Historie
Bekannt geworden ist das Köpenicker Rathaus nicht nur durch seine prächtige Architektur, sondern besonders durch den Gaunerstreich eines falschen Hauptmannes Anfang des 20. Jahrhunderts.
Wilhelm Voigt, ein vorbestrafter Schuster, verhaftete den Bürgermeister Dr. Langerhans und den Finazbeamten. Er ließ sich - gegen Quittung - die Stadtkasse aushändigen und verschwand mit 3.557 Mark und 45 Pfennigen.
Für diesen Streich hatte er bei einem Potsdamer Trödler die Uniform eines kaiserlichen Offiziers des Garderegiments erworben und am 16. Oktober 1906 "echte" Soldaten, die in Berlin vom Wachdienst kamen, von der Straße zu seinen Diensten befohlen. Mit ihnen wurde das Rathaus in Köpenick "besetzt". Die halbe Welt amüsierte sich. Unbeabsichtigt legte Voigt damals den preußischen Militär-Gehorsam als Teil des wilhelminischen Untertanengeistes bloß. Zehn Tage nach dem Coup wurde er festgenommen, dann zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt, aber nach zwei Jahren vom Kaiser begnadigt.
Weniger tragisch als auf der Bühne und im Film gestaltete sich das Leben Wilhelm Voigts nach seiner vorfristigen Entlassung aus dem Gefängnis. Durch den Verkauf seiner Biographie ("Mein Lebensbild" von Wilhelm Voigt), die 1909 in einem Leipziger Verlag erschienen war, weitete sich sein Geldbeutel, und sein Blick ging über die Landesgrenzen hinaus. Im Mai 1909 erwarb er in Luxemburg Wohnrecht. Am 30. April 1910 bezog er in der Rue du Fort Neyperg Wohnräume zur Untermiete. In den folgenden Jahren leistete er sich Reisen nach Frankreich, Kanada, Amerika und Großbritannien. Das Geld, das er auf Reisen beim Zirkus Barnum & Balley verdient hatte, legte er an, um so von der Rendite bescheiden, aber ehrlich bis zu seinem Tode am 3. Januar 1922 leben zu können. Sein Grab befindet sich auf dem Liebfrauenfriedhof (Cimetière Notre-Dame) in der Stadt Luxemburg nahe der Friedhofsmauer.





