|
|
||
|
2.2 Struktur und Besonderheiten der "tourismuswirtschaftlichen" TeilräumeDie folgende Überlagerung der Standorte der Betriebe der tourismuswirtschaftlichen Kategorien ist vornehmlich als vorbereitender Zwischenschritt für die Gesamtschau des "Wirtschaftsraumes Tourismus" gedacht. Schon auf dieser Ebene werden die strukturdominierenden Kategorien erkennbar. 2.2.1 Raum der "Tourismuswirtschaft im engeren Sinn"(Karte 9: Raum der Tourismuswirtschaft im engeren Sinn)Der Wirtschaftsraum "Tourismuswirtschaft im engeren Sinn" wird - wie auch nicht anders zu erwarten war - ausschließlich von der Raumstruktur des Beherbergungsgewerbe bestimmt (siehe 2.1.1.A). Das eindeutige Schwergewicht dieses Wirtschaftsraumes liegt im bebauten Gebiet Köpenicks mit seinen Verdichtungen in der Altstadt Köpenick und in Rahnsdorf. Der Bezirksteil Treptow ist hingegen weitgehend durch Leerräume charakterisiert, insbesondere in Alt-Treptow, Baumschulenweg, Nieder- und Oberschöneweide und in Johannisthal einschließlich der Wissenschafts- und Medienstadt Adlershof. Die Innenstadtnähe Treptows und die traditionelle Funktion von Köpenick als Standort der peripheren und damit in der Regel "zweitrangigen" Berliner Beherbergungswirtschaft tragen zu dieser überkommenen Raumstruktur des Wirtschaftsraumes bei. In Bezug zu den allgemein bekannten Sehenswürdigkeiten des Bezirks (aus der Perspektive der Erreichbarkeit) zeigt dieser Wirtschaftsraum keine ausgesprochenen Defizite. 2.2.2 Raum der "ergänzenden Tourismuswirtschaft"(Karte 10: Raum der ergänzenden Tourismuswirtschaft)Der Bereich der "ergänzenden" oder "tourismusspezialisierten" Tourismuswirtschaft mit ausschließlich wassersportlicher und -touristischer Orientierung hat seine Standorte nicht unerwartet im wassersportlich und -touristisch am stärksten frequentierten Gebiet, in Köpenick. Interessanterweise - aber auch nachvollziehbar - sind die räumlichen Beziehungen zwischen dem Teilbereich "Bootsausrüster und -bau" und dem Teilbereich "Zubehör-, Bootshandel und Reparaturbetriebe" (siehe 2.1.3.F und 2.2.3) weit enger als die zwischen Bootsbau und Bootsverleih. Auf der anderen Seite erscheinen die touristischen Sehenswürdigkeiten des Bezirks zu Lande mit Ausnahme der Altstadt Köpenick kaum in diesen wassertouristisch orientierten Wirtschaftsraum integriert. Diese Situation zeigt deutliche Defizite in der Verknüpfung der touristischen Bereiche zu Lande und zu Wasser. 2.2.3 Raum der "tourismusabhängigen Wirtschaft"(Karte 11: Raum der tourismusabhängigen Wirtschaft)Die Raumstruktur der "tourismusabhängigen Wirtschaft" ist eindeutig durch die Gastronomie dominiert, d.h. durch die von der Betriebszahl her stärksten Branche (siehe auch 2.1.3.E und Karte 5). Die übrigen Branchen der touristischen Infrastruktur, Handel und (Dienst-)Leistungen, - interessanterweise auch die im Bereich Wassertourismus - ergänzen und erweitern die Orte hoher Verdichtung, wie z.B. in Alt-Treptow, an der Baumschulenstraße, an der Wilhelminenhofstraße in Oberschöneweide, im Bereich Spreestraße und Schnellerstraße in Niederschöneweide, am Sterndamm in Johannisthal, im Ortskern Adlershof, in und um die Altstadt Köpenick, an der mittleren Bahnhofstraße in der Dammvorstadt und an der Bölschestraße in Friedrichshagen. Selbst in einigen Streulagen ergänzen sich die Branchen der "tourismusabhängigen Wirtschaft", so z.B. um den Treptower Park und im Westen Rahnsdorfs. Nur in einem Fall kehrt sich das Verhältnis zwischen Gastronomie und "Anderen" um - an der Wendenschlossstraße, an der der Handel mit Booten und Zubehör sowie die Reparatur von Booten dominiert. Die übrigen Streulagen dieses Wirtschaftsbereichs werden ausschließlich durch die Gastronomie gebildet, z.B. in Altglienicke, in Bohnsdorf und in Rahnsdorf. Unverkennbar sind gastronomische Wüsten in der Regel auch frei von anderer touristischer Infrastruktur, wie z.B. der Plänterwald, der Bereich um die Königsheide, die Wissenschafts- und Medienstadt Adlershof, ein Großteil des Stadtteils Altglienicke, der gesamte Süden des Bezirks mit Grünau, Karolinenhof und Schmöckwitz, das gesamte Gebiet nördlich der S-Bahn zwischen S-Bahnhof Köpenick und Erkner, die Müggelberge sowie der Ortsteil Müggelheim. Schon auf dieser Raumebene werden Defizite der touristischen Infrastruktur in Gebieten touristischer Highlights deutlich, in der Wissenschafts- und Medienstadt Adlershof, an der Regattastrecke Grünau sowie in den Müggelbergen (Müggelturmareal). 2.3 Treptow-Köpenick: "Wirtschaftsraum Tourismus"(Karte 12: Wirtschaftsraum Tourismus)Die Struktur des "Wirtschaftsraumes Tourismus" wird zwangsläufig durch die beiden numerisch stärksten Branchen dominiert, durch die Gastronomie und das Beherbergungsgewerbe. Dabei wird der Wirtschaftsraum im Teilbezirk Treptow allein vom Wirtschaftsraum der Gastronomie gestaltet, da in fast allen Ortsteilen, Alt-Treptow, Plänterwald, Baumschulenweg, Johannisthal, Schöneweide und Altglienicke, weitgehend eine Wüste für Unterkunftssuchende herrscht. Nur in Bohnsdorf, im südlichsten Ortsteil Treptows, komplettiert das Beherbergungsgewerbe die lockeren, aber fast flächendeckenden Streulagen der Gastronomie. In den wichtigsten Ortsteilen des Teilbezirks Köpenick, in der Altstadt Köpenick und in Friedrichshagen, ergänzt das Beherbergungsgewerbe die Raumstruktur der Gastronomie. In Grünau, Wendenschloss und in Rahnsdorf erweitert das Beherbergungsgewerbe die flächenmäßige Streuung der Gastronomie. In den genannten Ortsteilen konzentrieren sich auch die übrigen Branchen z.B. des tourismusspezialisierten Bereichs. Die Struktur des "Wirtschaftsraumes Tourismus" in den Ortsteilen Hessenwinkel, Müggelheim und in Schmöckwitz/Karolinenhof wird sogar vom Beherbergungsgewerbe und von anderen Branchen (Alt-Schmöckwitz) beherrscht. Auf der anderen Seite gibt es im Teilbezirk Köpenick auch Ortsteile, in denen die tourismuswirtschaftliche Raumstruktur fast ausschließlich durch die Gastronomie hergestellt wird, z.B. in Oberschöneweide, in Adlershof und in der Dammvorstadt. Der "Wirtschaftsraum Tourismus" beschränkt sich mit wenigen Ausnahmen auf das bebaute Gebiet des Bezirks. Diese räumliche Beschränkung touristischer Dienstleistungen ist in einigen touristisch relevanten Landschaftslagen durchaus als Defizit zu interpretieren, so z.B. im Plänterwald und in den touristisch zugänglichen Müggelbergen. Diese Interpretation lässt sich aber letztendlich nur im Zusammenhang mit der "Verräumlichung" der touristischen Potenziale des Bezirks bestätigen. Auf der anderen Seite existieren auch ausgesprochene tourismuswirtschaftliche Leerstellen oder Diasporasituationen im bebauten Gebiet, so z.B. in der Wissenschafts- und Medienstadt Adlershof und im benachbarten Ortsteil Altglienicke. Dieser Wirtschaftsraum ändert sich ständig - wohl nicht so sehr in seiner Gesamtstruktur, aber in seinen Einzelheiten. Insbesondere die Gastronomie, aber auch das Beherbergungsgewerbe entwickeln sich in der Regel recht "dynamisch". Insbesondere die Kleinst-, Klein- und Mittelbetriebe reagieren aufgrund ihrer Kaufkraftabhängigkeit recht empfindlich auf wirtschaftlich strukturelle und konjunkturelle, ja sogar saisonale Bewegungen mit Expansion und Kontraktion. Kleinstbetriebe können Krisenzeiten oftmals besser überstehen, da sie in der Regel noch andere wirtschaftliche Standbeine besitzen, mit denen sie die Krisen abfedern können. In bestimmten städtischen Lagen, so z.B. im Außenbereich, können manche Betreiber von Ausflugslokalen aufgrund der Personalintensität ihres Betriebs den Ganzjahresbetrieb nicht aufrechterhalten. Nach 1990 wurde auch die Gastronomie im Bezirk Treptow-Köpenick von den Transformationsfolgen getroffen. So mussten Betreiber von florierenden Gaststätten auf touristisch attraktiven Lagen ihren Betrieb aufgeben. Gründe hierfür lagen insbesondere in den ungeklärten Eigentumsverhältnissen sowie in der Privatisierungs- und Vermarktungsstrategie der Treuhandgesellschaft bzw. ihrer Liegenschaftsgesellschaft. In vielen Fällen wurden den betroffenen Betrieben Pachtverträge von nur kurzer Laufzeit, meistens ausschließlich für das Gebäude (ohne Grundstück), vergeben. Den Betreibern blieb nur wenig Planungssicherheit; größere Investitionen in ihren Betrieb konnten so nicht getätigt werden. Viele Gaststättenbetreiber gaben nach zwei bis drei Jahren auf. Unter diesen Bedingungen gestaltete sich insbesondere das Betreiben von Gaststätten im Außenbereich, z.B. in der Nähe von und in Trinkwasser- bzw. Landschaftsschutzgebieten (Erschließungs- und Parkplatzproblematik), als problematisch. Ein anschauliches Beispiel bietet das Müggelturmareal, dessen traditionelle Ausflugslokale schon seit Jahren geschlossen sind. Nur noch eine Imbissbude versucht derzeit, die touristische Nachfrage nach gastronomischen Leistungen notdürftig zu stillen. Heute sind um den Müggelsee und den Langen See mehr als die Hälfte der ehemaligen Ausflugsgaststätten geschlossen. |
||
|
© 2004 by Tourismusverein Berlin Treptow-Köpenick e.V. [email protected] |