristischen Angebots und Marketingmaßnahmen
Während die bisher aufgezeigten Vorschläge der Kategorien
1 und 2 vorwiegend Maßnahmen sind, die von den Unternehmen nicht
so ohne weiteres in Eigenregie umgesetzt werden können, sind die
folgenden Vorschläge, die in den Kategorien 3 und 4 zusammengefasst
sind, eher solche, deren Umsetzungen sich möglicherweise durch
Kooperationsformen verschiedenster Art realisieren ließen. Sie
sind zu verstehen als mögliche Ansatzpunkte dafür, wie durch
gemeinschaftliche Aktivitäten der tourismuswirtschaftlichen Unternehmen
das Angebot in Treptow-Köpenick verbessert werden könnte.
Diese Vorschläge können auch dazu beitragen, dass die Idee
der "Interessenvertretung" oder des "Tourismusbeirats" etwas griffiger
und anschaulicher wird.
(3.) Verbesserung des Angebots
Allgemeine Vorschläge:
- Wiederaufnahme des Fährbetriebs auf bestimmten Linien
- Veranstaltung von "Wasser-Events", z.B. Wasserfeste,
spezielle Regatten
- Förderung der Kultur (z.B. Nutzung der Hallen des
Wasserwerks für Konzerte)
- Entwicklung spezieller Reiseangebot
- Konzept Wasserwandern (in Kooperation Beherbergung und
Gastronomie) Hierbei handelt es sich um ein Konzept, das
bereits vor einigen Jahren in sehr konkreter Form
diskutiert worden ist. Dahinter verbirgt sich die Idee,
Touren für das Wasserwandern (z.B. mit Faltbooten
oder Paddelbooten) auszuarbeiten und so zu organisieren,
dass sie touristisch vermarktet werden können. Es
hatten sich damals auch schon einige Betriebe aus den
Bereichen Beherbergung und Gastronomie zusammengefunden,
um gemeinsam mit dem Bürgermeister zu überlegen,
wie die konkrete Umsetzung erfolgen könnte. Doch dann
ist das Ganze wieder im Sande verlaufen. An dem
entscheidenden Punkt tauchte das Problem auf, dass niemand
die Leitung dieses Projekts übernehmen wollte.
- Angebot aus einer Kombination aus Städtereise und
Segelkurs (in Kooperation mit Vereinen) Dieser Vorschlag
soll ein Angebot sein, dass sich tendenziell eher an
jüngere Leute richtet, und ein Programm beinhaltet,
das in einer Kombination aus
Berlin-Besuch/Städtereise und dem Besuch von
Segelkursen/einer Segelschule - Kombination Kultur und
Sport - besteht. In dem Falle wären die Vereine
angesprochen, ob sie bereit wären, auch
Vereinsfremden Unterricht zu erteilen. Ebenso wäre
die Frage der notwendigen Kapazitäten zu klären.
Vorschläge für die Verbesserung
zielgruppenorientierter Angebote
für jüngeres Publikum:
- Einrichtung einer Wasserskianlage/einer Sommerrodelbahn
für Tagestouristen/Busreisen:
- Angebote an Busreiseunternehmen in Form von "Ausflugspaketen" für
Tagesbesucher aus Berlin und dem Umland (auch weiteres Umland wie Dresden
und Leipzig), z.B. Dampferfahrt. Besichtigungen, Hauptmanngarde, Restaurantbesuch
u.a.m. Dieser Vorschlag kam von mehreren Befragten aus dem Bereich der
Gastronomie. Kooperationen mit Busunternehmen in Berlin, im Berliner
Umland oder auch in größeren Städten (Dresden, Leipzig)
seien aufgenommen und spezielle "Tagespakete" angeboten werden (Köpenick,
Hauptmanngarde, Wasserwerk, Dampferfahrt etc.). Gäste sollten dann
gezielt zu bestimmten Restaurants geführt werden, die wiederum
spezielle preisliche Angebote machen müssten. (Als "Vermittlungsagentur"
bezüglich der Kontaktaufnahme mit Busunternehmen, Tourenplanung
und Organisation solle der Tourismusverein fungieren.)
für Wassersportler
bzw. für deren Begleitpersonen:
- Rahmenprogramm und touristische Angebote für Angehörige
und Verwandte. Ein Vorschlag richtet sich speziell an die Gruppe der
Begleitpersonen der Wassersportler, die bisher touristisch vernachlässigt
ist, aber eine tendenziell kaufkräftige Gruppe darstellt. Das touristische
Umfeld - zumindest an Land - ist für die Wassersportler selbst
oft von geringerer Bedeutung, nicht aber für deren BegleiterInnen.
Für die Entscheidung des Austragungsorts von Segelregatten kann
das touristische Umfeld sogar von sehr großer Bedeutung sein -
jedenfalls ist Köpenick im letzten Jahr daran gescheitert. In der
Vorbereitung einer Segelregatta war geprüft worden, ob in Köpenick
ein Angebot für die Begleiterinnen der Teilnehmer vorhanden ist.
Das wurde negativ beschieden und die Regatta wurde woanders ausgetragen.
Ein weiteres ungenutztes Wassersportpotenzial scheint die Jugendbootsklasse
zu sein, die in den letzten Jahren hohe Zuwachsraten zu verzeichnen
hat. In diesem Bereich werden die Jugendlichen zu den Segelregatten
häufig von den Eltern und Geschwistern und mitunter auch den Großeltern
begleitet, die sich die Gegend anschauen, essen gehen usw. Auch hier
wird ein Klientel gesehen, das von Seiten der für Tourismus Verantwortlichen
in Treptow-Köpenick viel zu wenig beachtet wird. Als positives
Beispiel wird die Region um das Steinhuder Meer in Niedersachsen genannt,
in der dieses Potenzial erkannt wurde und die in erheblichem Maße
davon profitiere.
(4.) Marketingmaßnahmen
- Bessere Vermarktung der Historie (Hauptmann, Schloss)
- Internet-Informationssystem für Zimmervermittlung: Es
wird in diesem Zusammenhang vorgeschlagen, ein Internet-
Informationssystem für die Zimmervermittlung
einzurichten, das die potenziellen Gäste darüber
in Kenntnis setzt, wann welche Zimmer ausgebucht bzw. noch
verfügbar sind.
- Info-Broschüre: Kritisch wird angemerkt, dass es kein
geeignetes Informationsmaterial über die Destination
Treptow-Köpenick gibt. Es fehle übersichtliches
und aktuelles Informationsmaterial in Form von
Broschüren, die den Gästen Treptow-Köpenick
näher bringen und auf Veranstaltungen hinweisen.
Dieses Defizit wird vor allem von Befragten aus dem
Beherbergungsgewerbe genannt. Sie bemängeln, dass sie
immer wieder in mühseliger Kleinarbeit Informationen
zusammensuchen müssten, und von Veranstaltungen im
Bezirk oft selbst nur durch Zufall erführen. Eine
Info-Broschüre, die die zahlreichen
Einzelinformationen zusammenfasst, könnte nicht nur
für Touristen, sondern auch für
Geschäftskunden, die sich am touristischen Umfeld
interessieren, sehr nützlich sein.
- Gemeinsame Marketingstrategie für bestimmte
Zielgruppen (z.B. Geschäftsreisende): Ein weiterer
Vorschlag zielt darauf ab, eine für das
Beherbergungsgewerbe gemeinsame Marketingstrategie zu
entwickeln, die sich speziell an die Geschäftskunden
richtet, die normalerweise eher an die großen Hotels
der bekannten Ketten vermittelt werden. Die
Geschäftskunden selbst sind zudem - so die Erfahrung
- gute Werbeträger, indem die Möglichkeit
besteht, dass sie in ihren Firmen Treptow-Köpenick
empfehlen. Hinsichtlich der Umsetzung gemeinsamer Aktionen
wird allerdings auf ein Problem aufmerksam gemacht: Dass
ein/e einzelne/r Unternehmer/in hier die Leitung
übernimmt, ist kaum vorstellbar. Es müsse eine
Einrichtung geben, die das Ganze organisiert und als
neutraler Partner agiert. Diese Aufgabe könne z.B.
der Tourismusverein übernehmen.
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